KW Weinsberg stellt erneut Insolvenzantrag

Weinsberg - Gegen alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit hat das Traditionsunternehmen KW Weinsberg die erste Insolvenz überlebt. Nach drei Jahren in der Pleite hatte sich das Unternehmen nach den Rettungsbemühungen des damaligen Insolvenzverwalters Karl-Heinz Branz wieder berappelt. Die ganze Region hatte sich damals mit den Beschäftigten gefreut. Jetzt droht dem Wunder von Weinsberg erneut das Aus: Gestern hat der Automobilzulieferer wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt.

Von Manfred Stockburger

Das KW-Bürohaus zeugt von einer besseren Vergangenheit.Foto: Archiv/Kugler
Weinsberg - Gegen alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit hat das Traditionsunternehmen KW Weinsberg die erste Insolvenz überlebt. Nach drei Jahren in der Pleite hatte sich das Unternehmen nach den Rettungsbemühungen des damaligen Insolvenzverwalters Karl-Heinz Branz wieder berappelt. Die ganze Region hatte sich damals mit den Beschäftigten gefreut. Jetzt droht dem Wunder von Weinsberg erneut das Aus: Gestern hat der Automobilzulieferer wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt.

Vergangenen Herbst blickte Geschäftsführer Eberhard Ultsch noch vergleichsweise optimistisch in die Zukunft, obwohl damals die Autokrise bereits begonnen hatte, die vielen Zulieferern auch in der Region Probleme beschert. Seit Januar arbeiten die 85 Beschäftigten der KW kurz. Sie hatten sich zur Rettung nochmals bereit erklärt, auf Geld zu verzichten. Offenbar umsonst. Das Insolvenzgericht hat gestern den Heilbronner Anwalt Gerhard Tonhäuser als Gutachter eingesetzt.

Aus der im Unternehmensregister veröffentlichten Bilanz geht hervor, dass das Unternehmen, das seit 2005 zur börsennotierten Surikate AG aus Bad Rothenfelde bei Osnabrück gehört, im Geschäftsjahr 2007 bei einem Umsatz von 9,1 Millionen Euro einen Verlust von rund 630 000 Euro erwirtschaftet hat. Aus Belegschaftskreisen verlautet, dass der Verlust im vergangenen Jahr noch höher gewesen sei, was jetzt letztlich zum Insolvenzantrag geführt habe.

Immobilie

Die Surikate Mittelstands AG, zu der seit Sommer 2005 die KW Weinsberg GmbH gehört, hat ihren Immobilien-Besitz im Juni 2008 bis auf wenige Prozent an einen Dortmunder Investor verkauft und einen Veräußerungsgewinn von drei Millionen Euro verbucht. Danach hat die KW-Mutter, in deren Aufsichtsrat Läpple-Vorstand Ralf Herkenhoff sitzt, im ersten Halbjahr ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro ausgewiesen. Bei der Übernahme hatte Surikate-Chef Frank Kahle betont, dass der Investor „nicht den schnellen Exit“ suche und hatte der KW eine „sehr erfolgreiche Zukunft“ vorhergesagt. „Wir haben gekämpft ohne Ende“, sagt Kahle jetzt. Aber: „Die Zahlungsmoral der Kunden ist miserabel. Und Aufträge wurden ständig storniert.“

Die Karosseriewerke Weinsberg wurden vor fast 100 Jahren gegründet und sind eng mit der Geschichte der regionalen Automobilindustrie verflochten. Vor 50 Jahren kam der Geschäftsbereich Werkzeugbau hinzu, der eine tragende Säule des Unternehmens geworden ist. Nicht nur Blechteile und Werkzeuge haben das Weinsberger Firmengelände verlassen. Ab 1959 wurde dort sogar einige Zeit auf Fiat-Basis ein Coupé gebaut, das den Namen Weinsberg trug.