Die Chemie stimmt

Heilbronn - Traditionsfirma Brüggemann meldet Rekordjahr – Aus der Heilbronner Sprit-Fabrik ist ein international aufgestelltes Unternehmen mit Niederlassungen in Hongkong und in den Vereinigten Staaten geworden

Von Manfred Stockburger

Im denkmalgeschützten alten Pumpwerk hat Inhaber Ludwig Brüggemann sein Büro. Das Familienunternehmen wächst derzeit rasant.Foto: Andreas Gugau

Heilbronn - Am Anfang war der Alkohol: Aus Abfällen der Heilbronner Zuckerfabrik machte Louis Brüggemann vor 140 Jahren Ethanol. Nicht als Genussmittel kam der Sprit zum Einsatz, sondern als chemischer Grundstoff. Heute erwirtschaftet das Familienunternehmen mit 175 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 120 Millionen Euro – Tendenz stark steigend. „2007 war das beste Jahr der Firmengeschichte“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Plaschke. „Die Zahlen für 2008 bestätigen diese Entwicklung.“

Aus der Heilbronner Sprit-Fabrik ist ein international aufgestelltes Unternehmen mit Niederlassungen in Hongkong und in den Vereinigten Staaten geworden – das Alkoholgeschäft hat die Familie im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern nicht verkauft, sondern in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der holländischen Nedalco eingebracht. Schon seit den 1920er Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit der Herstellung organischer Reduktionsmittel auf Schwefelbasis („Brüggolit“) sowie mit der Produktion von Zusatzstoffen für die Kunststoffherstellung.

Alle drei Branchen, in die das Unternehmen hineinliefert, folgen unterschiedlichen Konjunkturzyklen. „Die Aufteilung in drei Geschäftsfelder war sehr gut“, sagt Plaschke. „Ein dreibeiniger Hocker steht immer fest. Das bringt Gelassenheit.“

Es ist genau dieser langfristige Ausblick, den er zu schätzen gelernt hat, seit er vor fünf Jahren zu Brüggemann gekommen ist. „Das Paket stimmt“, sagt er – und schließt ausdrücklich Ludwig Brüggemann mit ein, der es in bewundernswerter Weise geschafft habe, loszulassen. „Wir führen die Firma so weiter, wie er es sich auf seine Fahnen geschrieben hatte“, sagt Plaschke. Was aber nicht heißt, dass sich seit seinem Einstieg ins Unternehmen nichts verändert hätte. Und obgleich nicht alles sofort reibungslos gelaufen ist, waren die vergangenen Jahre eine große Erfolgsgeschichte: „Alle wesentlichen Kennzahlen haben sich seit 2003 mindestens verdoppelt“, sagt er. Neben dem Umsatz, der von 60 auf 120 Millionen Euro gestiegen ist, betreffe dies auch das Eigenkapital der Unternehmensgruppe und den Gewinn, der überproportional gewachsen sei.

Aufgestockt

Dass das Unternehmen derzeit dennoch nicht zu den Top 10 der Heilbronner Gewerbesteuerzahler zählt, hat einen anderen Grund: Ludwig Brüggemann hat seinen Anteilsbesitz auf 82 Prozent aufgestockt – und die Firmenkonstruktion der KG erlaubt es, dass ein Teil dieser Kosten gegen die Erträge gerechnet wird.

Gerüstet

„Wir sind als Unternehmen nicht nur operativ, sondern auch mit Finanzmitteln so ausgestattet, dass wir weiterhin unabhängig bleiben können“, blickt Plaschke zuversichtlich in die Zukunft. „Und wir sind groß genug, dass wir in der Welt der Konzerne mitspielen können.“ Das Unternehmen sei gut gerüstet auch für die schwierigeren Zeiten, die auf es zukommen werden. „Bei uns gibt es keine Arbeitsplatz-Sorgen“, sagt Plaschke.

Ein Stück Zukunft im Jubiläumsjahr ist auch die Schiffsanlegestelle, die irgendwann im August eingeweiht wird. Eine knappe Million hat das Unternehmen dafür investiert. Zunächst soll auf der Wasserstraße Alkohol transportiert werden.