Bei Wolffkran kommt der neue Leitwolf von außen

Management-Buy-In: Finanzinvestor Peter Schiefer ist der neue Chef des Heilbronner Traditionsunternehmens

Von Manfred Stockburger

Bei Wolffkran kommt der neue Leitwolf von außen
Wolff-Krane beim Himmels-Ballett: Insgesamt elf Heilbronner Riesen kommen beim Umbau des Flughafen Wien-Schwechat zum Einsatz (Foto: Wolffkran)
 Atemberaubend steil ist Peter Schiefers Karriere: Promotion mit 25, mit 33 war er bei Siemens als Manager für 1200 Mitarbeiter und 1,2 Milliarden Mark Umsatz verantwortlich. Danach wechselter er zu Goldman Sachs. Jetzt ist er 38, Mittelständler und zufrieden: Zusammen mit einem Partner hat er vor einem Jahr den Heilbronner Kranbauer Wolffkran übernommen.

Jahrelang hangelte sich die Kran-Branche von Krise zu Krise. „Der Markt war seit zehn oder zwölf Jahren in einer harten Rezession“, sagt Peter Schiefer. „Jetzt boomen Asien und Dubai. Europa kommt dazu. In den USA boomt es noch.“ Mit Russland und Osteuropa werden in den nächsten Jahren neue Märkte erschlossen, ist der geschäftsführende Gesellschafter überzeugt. Deswegen glaubt er auch nicht, dass das Geschäft schon bald wieder wegbricht.

Eigentlich wollte Schiefer die alte Tante Wolff, die im MAN-Konzern schon seit Jahren im Abseits gestanden hatte, langsam wieder nach oben bringen. Langfristig wieder aufbauen. Kaum hatte der Manager mit der schicken Hornbrille Wolffkran übernommen, da drehte der Markt komplett: Im Herbst haben die neuen Eigentümer kurzerhand beschlossen, die Produktionskapazität zu verdoppeln. „Trotzdem müssen wir zurzeit pro Woche ein bis zwei Anfragen ablehnen, weil wir die Kapazität nicht haben“, sagt Peter Schiefer. „Es gibt einfach nicht genügend Krane, um alle Baustellen zu beliefern.“

Der unerwartete Konjunkturschub wirkt sich auch in den Zahlen positiv aus: Im Jahr 2005 lag der Umsatz bei 35 Millionen Euro, im laufenden Jahr rechnet Schiefer mit 47 oder 48 Millionen Euro. Auch die Belegschaft wächst mit: Bei der Übernahme beschäftigte Wolffkran 190 Mitarbeiter, 150 davon in Heilbronn. Inzwischen sind es - einschließlich Leiharbeiter - 230. Bei deutlich steigender Tendenz. „Wir haben begonnen, Leiharbeiter in die Stammbelegschaft zu übernehmen“, sagt Peter Schiefer. „Jetzt müssen wir die Struktur nachziehen, auf Dauer auf 150 Prozent zu arbeiten, das geht nicht. Wir müssen in einen normalen Arbeitsmodus kommen.“

Momentan sind die neuen Chef-Wölffe am Überlegen, ob sie die nach wie vor in Heilbronn angesiedelte Fertigung noch weiter ausbauen. „Das Kranengeschäft ist stark zyklisch“, warnt Peter Schiefer, obwohl er davon ausgeht, dass es der Bauwirtschaft auf längere Sicht gut gehen wird. „Aber irgendwann kommt die Sättigung. Davor müssen wir rechtzeitig den Stopp reinhauen. Umso wichtiger ist es, dass wir unser Vermiet-Geschäft ausbauen.“

Spätestens an dieser Stelle würde die Geschichte eine andere Wendung nehmen, wenn Schiefer bei Wolffkran als klassische Heuschrecke unterwegs wäre. Denn Kasse machen auf Kosten der Substanz, das wäre zurzeit einfach mit der ehemaligen MAN-Tochter: Leicht und schnell, sinniert Schiefer, könnte er die Flotte, die er im vergangenen Sommer von MAN eher als Klotz am Bein übernommen hat, jetzt versilbern. Will er aber nicht. Warum? „Es macht einfach Spaß, hier Unternehmer zu sein“, sagt er.

Dabei kommt Schiefer aus dem klassischen Beteiligungsgeschäft, dieses Handwerk hat er bei Goldman Sachs gelernt, danach als Managing Partner des Equity-Fonds M2. „Als Private Equity müssen sie früher oder später verkaufen, wobei früher zwei Jahre heißt und später drei bis vier Jahre. Das ist ein sehr kurzfristiges Geschäft“, sagt er. Dabei sei der kurze Zeithorizont gerade im Mittelstand schwierig. „Es kann unter Umständen gut sein, sich länger zu binden. Deswegen haben wir beschlossen, Wolffkran selbst zu kaufen.“ Also nicht für den Fonds, sondern als die Privatpersonen Peter Schiefer und Hans-Peter Koller, der auch bei M2 sein Partner ist. „Damit haben wir die Möglichkeit, dass wir sehr langfristig drin bleiben und die Firma sogar vielleicht vererben“, sagt Peter Schiefer. Sein Sohn ist gerade sieben Jahre alt.

Mit seinem langfristigen Horizont erklärt Peter Schiefer auch, warum er auch die Immobilie in Heilbronn gekauft hat. „Alles was wir machen, machen wir auf eigenem Grund und Boden.“