Angespannte Stimmung auf dem Marktplatz

Öhringen  Vielleicht hat die Braut den Tag gerettet. Denn die Stimmung auf dem Öhringer Marktplatz war am Samstagnachmittag gegen 15.30 Uhr mehr als aggressiv.

Von unserem Redakteur Daniel Stahl

Angespannte Stimmung auf dem Marktplatz
Gut 100 Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Asyl-Politik der Regierung standen letzten Samstag etwa 50 Gegendemonstranten gegenüber.Foto: Daniel Stahl

Etwa hundert Menschen hatten sich zu einer nicht angemeldeten Kundgebung gegen die Asyl-Politik der Bundesregierung versammelt. Etwa 50 Teilnehmer einer spontanen Gegendemo standen ihnen gegenüber. Und vor allem aus den Reihen der Asyl-Gegner gab es immer wieder Drohgesten.

Lachen

Da öffnete sich die Tür der Stiftskirche, in der gerade eine Trauung zu Ende gegangen war. Die Braut staunte. "Das wäre doch nicht nötig, dass ihr alle wegen uns kommt", rief sie über den Markplatz. Und zum ersten Mal lachten viele der Demonstranten. So viel Deeskalation wäre der Polizei am Samstag wohl nicht gelungen. Die Beamten hatten die Lage offenbar unterschätzt. Vier Polizisten waren vor Ort − bei gut 150 Demonstranten und einigen Schaulustigen.

Das Problem war: Die Kundgebung der Asyl-Gegner war nicht angemeldet. Es sei kein Veranstalter bekannt, sagte Günther Stecher, Leiter des Öhringer Polizeireviers. Der hätte sich sonst wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz verantworten müssen. So durften die Anwesenden keine Reden halten. Nur auf dem Marktplatz stehen. Auflösen wollte die Polizei die nicht genehmigte Versammlung jedoch nicht. Das sei nicht verhältnismäßig, sagte Stecher.

Der Aufruf zu einer friedlichen Demonstration gegen die Regierung und gegen das Asylsystem war seit vergangenem Montag in vielen Briefkästen in Öhringen gelandet. Der Einladung waren einige Menschen aus Öhringen und dem Umland gefolgt. Das zeigte: Die Sorgen in Teilen der Bevölkerung sind groß. Eine ältere Frau erzählte, dass sie Angst davor habe, dass Asylbewerber neben Kindergärten einquartiert werden könnten. Ihren Namen wollte sie nicht nennen.

Mehrere Asyl-Gegner hatten Schilder mitgebracht: "Merkel muss weg" oder "Deutschland gehört den Deutschen". Offenbar nutzen Anhänger der rechten Szene den Tag, um Stimmung zu machen. Einige verteilten NPD-Flugblätter.

Zeichen

Dem stellten sich etwa 50 Gegendemonstranten entgegen. Auf ihren Schildern stand: "Asyl ist ein Menschenrecht". SPD-Stadträtin Irmgard Kircher-Wieland hatte noch am Freitag beim Rathaus die Gegenkundgebung angemeldet. Doch laut Ordnungsamt kam ihre Anmeldung zu spät. Deshalb durfte auch sie nicht offiziell sprechen. "Ich hätte gerne gesagt, dass in Öhringen kein Platz ist für Fremdenhass", sagte Kircher-Wieland. So konnte sie nur mit gut 50 Gegendemonstranten Präsenz zeigen und mit der anderen Seite diskutieren. "Uns war es wichtig, ein Gegenzeichen zu setzen", sagte Petra Schautt, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Waldbach.