Cartondruck unter Druck

Marktschwierigkeiten und IT-Umstellung machen dem Faltschachtelhersteller Probleme – 15 Mitarbeiter entlassen

Von Manfred Stockburger

Wenig Grund zur Freude gab es zuletzt bei Cartondruck.Foto: Archiv/Kugler

Obersulm - Jetzt sind es wieder 380 Beschäftigte bei Cartondruck in Willsbach – ebenso viele wie vor eineinhalb Jahren. Die vergangenen 18 Monate waren ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt bei dem Obersulmer Faltschachtelhersteller: Erst hatten die Brüder Marc und Steffen Schnizer 40 Mitarbeiter an Bord geholt – zum Teil über befristete Verträge und über Zeitarbeitsfirmen. Nachdem im November 15 Beschäftigte quer durch alle Abteilungen ihre Kündigung erhalten haben, sind nun auch diese 40 Arbeitsplätze wieder weg.

„Der Personalabbau ist abgeschlossen“, betont Vorstand Steffen Schnizer. Die Umsatz- und Budgetplanung für das nächste Jahr sei auf die vorhandene Belegschaft zugeschnitten. Betroffene hatten von einer großen Verunsicherung in dem Familienunternehmen berichtet. Einen Betriebsrat gibt es bei Cartondruck nicht.

Software-Umstellung Die Einführung einer neuen Unternehmenssoftware spielt eine wichtige Rolle, wenn Steffen Schnizer erklärt, was passiert ist: Die Einführung des Programms hat im Sommer 2006 – das Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt sehr gut ausgelastet – zu großen Problemen geführt: Aufträge seien im Datennirvana verschwunden, die Online-Verbindung zu einem wichtigen Kunden sei sechs Wochen lang unterbrochen gewesen. „Wir hatten zeitweise den Hof voll mit Lastwagen stehen, die Ware abholen wollten und nicht konnten“, beschreibt der Unternehmer. „Das war eine Katastrophe.“ Immer unzufriedenere Kunden warteten auf immer mehr Faltschachteln. „Wir waren übervoll.“ In dieser Phase hätten die Obersulmer die Mannschaft um 40 Köpfe vergrößert, sagt Schnizer, um die Kunden zufriedenzustellen – koste es, was es wolle.

Die Kunden sind geblieben, aber sie haben weniger bestellt. Geblieben ist aber auch der brutale Preisdruck in der Branche. Beim Umsatz – jedenfalls in der Gruppe – rechnet Schnizer dennoch mit einem Plus von etwa drei Millionen auf 73 Millionen Euro. Im Ergebnis haben die Probleme aber Spuren hinterlassen, obwohl schon in den vergangenen Monaten die meisten zusätzlichen Stellen wieder weggefallen seien. Rot seien die Zahlen zwar nicht gewesen, betont Schnizer. Eine Gewinn-Prämie bekommen die Beschäftigten aber nicht.

Seit dem Frühjahr läuft das neue Softwaresystem, mit dem Steffen Schnizer trotz allem Ärger „sehr zufrieden“ ist. Er betont, dass es im Zuge des Personalabbaus keine Verlagerung von Kapazitäten nach Polen gegeben habe, wo Cartondruck seit 2006 ein Werk betreibt. „Obersulm wird weiter wachsen, und wir werden hier auch weiter investieren.“ Die großen Sprünge will er künftig aber mit den ausländischen Werken machen.