Wolpert-Gruppe kauft KW Weinsberg

Weinsberg/Bretzfeld - Jetzt wird es wohl doch noch etwas mit dem 100. Geburtstag: Der 1912 gegründete Autozulieferer KW Weinsberg geht als Tochter der Bretzfelder Wolpert-Gruppe in die Zukunft. Der neue Eigentümer übernimmt 23 Beschäftigte.

Von Manfred Stockburger

Weinsberg/Bretzfeld - Jetzt wird es wohl doch noch etwas mit dem 100. Geburtstag: Der 1912 gegründete Autozulieferer KW Weinsberg geht als Tochter der Bretzfelder Wolpert-Gruppe in die Zukunft. Die Firma hatte im Frühjahr zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre einen Insolvenzantrag stellen müssen. 23 Mitarbeiter wird die wiedergeborene KW Weinsberg GmbH zunächst haben und der angestammte Standort bleibt zumindest vorerst erhalten.

Für Insolvenzverwalter Gerhard Tonhäuser war die "Rettung in letzter Sekunde" eine "schwere Hausnummer". Das Problem: Während der Insolvenz seien keine neuen Aufträge mehr an die KW gegangen, sagt er. "Wir standen vor der Frage, ob wir zumachen müssen."

Personalabbau

Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags - die KW gehörte der Surikate AG, in deren Aufsichtsrat Läpple-Finanzvorstand Ralf Herkenhoff sitzt - beschäftigte der Traditionsbetrieb knapp 90 Mitarbeiter. Etwa 35 von ihnen waren bereits vor einiger Zeit in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft gewechselt, für weitere 30 Betroffene ist jetzt nochmals eine solche Gesellschaft gegründet worden, die den Fall in die Arbeitslosigkeit wenigstens verzögert. "Das waren alles qualifizierte Mitarbeiter", bedauert Tonhäuser. Er ist zuversichtlich, dass die Wolpert-Gruppe schon bald weitere Mitarbeiter brauchen wird und den Ehemaligen eine Chance gibt. "Die Mannschaft hat toll mitgearbeitet."

Und was hat der neue Eigentümer mit der KW vor? "Wir haben sehr gute Aufträge", sagt Josef Wolpert, dessen Firmengruppe mit Hauptsitz in Bretzfeld-Schwabbach inzwischen 380 Mitarbeiter beschäftigt. Wolpert hat einen 18-Monats-Mietvertrag über die Werkhallen in Weinsberg unterschrieben mit einer zweifachen Verlängerungsoption. "Wenn wir es schaffen, die Aufträge gewinnbringend abzuarbeiten, dann werden wir in Schwabbach bauen", sagt Wolpert. Und: "Die KW ist eine tolle Ergänzung für unsere Gruppe."

Den Namen will er auf alle Fälle weiterführen: "KW Weinsberg ist weltweit von Bedeutung." Wolpert kann sich sogar vorstellen, andere Teile seiner Gruppe unter diesem Namen zusammenzufassen. "Aber das sind große Visionen." Seine erste Priorität ist, wieder Ruhe und Ordnung in den Betrieb zu bringen. Die Geschäftsführung der KW hat er Ronny Schüler übertragen, der beim Schwesterbetrieb ZR bereits Chef ist. ZR war bis zur Übernahme durch Wolpert eine Tochter des börsennotierten Ingenieurdienstleisters Bertrand.

Historie

Josef Wolpert ist ganz begeistert von seiner jüngsten Akquisition: "Da gibt es noch Zeichnungen von ganzen Autos, die die früher gebaut haben", schwärmt er. Teil des Betriebsvermögens, das er gekauft hat, ist auch eine Kutsche aus der Anfangszeit des Unternehmens und ein Fiat Weinsberg, der 1961 auf der Basis des Fiat 500 von der KW gebaut worden ist. "Der kommt in meine Garage", sagt Wolpert.

Auch die Wolpert-Gruppe hat die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. "Aber wir haben keine einzige Kurzarbeitsstunde gehabt", sagt der Vorstand stolz. Zumindest bis in den April hinein werde sich da nichts ändern. "Eine gewisse Aufbruchstimmung ist vorhanden."