Werbeagentur Hettenbach musste immer wandlungsfähig sein

Heilbronn  Vor 75 Jahren hat die Agentur als "Verkehrs- und Werbebüro" angefangen. Heute geht es bei den Kampagnen viel um Präsenz in der Online-Welt. Allerdings nicht nur, wie Konrad Hettenbach betont.

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Eine Heilbronner Straßenbahn mit Dachschild, das als Werbefläche genutzt wurde. 24 Mark kostete 1954 die Miete für ein ganzes Jahr. Foto: privat

Die wirkungsvollste Werbekampagne durfte Konrad Hettenbach zur Einführung des Euro fahren: Den Slogan "Große Werte bei Ihrem Kleingeld" hatte er damals bundesweit plakatiert und auf Fehlprägungen wie die 50-Pfennig-Münze von 1950 mit dem Schriftzug "Bank deutscher Länder" aufmerksam gemacht. An diesem Montag wird seine Agentur 75 Jahre alt. Damit ist sie eine der ältesten inhabergeführten Werbeagenturen Deutschlands.

Deutsche wurden zu Münz-Suchern

Die Kleingeld-Geschichte lässt Konrad Hettenbach noch immer lächeln, vor Freude und Stolz: "Damit haben wir damals gegen die große Agentur Jung von Matt gewonnen. Und der Münzhändlerverband wollte uns anzeigen wegen Geschäftsschädigung", erinnert sich der 63-Jährige. Andere hätten sich bedankt, weil davor noch nie so viele Kunden im Geschäft standen. "Das hat Furor gemacht, jeder hat nach den Münzen gesucht."

Hettenbach ist unter anderem ein sogenannter Spezialmittler, der die Großflächenwerbung beherrscht. Tausende Litfaßsäulen und sonstige Plakatstellen in ganz Deutschland können gebucht werden. "Es gibt wenige Leute, die dafür das Hintergrundwissen haben." Doch das ist nur ein Baustein der vielseitigen Arbeit in der Agentur. "Es geht immer darum, wie der Kunde am besten seine Zielgruppe erreicht", sagt Hettenbach. Während man anfangs vor allem als Mittler auftrat, beschäftigt die Agentur heute 20 Mitarbeiter und bietet alles von der Idee über die Umsetzung bis zur Buchung der Kampagne an.

Die Währungsreform hätte fast das Ende bedeutet

Gegründet wurde die Agentur 1945 von seinem Onkel, kurz darauf stieg sein Vater Ludwig mit ein. Die Firma wuchs schnell. Mit Erhard Böhm, später Chef des gleichnamigen Reisebüros, und der späteren Heilbronner Ehrenbürgerin Paula Fuchs, damals noch Mauch, arbeiteten namhafte Persönlichkeiten in der Agentur.

Die Währungsreform zerstörte diesen ersten Erfolg. "Wir hatten keine Sachwerte, plötzlich war fast alles weg", erzählt Konrad Hettenbach. Sein Onkel suchte sich eine andere Arbeit.

"Wenn meine Mutter nicht gewesen wäre, hätte mein Vater auch aufgegeben." Die Agentur zog in die private Wohnung, am Fußende des Schlafzimmers habe der Schreibtisch gestanden. Später ging es in das Gebäude an der Werderstraße, wo die Agentur noch heute zu finden ist. "Und meine Mutter war trotz ihrer fünf Kinder immer mit dabei."

Hettenbach musste immer wandlungsfähig sein

Konrad Hettenbach mit einem der ersten Aufträge von 1946.

Foto: Matthias Heibel

Mit der zweiten Generation stellt sich die Agentur breiter auf

Der ältere Bruder Fritz Hettenbach stieg 1977 ein, ein Jahr später starb Ludwig Hettenbach überraschend. Konrad Hettenbach stieß 1987 dazu. Gemeinsam entwickelte das Brüderpaar die Agentur weiter.

Mit Privatsendern wie Radio Regional kam etwa die Funkwerbung. Hettenbach richtete ein Tonstudio ein - das inzwischen wieder aufgegeben wurde. "Mit der digitalen Technik kann das jeder in seinem Wohnzimmer machen. Da lässt sich kein Geld mehr verdienen."

An Facebook und Google kommt keiner mehr vorbei

Die Digitalisierung veränderte natürlich vieles. Anzeigenkampagnen, die vor wenigen Jahren noch bei Tageszeitungen bundesweit geschaltet wurden, laufen heute häufig bei Facebook und Google.

Allerdings sei Reichweite nicht alles. "Was uns im Internet teilweise fehlt, ist das qualitativ hochwertige Umfeld", sagt Hettenbach. Deshalb sei die Kunst, das Alte zu bedienen und das Neue aufzubauen. "Denn der digitale Bereich ist der, der wächst."

International unterwegs

1999 ist die Heilbronner Werbeagentur von Confrad, einem internationalen Netzwerk inhabergeführter Werbeagenturen, als Mitglied aufgenommen worden. Seitdem betreut sie auch Projekte ihrer ausländischen Agentur-Partner oder realisiert im Rahmen internationaler Etats die Kampagne für Deutschland. Derzeit läuft beispielsweise eine Kampagne für europäisches Lammfleisch.

Bis heute gibt es auch eigene Print-Produkte. "Damit haben wir 1946 mit dem ,Unterländer Anzeigenblatt" schon angefangen." Seit Jahren produziert Hettenbach nun für die IHK die "W.News". "Als Agentur sind wir ein Tausendfüßler", sagt Konrad Hettenbach, dessen Frau Jutta ebenfalls mehr als 20 Jahre in der Agentur gearbeitet hat. Wie die Zukunftspläne aussehen? Sein Bruder Fritz ist weiterhin Mitgesellschafter, aber nicht mehr im Tagesgeschäft aktiv. Dafür gibt es mit Jasmin Braunauer eine junge Mitgeschäftsführerin. Hettenbach versichert: "Es geht weiter."

Ethische Fragen

Was die Internet-Werbung angeht, sieht Agenturchef Konrad Hettenbach viele ungelöste Probleme. So seien zur Nachricht über die tot aufgefundenen Flüchtlinge in einem Kühltransporter vor einigen Jahren Anzeigen für Kühlschränke gelaufen. "Eigentlich sollte sich der Deutsche Werberat darum kümmern, dass Keyword-gesteuerte Kampagnen nicht so danebenlaufen." Schließlich würde die Branche in Deutschland sonst peinlich genau darauf achten, dass Werbung nicht sexistisch oder beleidigend ist.

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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