WG Heilbronn und Flein-Talheim wollen fusionieren

Region - Vorstände und Aufsichtsräte beider Seiten behandeln die Sache wie ein rohes Ei. Sie wollen sich erst bei einem Pressetermin kurz vor Ostern äußern.

Von Kilian Krauth

Wengerter-Ehe bahnt sich an
Die 1923 gegründete WG Flein-Talheim bauten ihren Standort an der Römerstraße in Flein ansprechend um. Sie ist vor allem für ihren feinen Riesling bekannt.Foto: privat

Region - Vorstände und Aufsichtsräte beider Seiten behandeln die Sache wie ein rohes Ei. Sie wollen sich erst bei einem Pressetermin kurz vor Ostern äußern. Doch spätestens mit dem Rundschreiben, das diese Woche 759 Mitglieder in Heilbronn und Umgebung in ihrem Briefkasten fanden, kann von einem Geheimnis nicht mehr die Rede sein: Die Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg und die Weingärtner Flein-Talheim führen Gespräche über eine Fusion.

Größte Genossenschaft

Die Heilbronner Kellerei ist mit einer Fläche von 745 Hektar heute schon die größte Genossenschaft in Württemberg. Flein-Talheim verarbeitet Trauben von 300 Hektar. Kommt es zum Zusammenschluss, deckt der Großbetrieb zehn Prozent der 11 000 Hektar großen Rebfläche in Württemberg ab (siehe Grafik).

Wie der Heilbronner Geschäftsführer Karl Seiter auf Stimme-Anfrage bestätigte, strebe man nicht nur Kooperationsmöglichkeiten in Teilbereichen an, sondern tatsächlich eine Verschmelzung. "Alles andere, das zeigt die Erfahrung, bringt nicht die gewünschten Effekte." Aus Rücksicht auf die Mitglieder wolle man sich zum derzeitigen Stand nicht näher äußern.

Bedeckt

Auch der Fleiner Vorstandschef Martin Göttle hält sich bedeckt. "Wir wollen niemand vor den Kopf stoßen. Das letzte Wort haben schließlich die Mitglieder." In einem am 16. März aufgesetzten Brief an die Mitglieder heißt es: "Aufgrund der sich ständig verändernden Marktsituation sind sich Vorstand und Aufsichtsrat darüber einig, dass sich bietende strukturelle Veränderungsmöglichkeiten geprüft und positiv angegangen werden sollten." Man führe Gespräche, wie eine mögliche "gemeinsame Zukunft" aussehen könnte. Zu einer Informationsveranstaltung sind die Mitglieder beider Seiten am 20. und 21. April in die jeweiligen Betriebsstätten an der Binswanger Straße und an der Römerstraße geladen.

Ausdrücklich begrüßt werden die Fusionsbemühungen vom Präsidenten des Weinbauverbandes Württemberg, Hermann Hohl, und von seinem Stellvertreter Günter Bubeck, der auch Mitglied von Flein-Talheim ist. "Wollen wir hoffen, dass die Mitglieder vernünftig sind und in die Zukunft blicken", meinte gestern Hermann Hohl. Er spricht von einer "gewissen Signalwirkung für die gesamte Branche". Kooperationen gebe es beispielsweise im Weinsberger Tal und im Zabergäu. Er sieht darin Vorstufen zu möglichen Fusionen.

Hohl geht davon aus, dass sich der Konkurrenzdruck durch die Globalisierung weiter verschärft und "größere, schlagkräftige Einheiten" das Gebot der Stunde sind. Die Betriebskosten seien zuletzt regelrecht "explodiert". Nicht nur für Energie und Personal, sondern etwa auch für Pflanzenschutzmittel, Leergut und für verstärkte Marketingbemühungen. Doch trotz des höheren Aufwandes konnten die Weinpreise über Jahre hinweg kaum erhöht werden.

In der Folge sind die Auszahlungsgelder an die Mitglieder vielerorts eher rückläufig. Für viele rentiert sich die Arbeit ganz einfach nicht mehr. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Hobbywengerter ab.