Aus der Region für die Region

Die Regionalbilanz stellt der Tauberbischofsheimer Brauerei Distelhäuser gute Noten aus

Von Heiko Fritze

Das Umdenken hat vor fünf Jahren eingesetzt. Damals begann Distelhäuser, seine Braugerste nicht mehr nur nach dem Preis einzukaufen, sondern regionale Erzeuger zu berücksichtigen. Seitdem wurden viele Schritte unternommen, um mit der Region für die Region zu wirken, berichtet Brauerei-Inhaber Stefan Bauer. Und nun hat er es schwarz auf weiß: Sein Konzept weist einen hohen Nachhaltigkeitsfaktor auf. So steht es in der Diplom-Arbeit von Peter Schürholz, die an der Universität Augsburg geschrieben wurde. Distelhäuser erhält hier 170 von 200 möglichen Punkten.

"Ich wollte aufzeigen, dass es Chancen für die ansässigen Erzeuger gibt", sagt Bauer. "Wir brauchen die regionale Vernetzung, um angesichts der Globalisierung und der Discounter zu überleben." So wurde konsequent umgestellt auf den Einkauf regionaler Rohstoffe - 58 Prozent aller Materialien kommen mittlerweile aus dem näheren Umkreis, das Brauwasser gar nicht mitgerechnet. Demnächst werde die Braugerste gänzlich im Tauberbischofsheimer Umland eingekauft. Außerdem holte Bauer die Land- und Weinwirtschaft mit ins Boot. Seit kurzem in Betrieb ist eine eigene Metzgerei, in der regionale Tierrassen wie das Limpurger Rind oder das Hällische Landschwein sowie Wild aus der Umgebung verarbeitet werden. Und auf dem Genießermarkt im Frühjahr gab es in der Brauerei auch Wein aus dem Taubertal. Bauer: "Es ist mühsam, aber eine Freude, die Regionalität zu beleben."

Ziel ist es, auf diese Weise das Bewusstsein in der Bevölkerung für die regionalen Produkte zu schärfen - um als hiesiger Erzeuger zu überleben. Das laufende Jahr sei Warnung genug, meint der Brauereichef: Die beiden Stuttgarter Brauereien gehörten nun zu internationalen Konzernen, zuletzt wurden Fürstenberg und Hoepfner von Schörghuber geschluckt. Solch ein Handel komme aber für den Tauberbischofsheimer Familienbetrieb mit 145 Mitarbeitern nicht in Frage, zumal Bauer mit dem Geschäftsverlauf zufrieden sein kann: Nach dem Rekordjahr 2003 mit 210 000 Hektolitern Bierausstoß werde die Erzeugung in diesem Jahr wohl um zwei bis drei Prozent zurückgehen, liege damit aber noch besser als der Landes- und Bundesdurchschnitt. Und die Regionalisierung trage schon Früchte.