Unter neuem Namen führt Michael Friedrich die Firma Heimo weiter

Jagsthausen - Emotion und Animation, Bewegung und Neuanfang − das alles kann der neue Name ausdrücken. Und obendrein knüpft er an das Alte an: Aus Heimo wird Heimotion. Damit bleiben nach der Insolvenz des Traditionsbetriebs aus Jagsthausen alle Arbeitsplätze erhalten.

Von Christian Gleichauf

Die Puppen dürfen wieder tanzen
Michael Friedrich mit dem Schriftzug der neuen Firma. Rechts und links die Figuren eines aktuellen Auftrags: Die noch fleischfarbenen Gesellen werden als singende Marmorstatuen für Unterhaltung in einem holländischen Park sorgen.Foto: Gleichauf

Jagsthausen - Emotion und Animation, Bewegung und Neuanfang − das alles kann der neue Name ausdrücken. Und obendrein knüpft er an das Alte an: Aus Heimo wird Heimotion. Damit bleiben nach der Insolvenz des Traditionsbetriebs aus Jagsthausen alle Arbeitsplätze erhalten, 26 Mitarbeiter werden auch in Zukunft riesige furchteinflößende King Kongs, tanzende Zwerge oder sprechende Bäume herstellen, die in Freizeitparks Jung und Alt faszinieren sollen.

Chef der neuen Firma ist Michael Friedrich, der bei Heimo zuvor vier Jahre lang gemeinsam mit Olaf Mordelt das Sagen hatte. Mit Unterstützung seiner Familie, seiner Frau Britta und zwei Investoren aus Belgien und Frankreich hat er das Geld aufgebracht, um den Betrieb aus der Insolvenz herauszukaufen. Seit 1. Januar ist die Heimotion Themed Attractions GmbH nun am Start, und die ersten Aufträge liegen zur Unterschrift bereit.

Weniger Risiko

"Wir konzentrieren uns wieder auf das klassische Geschäft", sagt Michael Friedrich. "Animatronics und Thematisierungen" nennt er es. Momentan gebe es kein Interesse, wieder im großen Stil in die Parkplanung einzusteigen. Mit der wollte sich die alte Heimo ein kräftiges neues Standbein schaffen. "Da ist 2009 aber ein großer Kunde aus dem Ausland abgesprungen, nachdem wir schon alles geliefert hatten." Solche heiklen Projekte sollen künftig vermieden werden.

Über die Gründe für die Insolvenz will Friedrich auch im Nachhinein nicht allzu viel sagen. Dass die Kommunikation in der Chefetage zuletzt ins Stocken geraten war, ist ein offenes Geheimnis. "Der Knackpunkt war aber: Es haben einfach die Aufträge gefehlt." Im Frühjahr 2010 seien sie plötzlich abgerissen. "Trotzdem habe ich bis zuletzt gegen die Insolvenz gekämpft. Ich wollte sie nicht", macht er klar. Von dem Antrag beim Amtsgericht, den sein Mitgeschäftsführer Olaf Mordelt gestellt hatte, habe er nichts gewusst. "Als das aber klar war, habe ich alles daran gesetzt, den Betrieb zu übernehmen." Schließlich habe er vor vier Jahren seine Lebensplanung auf das Unternehmen ausgerichtet. "Daran hat sich nichts geändert. Ich stehe zu den Leuten und dem Standort."

Kein Bieterverfahren

Allerdings hatte Friedrich nicht als einziger vor, Heimo weiterzuführen. Auch Olaf Mordelt, dessen Großvater das Geschäft gegründet hatte, unterbreitete Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz ein Angebot. Zu einem Bieterverfahren kam es aber nicht. "Das hätte es nur bei annähernd gleichwertigen Angeboten gegeben", erklärt der Heilbronner Anwalt, "es gab aber nur ein verwertbares." Das von Friedrich. Nach Rücksprache mit den Gläubigern hat er den Zuschlag bekommen.

Nun führen Britta und Michael Friedrich gemeinsam die Geschäfte, und sie sehen sich für die ersten Monate auf einem guten Weg. "Wir wollen uns wieder mehr auf Europa, auch wieder mehr auf Deutschland konzentrieren", sagt Michael Friedrich. Der 44-Jährige ist optimistisch: "Ich denke, wir werden schon in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben."

Olaf Mordelt wünscht dem Betrieb und den Angestellten viel Erfolg. "Natürlich hängt mein Herz an Heimo." Er habe die Insolvenz nur angemeldet, weil er die Gefahr einer Verschleppung gesehen habe. Nun aber konzentriere er sich auf ein neues Unternehmen, das sein Vater Karl-Heinz schon unter dem − so wörtlich − "Decknamen" Psammead ins Handelsregister hat eintragen lassen. Geschäftszweck ist unter anderem: Konzeption und Planung für Freizeitparkattraktionen. Dass er damit nah dran ist an der alten Heimo, ist Olaf Mordelt bewusst. "Es gibt ein Wettbewerbsverbot." Doch noch möchte er nicht mehr sagen zu dem Vorhaben.

Unter Beobachtung Insolvenzverwalter Branz hält sich mit einer Bewertung dieses Unterfangens zurück. "Ich habe aber ein Auge drauf", sagt er. Denn noch immer gelte nach einer Insolvenz: "Man kann nicht alles machen."

Von Heimo zu Heimotion

Heinz Mordelt stellt 1944 die ersten beweglichen Figuren und Schaufensterdekorationen her. Von 1951 bis ’59 produziert seine Firma in Berlin. Die Abkürzung seines Namens wird zum Firmenname: Heimo. 1959 kommt Heimo nach Jagsthausen. Zu den beliebten Themen für die beweglichen und sprechenden Puppen gehören die Märchen. 1961 entsteht in Jagsthausen der Märchengarten – der erste moderne Freizeitpark in Europa. Er wächst bis er 1982 nach Klagen von Anwohnern geschlossen werden muss. 2005 steht Heimo vor der Pleite, erholt sich wieder. 2010 dann die Insolvenz, aus der die Firma 2011 als Heimotion hervorgeht.