Dinkelacker kauft Dinkelacker

Der frühere Miteigentümer will die Brauerei wieder von Inbev übernehmen

Von Jochen Mayer

Dinkelacker kauft Dinkelacker
Zurück zu den Anfängen: Zum Jahreswechsel soll Dinkelacker - hier das Brauereigelände in Stuttgart- wieder der Gründerfamilie gehören.

Foto: HSt

Die Stuttgarter Brauereilandschaft sortiert sich neu. Gestern hat der brasilianisch-belgische Brauereikonzern Inbev bekannt gegeben, dass er seine erst im Oktober 2004 erworbene Tochter Dinkelacker-Schwabenbräu zum Jahresende wieder verkaufen will. Über diese Pläne war in Branchenkreisen bereits spekuliert worden.

Eine Überraschung ist Inbev dabei dennoch gelungen, denn der neue Eigentümer ist ein alter Bekannter: Es ist der frühere Miteigentümer der Brauerei, Wolfgang Dinkelacker. Um die Verhandlungen nicht zu gefährden, hatte der Nachfahre des Firmengründers Carl Dinkelacker in der Vorwoche gegenüber der lokalen Presse noch vehement Vermutungen widersprochen, er wolle seine frühere Firma wieder zurückkaufen.

Wolfgang Dinkelacker, der in Stuttgart im Immobiliengeschäft tätig ist, will mit dem Kauf „den Standort und die Tradition der Brauerei sichern“, wie er gegenüber dieser Zeitung erklärt hat. „Man weiß nicht, an wen sie sonst gegangen wäre.“ In der Branche hatten Gerüchte über ein mögliches Engagement des schwedischen Finanzinvestors EQT bei Dinkelacker die Runde gemacht. Wolfgang Dinkelacker will nach dem Rückkauf aber nicht operativ, sondern „im Hintergrund“ tätig sein. In beratender Funktion soll ihm Ulrich Schill, der frühere Marketing- und Vertriebsvorstand von Dinkelacker, zur Seite stehen.

Noch ist die Transaktion aber nicht perfekt. „Wir haben eine Absichtserklärung unterzeichnet und hoffen, dass der Verkauf zum Jahresende realisiert werden kann“, sagt Jörg Schillinger, Pressesprecher von Inbev Deutschland. „Der gute Wille ist auf beiden Seiten da.“ Bedeckt hält sich Inbev aber nach wie vor beim Verkaufspreis, den das Branchenmagazin „Inside“ bei einer Summe von 70 Millionen Euro vermutet.

Wirtschaftliche Probleme bei Dinkelacker-Schwabenbräu seien jedoch nicht der Grund für den Verkauf nach relativ kurzer Zeit gewesen, betont Schillinger: „Das ist keine kränkelnde Marke.“ Der Konzern würde vielmehr laufend seine weltweiten Brauereistandorte prüfen und hinterfragen, ob sie noch ins Portfolio passten. Gleichwohl hatte Inbev in diesem Jahr weniger Bier in Deutschland verkauft und einen Arbeitsplatzabbau - unter anderem bei Dinkelacker-Schwabenbräu - angekündigt. Bei der 1996 fusionierten Stuttgarter Brauerei arbeiten derzeit 330 Beschäftigte. Die bestehende Vertriebskooperation von Inbev und Dinkelacker soll auch nach dem Verkauf fortgesetzt werden.

Mit dem Rückkauf von Dinkelacker-Schwabenbräu will Wolfgang Dinkelacker „die Akzente des Lokalen durchaus verstärken“ und das regionale Profil der in ganz Baden-Württemberg vertretenen Marke stärken. Schon seit längerer Zeit wird besonders Schwabenbräu mit Plakaten beworben, die schwäbische Überschriften in Lautschrift tragen („['morz 'durschd]“).

Der Verkauf des Stimme-Cup-Sponsors Dinkelacker an die Gründerfamilie ist für Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme, ein gutes Zeichen: „Das macht die Verhandlungen über künftige Sponsorenengagements einfacher.“