Stellenabbau bei Läpple ohne Entlassungen

Heilbronn - Der Autozulieferer Läpple streicht bis zu 250 Stellen in seinem Stammwerk Heilbronn. Darauf haben sich Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall geeinigt. In einem ersten Schritt fallen 205 Arbeitsplätze weg, weitere 45 womöglich im Juli. Allerdings gibt es keine Entlassungen: Die Beschäftigten werden in eine neu gegründete Auffanggesellschaft verlagert, der eine Leiharbeitsfirma angeschlossen ist. Läpple übernimmt für 23 Monate die Gehälter. Zentrale Vereinbarung ist, dass es keine Entlassungen geben wird: Alle Beschäftigten behalten einen Arbeitsplatz.

Von Heiko Fritze und Siegfried Lambert




Heilbronn - Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall über den Stellenabbau beim Autozulieferer Läpple AG geeinigt. Die Ergebnisse wurden am Dienstag der Belegschaft in einer Betriebsversammlung präsentiert.

Stellenabbau bei Läpple ohne Entlassungen
Unter anderem im Bereich Werkzeugbau werden im Stammwerk Heilbronn der Läpple AG erneut Arbeitsplätze gestrichen.Foto: Dittmar Dirks
Zentrale Vereinbarung ist, dass es keine Entlassungen geben wird: Alle Beschäftigten behalten einen Arbeitsplatz. Allerdings werden in einem ersten Schritt 205 Mitarbeiter in eine neugegründete Personalauffanggesellschaft übertragen, berichteten Vorstandssprecher Daniel Böhmer und Betriebsratsvorsitzender Valentin Luschenz.

Je nach wirtschaftlicher Lage kommen im Juli nochmals 45 Beschäftigte dazu. Zu dieser Firma gehört eine Überlassungsgesellschaft, die ihre Angehörigen bei Läpple und anderen Unternehmen einsetzen will. Geschäftsführer wird der ehemalige Läpple-Mitarbeiter Marc Schmidt.

Vereinbart wurde auch, dass Läpple die Gehälter für die bis zu 250 Wechsler bis Ende 2010 zahlt. Scheidet jemand vorher aus, wird seine übrige Lohnsumme auf die restlichen Angehörigen der Gesellschaften übertragen. „So verlängert sich die Lebensdauer der beiden Firmen“, sagte Luschenz.

Reaktionen

Im April vergangenen Jahres hatte die Geschäftsleitung angekündigt, 450 von damals 1450 Stellen im Werk Heilbronn abzubauen. Davon sollten 350 Beschäftigte entlassen und 100 in eine Dienstleistungsgesellschaft verlagert werden. Seitdem haben etwa 130 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, berichtete Luschenz: Etwa 50 unterschrieben einen Aufhebungsvertrag, weitere 80 suchten sich eine neue Stelle. „In der August Läpple GmbH Co. KG werden wir am Ende 837 Beschäftigte haben“, sagte Luschenz. Im Juli waren es noch 1140.

Stellenabbau bei Läpple ohne Entlassungen
Vorstandssprecher Daniel Böhmer stellte die Einigung vor.Foto: Heiko Fritze

Die Reaktionen der Beschäftigten reichten gestern, am Tag der Wahrheit, von hoffnungsvollem Optimismus bis zu rabenschwarzer Skepsis. „Diese Lösung ist besser als Arbeitslosigkeit“, sagt Richard Gottschick tapfer. Der 54-Jährige arbeitet seit 20 Jahren beim Autozulieferer. „Wenn das der Firma weiterhilft, ist das für mich in Ordnung.“ Bernhard Schick, seit 35 Jahren im Formenbau, sieht die Auffanggesellschaft ebenfalls positiv. „Mit einer Abfindung ist man ja gleich arbeitslos.“

Zugeständnisse

Andere sind am Boden zerstört. „Das ist großer Mist“, schimpft ein 38-Jähriger, der wie viele andere seinen Namen nicht nennen will. „Uns verspricht keiner was, wenn wir in diese neue Gesellschaft überwechseln. Die Betriebszugehörigkeit ist auf jeden Fall futsch. Was das Management verbockt hat, müssen wir jetzt ausbaden.“ Sein Kollege aus der Blechfertigung, seit 24 Jahren bei Läpple, sieht das genauso. „Wer kann über diese Entwicklung froh sein?“, fragt der 46-Jährige verbittert. „Wir stehen vor einer ungewissen Zukunft. Und das nach Lohnverzicht und vielen anderen Zugeständnissen.“