In der Omnibuswelt klingt der Name Drögmöller nach (22.01.2010)

Heilbronn - Was bleibt, ist wenig mehr als ein Baudenkmal: Der Name Drögmöller steht noch an dem Backsteingebäude in der Koepfstraße, wo der Heilbronner Bushersteller bis Mitte der 1960er Jahre seine Fahrzeuge baute und das bis vor einigen Jahren noch als Reparaturwerk diente. Wenn Volvo den Rest der Volvo Busse Deutschland GmbH nach Ismaning verlagert, dann ist die Traditionsfirma endgültig Geschichte.

Von Manfred Stockburger

In der Omnibuswelt klingt der Name Drögmöller nach
Der Schriftzug des Busherstellers Drögmöller am ehemaligen Firmengebäude erinnert an das geschichtsträchtige Unternehmen. Foto: Ulrike Kugler

Heilbronn - Was bleibt, ist wenig mehr als ein Baudenkmal: Der Traditionsname Drögmöller steht noch an dem Backsteingebäude in der Heilbronner Koepfstraße, wo der Bushersteller bis Mitte der 1960er Jahre seine Fahrzeuge baute und das bis vor einigen Jahren noch als Reparaturwerk diente. Heute werden dort aber Fahrräder verkauft. Wenn Volvo die angekündigte Umstrukturierung durchzieht und den Rest der Volvo Busse Deutschland GmbH nach Ismaning bei München verlagert, dann ist die Heilbronner Busfirma endgültig Geschichte.

In den letzten beiden Jahrzehnten der Firmengeschichte sind die Annalen geprägt vom regelmäßigen Kampf um die Zukunft. Mit Nischenprodukten am oberen Ende des Qualitätsspektrums blieb der Mittelständler lange Zeit selbstständig - 1995 wurde das Familienunternehmen dann in den schwedischen Volvo-Konzern integriert. 2000 hatten die Schweden die Schließung schon einmal beschlossen. Damals war der Widerstand erfolgreich.

Allerdings wurde ein erster Teil der Fertigung nach Polen verlagert. Erstmals kamen die Busse mit der von Drögmöller entwickelten Theaterbestuhlung, die allen Fahrgästen einen besseren Blick nach vorn ermöglichte, nicht mehr ausschließlich aus Heilbronn.

Der zwischenzeitliche Aufschwung durch die 9000er Serie endete 2005 jäh mit der nächsten Schließungsankündigung. Im Kampf um ihre Arbeitsplätze versuchten die damals noch 170 Beschäftigten sogar, ihren Betrieb in Eigenregie weiterzuführen. Volvo wollte dieses Spiel aber nicht mitspielen. Dieses Mal waren nur der Vertrieb, die Verwaltung und die Werkstatt zu halten. Die Bereiche also, die jetzt nach München verlagert werden sollen.

Pullmann-Modelle

Nicht erst seit der Überlebenskampf begonnen hat, ist die Unternehmensgeschichte interessant: Der Bushersteller, der in besseren Zeiten als "Rolls Royce unter den Reisebussen" galt und unter anderem mit seinen Pullmann-Modellen auf sich aufmerksam machte, gehört zu den ersten Firmen, die sich im Unterland mit dem Fahrzeugbau befassten. Nach der Gründung im Jahr 1920 baute Gotthard Drögmöller zunächst Pkw-Karosserien - Einzelstücke und Kleinserien. Die Massenmobilisierung hatte damals schließlich noch nicht eingesetzt.

1930 sattelte der aus Mecklenburg stammende Stellmachermeister auf den Omnibusbau um. Seine Idee: Passagieraufbauten für Lastwagen-Fahrgestelle. Seit 1935 kooperierte Drögmöller mit Daimler - die Stuttgarter verkauften die Busse aus Heilbronn sogar ins Ausland. Die Stuttgarter blieben über Jahrzehnte ein wichtiger Partner von Drögmöller.

Der Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg war schwer - die Fabrik war fast vollständig zerstört. 1947 wurden bei Drögmöller wieder die ersten Busse gebaut - anders als vor dem Krieg waren die Karosseriegerippe nicht mehr aus Holz, sondern aus Stahl. Bis Mitte der 1960er Jahre der Neubau in der Lichtenberger Straße errichtet wurde, baute das Unternehmen etwa 400 Busse. Insgesamt verließen die Drögmöller-Fabrik etwa 3500 Busse, die in alle Welt ausgeliefert wurden. Der eine oder andere hat inzwischen einen Ehrenplatz im Museum gefunden.