Firma Heilbronn stellt Insolvenzantrag

Heilbronn - Die Auftragsbücher sind voll: Die bis zu 1500 Tonnen starken Blechpressen aus Heilbronn kommen unter anderem in der Autoindustrie, aber auch in der Hausgerätebranche zum Einsatz. Und doch musste Geschäftsführer Thomas Kern am Freitag zum Gericht fahren, um das Insolvenzverfahren zu beantragen.

Von Manfred Stockburger

Firma Heilbronn stellt Insolvenzantrag
Maschinen aus Heilbronn: In früheren Jahrzehnten baute der Pressenhersteller unter anderem solche Dampfpflüge und Lokomotiven.Foto: HSt-Archiv

Heilbronn - Jedenfalls bei der Bank hat die Heilbronn Pressen GmbH keine Schulden. Auch die Auftragsbücher sind voll: Die bis zu 1500 Tonnen starken Blechpressen aus Heilbronn kommen unter anderem in der Autoindustrie, aber auch in der Hausgerätebranche zum Einsatz. Und doch musste Geschäftsführer Thomas Kern am Freitag zum Gericht fahren, um das Insolvenzverfahren zu beantragen.

Neustart misslungen

Die Firma, die bis vor einer ersten Pleite vor zwei Jahren als Heilbronn Maschinenbau firmierte, war damals von ihren Neu-Eigentümern nicht ausreichend mit Kapital versorgt worden. Statt Geld zu geben, hatten sich die neuen Gesellschafter - zwei Investorengruppen aus Polen - über die künftige Ausrichtung der Heilbronner Tochterfirma gestritten, heißt es. Jetzt hat der chronische Kapitalmangel den nächsten Insolvenzantrag unausweichlich gemacht - letzte Rettungsgespräche waren vergangene Woche gescheitert. Gestern Mittag wurden die gut 60 Heilbronn-Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung über den Insolvenzantrag und seine Folgen in Kenntnis gesetzt.

„Hut ab“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Marcus Egner zu der Leistung, die Firma so lange am Leben zu erhalten. Auch Jürgen Ergenzinger von der Neckarsulmer IG-Metall-Verwaltungsstelle ist überzeugt, dass nicht Managementfehler zu der Insolvenz geführt haben. „Die hatten nie eine Chance.“

Entsprechend wenig trauern die Verantwortlichen den vergangenen Tagen nach, vielmehr blicken Kern, Ergenzinger und der vorläufige Insolvenzverwalter vergleichsweise zuversichtlich nach vorn. „Es gibt eine eindeutige Perspektive“, sagt der Heilbronner Anwalt Egner - er sei mit mehreren Interessenten im Gespräch, in einen Fall hatten die Verhandlungen sogar schon vor dem Insolvenzantrag begonnen. „Der Geschäftsbetrieb läuft ganz normal weiter“, betont Egner. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine tragfähige Lösung finden.“

Problematisch ist allerdings, dass das Unternehmen seinen Beschäftigten schon drei Monatslöhne und auch das Urlaubsgeld schuldig geblieben ist - das ist mehr, als das Insolvenzausfallgeld der Bundesagentur für Arbeit abdeckt. Entsprechend bleibt nicht viel Zeit: „Unser Ziel ist, das Verfahren am 1. September zu eröffnen“, sagt Egner.

Trotz der positiven Grundstimmung ist die Stimmung im Betrieb „total gedrückt“, sagt Betriebsratschef Michael Bätzold. Dabei wird in den nächsten Tagen zum ersten Mal seit Monaten wieder Geld auf die Konten der Beschäftigten fließen - darum will sich Marcus Egner als erstes kümmern.


Hintergrund:


Heilbronn Pressen GmbH Der Maschinenbauer Heilbronn Pressen geht auf das Jahr 1854 zurück und ist eng mit der regionalen Industriegeschichte verwoben. Als Heilbronn Maschinenbau AG fertigte die Firma Lokomotiven, stationäre Dampfmaschinen, Wohnwagen und Zweitaktmotoren für Motorräder. Pressen stellt die Firma seit der Nachkriegszeit her – zunächst in der Olgastraße, seit 1981 im Industriegebiet Böllinger Höfe. mfd