Chefwechsel sorgt für Unruhe bei Fibro

Weinsberg/Heilbronn - Bei der Läpple-Tochter Fibro herrscht nach einem überraschenden Wechsel in der Geschäftsführung Unsicherheit. Arbeitnehmervertreter fürchten eine zunehmende Steuerung des Unternehmens durch den Vorstand in Heilbronn.

Von Jürgen Paul

Weinsberg/Heilbronn - Bei der Läpple-Tochter Fibro herrscht nach einem überraschenden Wechsel in der Geschäftsführung Unsicherheit. Arbeitnehmervertreter fürchten eine zunehmende Steuerung des Unternehmens durch den Vorstand in Heilbronn.

Wie jetzt bekannt wurde, verlässt Jochen Lütkemeyer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Fibro GmbH, das Unternehmen zum 30. Juni. Die Trennung erfolge "in gegenseitigem Einvernehmen", teilt ein Sprecher der Läpple-Gruppe auf Anfrage mit. Über die Hintergründe schweigt sich das Unternehmen aus. Lütkemeyers Nachfolger steht auch schon fest: Mit Jürgen Gurt wird sein bisheriger Stellvertreter alleiniger Fibro-Geschäftsführer.

Die Personalie überrascht, weil Fibro als Ertragsperle in der gebeutelten Unternehmensgruppe gilt. In den Geschäftsbereichen Normalien, Rundtische und Automation zählt Fibro zu den weltweiten Marktführern. An den Standorten Weinsberg und Hassmersheim sind insgesamt 810 Mitarbeiter beschäftigt, dazu kommen 75 in den internationalen Niederlassungen.

Chefwechsel sorgt für Unruhe bei Fibro

Jürgen Gurt wird alleiniger Chef.

Differenzen

Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu hören, dass es mit dem Einvernehmen zwischen den Beteiligten nicht weit her gewesen sei. Von heftigen Differenzen zwischen Läpple-Vorstandschef Olaf Hedden und Lütkemeyer ist die Rede. Wie hoch die Wellen sind, die die Top-Personalie schlägt, zeigt die Reaktion des Betriebsrates. In einem internen Aushang machen die Arbeitnehmervertreter ihrem Unmut Luft und werfen dem Läpple-Vorstand Konzeptionslosigkeit vor. "Wieder einmal zählt nicht Leistung, Umsatz oder Gewinn. Nein − wieder einmal hat die Chemie nicht gepasst", heißt es in dem Aushang, der der Heilbronner Stimme vorliegt.

Die überraschende Vertragsauflösung von Lütkemeyer, der seit Anfang 2008 Fibro-Chef war, sei "nicht nachvollziehbar und nicht akzeptabel", so der Betriebsrat weiter. Das erste Quartal 2011 sei das beste in der Fibro-Geschichte, die Zusammenarbeit mit Lütkemeyer sei stets auf einer "vertrauensvollen Basis" erfolgt, "auch wenn man in der Sache nicht immer einer Meinung war", heißt es weiter.

Der Fibro-Betriebsrat fürchtet um die relative Eigenständigkeit der erfolgreichen Läpple-Tochter. "Die Sorge besteht schon, dass der Läpple-Vorstand künftig bei Fibro reinregiert", sagt Betriebsrat Theodor Bartsch. Das Gremium hat deshalb beschlossen, "verschiedene Maßnahmen in die Wege zu leiten". Wie diese konkret aussehen sollen, dazu machte der Betriebsrat keine Angaben. Auf dem Aushang heißt es jedoch: "Wir müssen um unsere Zukunft, das Überleben, die Identität und die Unternehmenskultur von Fibro kämpfen."

Chefwechsel sorgt für Unruhe bei Fibro

Jochen Lütkemeyer geht.

Dementi

Ein Läpple-Sprecher weist die Befürchtungen des Betriebsrats zurück. "Die Veränderungen in der Geschäftsführung haben keine Auswirkungen auf die Ausrichtung der Fibro und zukünftige unternehmerische Entscheidungen", sagte er.

Die Unruhe in der Läpple-Gruppe kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Wie berichtet, sieht sich der Heilbronner Automobilzulieferer nach turbulenten Monaten mit Unternehmensverkäufen und Personalabbau wieder im Aufwind. Vorstandschef Hedden hatte angekündigt, mit einer internen Offensive ein neues Wir-Gefühl im gesamten Unternehmen zu schaffen. Bei den Fibro-Beschäftigten scheint angesichts der aktuellen Vorgänge der Wunsch, noch näher an die Heilbronner Mutter zu rücken, nicht sehr stark ausgeprägt zu sein.