Brüggemann besinnt sich auf die Wurzeln

Heilbronn - Traditionsfirma baut nach Ende der Ehe mit Nedalco ein eigenes Alkoholgeschäft auf

Von Manfred Stockburger

Brüggemann besinnt sich auf die Wurzeln
Wo noch Brüggemann draufsteht, ist jetzt Nedalco drin. Die Partner aus Holland haben das Alkohol-Gemeinschaftsunternehmen ganz übernommen.Foto: Archiv/Gugau

Heilbronn - Am Anfang war der Alkohol: 1868 gründete Louis Brüggemann in der Heilbronner Holzstraße eine Fabrik zur Vergärung von Melasse und zum Brennen von Alkohol. Auch in Zukunft will das Heilbronner Traditionsunternehmen mit Alkohol handeln. Dazwischen steht aber ein kräftiger Einschnitt: Das Geschäft, das Brüggemann seit dem Jahr 2000 zusammen mit dem niederländischen Konzern Nedalco als Gemeinschaftsunternehmen betrieben hatte, wird jetzt auf die Holländer umgeflaggt. Die Gebäude bleiben im Besitz der Heilbronner Unternehmerfamilie.

Mit der Auflösung der Gemeinschaftsfirma hat sich sogar die Kammer für Handelsachen am Heilbronner Landgericht beschäftigt. "Insbesondere im Interesse der rund 20 Mitarbeiter", so heißt es in einer Mitteilung der Firma, habe man sich mit Nedalco auf einen Vergleich verständigt, um eine "lähmende Phase des Wartens" zu vermeiden.

Ehe ist beendet

Die neuen Eigentümer führen das Geschäft der bisherigen Firma Brüggemann Alkohol weiter - nur der Name hat sich geändert. Am Ende der Brüggemann-Straße im alten Industriegebiet trifft man jetzt auf die Nedalco Alkohol GmbH Co KG.

Die historische Wurzel der L. Brüggemann KG, die nach wie vor im Familienbesitz ist, wurde damit gekappt. Obwohl sie den Löwenanteil ihres Geschäfts längst nicht mehr mit Alkohol macht, nimmt Geschäftsführer Wolfgang Plaschke einen neuen Anlauf. "Wir haben unsere Alkoholaktivitäten wieder belebt und sind im europäischen Raum außerhalb Deutschlands aktiv", sagt er. Dazu wurde die neue Brüggemann Alkohol Heilbronn GmbH gegründet. Mittelfristig soll die neue Firma genügend Geschäft an Land ziehen, damit Brüggemann die Heilbronner Alkoholinfrastruktur irgendwann auch wieder in Eigenregie auslasten kann. "Synergien mit dem Chemiegeschäft erleichtern diesen Wiedereinstieg erheblich und stellen einen Teil der Logik dieser unternehmerischen Entscheidung dar", sagt Plaschke: Viele Kunden, die andere Produkte kaufen, seien auch an Alkoholen interessiert, die etwa als Lösungsmittel eingesetzt werden.

Das Kerngeschäft der L. Brüggemann KG mit 160 Mitarbeitern läuft übrigens stabil, sagt Plaschke. "Wir haben die Krise, die uns auch getroffen hat, mit Bordmitteln bewältigt." Die Auftragsvolumina stiegen wieder an, dennoch seien Umsatz-Spitzenwerte des Jahres 2008 nicht erreichbar. "Aber 2006 waren wir ja auch zufrieden."