Neue Perspektiven für Telefunken

Heilbronn - Vor wenigen Monaten war Subba Pinamanenis große Sorge noch, wie er das Material und seine gut 300 Mitarbeiter bezahlen sollte, was nicht nur bei der Belegschaft der Heilbronner Firma Telefunken Semiconductors für Aufregung sorgte.

Von Manfred Stockburger

Heilbronn - Vor wenigen Monaten war Subba Pinamanenis große Sorge noch, wie er das Material und seine gut 300 Mitarbeiter bezahlen sollte, was nicht nur bei der Belegschaft der Heilbronner Firma Telefunken Semiconductors für Aufregung sorgte: Auch der Chef muss in dieser Phase die eine oder andere schlaflose Nacht gehabt haben.

Jetzt kann Pinamaneni wieder lachen: Sein Exklusivvertrag mit dem Chiphersteller Atmel, dem er die Heilbronner Produktionsstätte abgekauft hatte, ist um zwei Jahre verlängert. Außerdem hat er einen Investor gefunden, mit dessen Hilfe er in Kalifornien eine weitere Chipfabrik gekauft hat − für 53 Millionen Dollar. Die Verträge mit dem japanischen Verkäufer Renesas sind unterzeichnet, Anfang Mai soll das Geschäft über die Bühne gehen.

Chancen

Mit beiden Chipfabriken hofft er, neben der Lohnfertigung für Atmel und 15 weitere Technologiefirmen auch ausreichend Kapazität für eigene Produkte zu bekommen: Die Powermanagement-Chips sollen dafür sorgen, dass Elektronik-Geräte mit weniger Strom auskommen. Der klangvolle Name Telefunken soll den Verkauf beflügeln.

"Der Markt ist 15 Milliarden Dollar schwer", sagt Pinamaneni. "Zehn Firmen kontrollieren die Hälfte davon, der Rest ist verteilt auf viele kleine Firmen wie Telefunken." Er sieht gewaltige Chancen für die Firma mit gut 300 Mitarbeitern in Heilbronn: "Wir haben nicht die Verwaltungskosten der Big Boys in diesem Geschäft, deshalb können wir attraktive Preise anbieten. Außerdem ist unsere Technologie viel besser", betont der 57-Jährige beim Pressegespräch in lockerer Atmosphäre an der Bar des Insel-Hotels.

Umsatz

Für Forschung und Entwicklung verantwortlich ist Volker Dudek. Er kam schon 1999 zu Atmel nach Heilbronn und gehörte Ende 2008 zu dem Bereich, der an Pinamaneni und seine Mitinvestoren verkauft wurde. Dudek hat seither mehrere hochqualifizierte Entwicklungsteams zusammengestellt. "Zunächst haben wir Produkte nachentwickelt, die schon etabliert sind. So wird der Markteinstieg vereinfacht, und wir generieren schnell Umsatz." Künftig will Dudek den Markt aber mit Innovationen aufrollen.

Dass sich die Produktentwicklung um sechs Monate verzögert habe, sei der Grund für die Liquiditätsprobleme Anfang des Jahres gewesen, erklärt Pinamaneni. Die Produkterlöse seien aber einkalkuliert gewesen, als er seit der Übernahme der Fabrik vor gut zwei Jahren 20 Millionen Euro investiert habe: 14 Millionen in die Entwicklung, und sechs Millionen in die Fertigung.

Investitionen

In den letzten Atmel-Jahren sei nicht in die Heilbronner Fertigung investiert worden, sagt der neue Eigentümer − bekanntlich hatte der Chiphersteller schon länger angekündigt, dass das Werk verkauft werden sollte. Mit Entwicklern ist Atmel weiter in Heilbronn präsent − auch die Immobilie gehört nach wie vor diesem Konzern.

Die vergangenen Monate waren nicht einfach für Telefunken Semiconductors. Was die Beschäftigten geleistet hätten, sei aber phänomenal, betont Pinamaneni. Ein Rekord: 32 000 Halbleiterscheiben oder Wafer im ersten Quartal 2011. "Das ist die Essenz von Telefunken. Wenn man so einen Sprung in den Markt schafft, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Marktanteile wachsen."

Neue Perspektiven für Telefunken
Halbleiterherstellung bei Telefunken Semiconductors in Heilbronn: Mehr als 300 Beschäftigte fertigen in der Theresienstraße Chips.Foto: Telefunken Semiconductors


Zur Person: Subba Pinamaneni

Subba Pinamaneni ist eine schillernde Figur. Der 57-jährige Unternehmer mit mehreren Jahrzehnten Halbleiter-Erfahrung stammt aus Indien, wo er auch studierte. Schon in den 1980er Jahren zog er aber in die USA. Jetzt wohnt er mit seiner Frau in Heilbronn. In das normale Managerraster will er nicht passen: „Wenn wir eine Entscheidung treffen, dann braucht das weniger als 30 Minuten“, sagt er zum Beispiel. Dass am Ende nicht alle Entscheidungen richtig sind, nimmt er dabei bewusst in Kauf. „Wir bewegen uns aber immer in Richtung Zukunft. Durch kurze Kommunikationswege und fundiertes Know-How können wir unsere Strategien kurzfristig umsetzen.“ Mit seiner Art der schnellen Entscheidungsfindung sollen die Mitarbeiter das Vertrauen bekommen, dass sich jemand um sie kümmert, hofft er.


Hintergrund: Temic, Atmel, Telefunken

Vergangenen Herbst jährte sich die Ansiedlung von Telefunken in Heilbronn zum 50. Mal.Die Halbleiterfertigung, die seit zwei Jahren von der Heilbronner Firma Telefunken Semiconductors betrieben wird, ist das Herzstück des Heilbronner Technologiestandorts. Der US-Konzern Atmel, der die Telefunken-Nachfolgerin Temic Ende 1998 vom Daimler-Konzern gekauft hatte, gab die Chipfertigung ziemlich genau zehn Jahre später an Pinamaneni ab, um sich fortan auf die Entwicklung von neuen Produkten zu konzentrieren. Mit dem Kauf der zweiten Fabrik im kalifornischen Roseville bekommt die neue Telefunken eine klare Struktur: Gemeinsame Dachgesellschaft wird künftig die amerikanische Privatgesellschaft Telefunken Semiconductors Inc. sein. An ihr ist auch der Investor Wafra beteiligt. mfd