Würth steigert Umsatz auch im Corona-Jahr

Künzelsau  Der Umsatz des Schraubenhändlers steigt auch 2020, in einem Jahr mit starken Ausschlägen nach oben und nach unten. 100 Millionen Euro wurden wegen weniger Dienstreisen eingespart.

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Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe.

Foto: dpa

Die Würth-Gruppe hat im vergangenen Jahr ihren Umsatz gesteigert und ihren Gewinn stabil gehalten. "Das ist eine ordentliche Leistung", kommentierte Konzernchef Robert Friedmann im Gespräch mit unserer Zeitung den vorläufigen Jahresabschluss. Geschönt seien die Zahlen nicht. "Wir nutzen solche Jahre auch, um Sicherheiten in unseren Bilanzen aufzubauen."

Der Dezember ging steil nach oben

Der Umsatz lag bei 14,41 Milliarden Euro - bereinigt um Kurseffekte ein Plus bei zwei Prozent. Der Gewinn erreichte den Vorjahreswert von 770 Millionen Euro. Es war jedoch ein Jahr mit außergewöhnlichen Höhen und Tiefen.

Während die Umsätze im März um 7,5 Prozent und im April um 21 Prozent einbrachen, verzeichnete das Künzelsauer Unternehmen im Dezember mit einem um Arbeitstage und Währungseffekte bereinigten Plus von 7,3 Prozent das stärkste Monatswachstum seit zwei Jahren.

Impulse aus dem Maschinenbau 

"Vor allem beim Auftragseingang aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau spüren wir seit November Impulse, die wir so seit März nicht mehr gesehen hatten", so Friedmann.

Das lasse ihn hoffen, dass die Wirtschaft nach Corona großen Nachholbedarf hat. "Wir glauben, dass es einen Post-Corona-Boom geben wird." Allerdings waren auch gerade im Geschäft mit Automobilzulieferern und Maschinenbauern die Umsätze besonders stark zurückgegangen.

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Selbst in Teilbereichen, die kein Umsatzwachstum aufwiesen, sei oft ein Kundenwachstum möglich gewesen. "Wir haben unsere Marktanteile fast überall ausgebaut", sagt Friedmann. Das illustriere das Beispiel von Würth Elektronik Eisos, das den Umsatz stabil hielt, obwohl der Bauteilemarkt um zehn Prozent schrumpfte. "Kundenwachstum ist der Vorläufer des Umsatzwachstums", sagt Friedmann voraus.

Außergewöhnlich positiv entwickelte sich die Division Bau mit einem Plus von 12,3 Prozent. "Das Handwerk, das wir in unserem Kerngeschäft mit Befestigungs- und Montagematerial versorgen, hat Systemrelevanz", kommentiert der Würth-Chef.

Damit genießt es gewissermaßen Immunität. Am Bau machte sich zudem die Multikanal-Strategie bezahlt, die Würth schon vor der Corona-Krise verfolgte. Der E-Business-Umsatz wuchs um 5,8 Prozent und liegt jetzt bei 2,8 Milliarden Euro - was mehr als 19 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht.

Verkäufer dringend gesucht

Dennoch blieben die Verkäufer der wichtigste Trumpf der Würth-Gruppe. In der Pandemie habe das Telefon plötzlich eine Renaissance erlebt, weil auf diesem Weg weiterhin eine Beratung möglich war. "Und die Verkäufer partizipieren immer am Umsatz ihrer Kunden, ganz egal auf welchem Weg bestellt wird", erklärt Friedmann.

In diesem Jahr will die Gruppe noch einmal 1500 Verkäufer zusätzlich einstellen. Einige Stellen konnten wegen Corona zuletzt nicht besetzt werden. Trotzdem legte die Mitarbeiterzahl auch im Corona-Jahr um 453 auf 79 139 zu - wieder einmal ein Höchststand. Noch steiler ging es bei den Niederlassungen nach oben. Um sechs Prozent stieg ihre Zahl auf 2300 weltweit.

Preise nicht weiter angestiegen

Positiv auf den Gewinn wirkten die kostensenkenden Faktoren. Die Ausgaben für Reisen und Mobilität sparten dem Unternehmen rund 100 Millionen Euro. Auch die Preise stiegen über weite Strecken nicht weiter an.

Ein Ausrufezeichen setzte der Elektrogroßhandel, der um 10,8 Prozent zulegte." Leider ist gerade dies ein margenschwaches Geschäft", erläuterte Friedmann. So hätten diese überdurchschnittlichen Zuwächse nicht zu einem Gewinnwachstum geführt.

 

Lieferketten dürften nicht reißen

In einem Jahr, das "wie im Flug vergangen sei", wie Würth-Konzernchef Robert Friedmann sagt, habe das Unternehmen von dem Kredit gezehrt, den es sich durch persönliche Beziehungen zu den Geschäftspartnern aufgebaut hat. "Doch dieser Kredit ist irgendwann aufgebraucht." Deshalb könne man keinesfalls davon ausgehen, dass persönliche Kontakte nicht so wichtig wie gedacht sind.

Angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen sollen die Würth-Mitarbeiter nun noch stärker das Homeoffice nutzen. "Wir hatten schon lange die Regel, dass maximal die Hälfte der Mitarbeiter im Büro anwesend sein darf", so Friedmann. "Aber wir können diese Quote auch nicht auf zehn oder 20 Prozent senken, dann bekommen wir andere Probleme." Er setze hier auf individuelle Lösungen. Denn es gebe auch Mitarbeiter, die zu Hause mit ihrem Partner und Kindern nicht gemeinsam arbeiten können.

Zur Diskussion um verschärfte Maßnahmen vor den Bund-Länder-Beratungen erklärte Friedmann: "Die Lieferketten dürfen nicht reißen." Diese Situation sei deutlich sensibler, als breite Teile der Öffentlichkeit glauben. Er warnte, dass ein erweiterter Lockdown sehr schnell auf Unternehmen durchschlagen könne.

Optimistisch 

Insgesamt vertraue er aber weiterhin auf eine Politik der ruhigen Hand in Deutschland. "Wir sind in der Pandemie wirtschaftlich teils stärker als andere Länder betroffen, aber wir werden mit Ideenreichtum und einem guten Spirit gestärkt aus der Krise herauskommen", prophezeit Friedmann. Die Wirtschaft stehe besser da als 2008/09.

Derzeit sind bei Würth noch 2185 Mitarbeiter in Kurzarbeit, nur noch gut zehn Prozent im Vergleich zum Höchststand im Frühjahr 2020.


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Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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