Campina verkauft Elsterwerda an Odenwald

Heilbronn - Das Aus für den Standort Elsterwerda des Joghurtherstellers Friesland-Campina ist abgewendet. Nach lauten Protesten und zähen Verhandlungen hat das Unternehmen jetzt einen Käufer für den Standort gefunden, der jedenfalls einen Teil der Arbeitsplätze auch langfristig erhalten möchte.

Von Manfred Stockburger

Campina verkauft Elsterwerda an Odenwald
Hergestellt wird dieses Kirschjoghurt derzeit in Elsterwerda, die Produktion wird aber verlagert.Foto: Campina

Heilbronn - Das Aus für den Standort Elsterwerda des Joghurtherstellers Friesland-Campina ist abgewendet. Nach lauten Protesten und zähen Verhandlungen hat das Unternehmen jetzt einen Käufer für den Standort gefunden, der jedenfalls einen Teil der Arbeitsplätze auch langfristig erhalten möchte. Die holländische Molkereigenossenschaft mit Deutschlandsitz in Heilbronn hatte im vergangenen Dezember verkündet, dass die ostdeutsche Dessertfabrik mit rund 330 Mitarbeitern geschlossen werden soll − der Betrieb ist der größte Arbeitgeber in dem brandenburgischen Städtchen.

Zur Betriebsversammlung, bei der gestern der hessische Investor Odenwald Früchte GmbH als neuer Eigentümer vorgestellt wurde, kam sogar Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck. Erleichterte Mitarbeiter entfernten nach zehnmonatiger Unsicherheit gestern die Protestplakate am Werkstor.

Obst im Glas

Neben Grundstück und Gebäuden erwirbt die Odenwald-Tochter ODW auch einen Teil der Anlagen zur Herstellung von Joghurt und Basismilchprodukten. Zunächst werden alle 330 Mitarbeiter von Odenwald übernommen. Das 1956 gegründete Unternehmen gehört seit 1991 zur Andros-Gruppe und ist heute Marktführer im Bereich Obst im Glas. "Wir machen bereits heute verschiedene Molkereiprodukte als Handelsmarken", erklärt Odenwald-Chef Till Alvermann. "Die Übernahme dient der Expansion in diesem Geschäftsfeld." Das Unternehmen werde auch einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in zusätzliche Produktionskapazitäten investieren.

Odenwald wird auch Produkte für Campina herstellen − bis 2013. Dennoch baut Friesland-Campina schon im nächsten Jahr einen Teil der Produktionsanlagen ab. Die meisten sollen nach Gütersloh verlagert werden, eine Produktionsanlage für Joghurt kommt auch nach Heilbronn. Diese Maschinenumzüge sollen im Spätsommer 2011 beginnen und bis März 2012 abgeschlossen sein. Ob dadurch in Heilbronn neue Arbeitsplätze entstehen, und wenn ja, wie viele, dazu wollte Campina gestern keine Angaben machen. Im Werk Heilbronn sind derzeit etwa 780 Mitarbeiter beschäftigt.

Perspektive

"Wir sind glücklich, dass wir einen wirklich guten Käufer gefunden haben, der dem Standort eine langfristige Perspektive gibt", sagt Sprecherin Sabine Simon, die zugleich Hausjuristin ist. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. "Mit dem Verkauf an ein renommiertes Familienunternehmen tragen wir unserer sozialen Verantwortung wie angekündigt Rechnung", sagt Produktionsgeschäftsführer Norbert Reuss der schon zu Südmilch-Zeiten bei der Molkerei tätig war. "Wir übergeben Elsterwerda in gute Hände."

Der Rückzug aus Elsterwerda ist Teil der Neuausrichtung des Molkereikonzerns nach der Fusion von Friesland Foods und Campina, die Ende 2008 vollzogen wurde.


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