VW will Schadenersatz von Winterkorn und Stadler wegen Abgasskandals

Wolfsburg  Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und Ex-Audi-Chef Rupert Stadler sollen für Verfehlungen im Zuge des Dieselskandals belangt werden.

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Der VW-Konzern will seinen Ex-Chef Martin Winterkorn (links) und den früheren Audi-Chef Rupert Stadler zur Kasse bitten.

Foto: dpa

An Terminen mit dem Betreff "Schadentisch" wollte im VW-Konzern früher am liebsten niemand teilnehmen. Der Betreff war nicht im übertragenen Sinne gemeint. Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn hatte in regelmäßigen Abständen fehlerhafte Teile auf einem Tisch legen lassen und begutachtet - selbstredend im Beisein der Verantwortlichen.

Bei den Terminen, so berichten es Teilnehmer, ging es zur Sache. . Ja, "Wiko" konnte laut und unangenehm werden. Nachfragen und technische Inspektionen am Schadentisch waren gefürchtet. Hier zückte der 73-Jährige oft unvermittelt sein "Besteck": Feuerzeug, Nagel, Schraubenzieher, Messinstrumente. Mit diesen Utensilien untersuchte er fehlerhafte Teile.

Winterkorn wusste wohl früh Bescheid

Der Termin am 27. Juli 2015 wird nun wohl teuer für Winterkorn. An diesem Tag soll der ehemalige Konzernchef am Schadentisch die Betrugssoftware der manipulierten Dieselmotoren erklärt bekommen haben. Ein Ingenieur habe auch auf mögliche finanzielle Konsequenzen hingewiesen. Zu diesem Schluss war die amerikanische Bundespolizei FBI bereits vor vier Jahren gekommen.

Zu diesem Ergebnis kommt nun auch auf der Aufsichtsrat des zweitgrößten Autobauers der Welt, der die die Rechtsanwaltskanzlei Gleiss Lutz mit einer umfassenden Prüfung beauftragt hatte. Im Kern ist einer versandten Pressemitteilung zu entnehmen, dass Winterkorn also sehr wohl schon vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals im September 2015 Bescheid wusste. Dies hatte der Manager seither immer bestritten. Der Aufsichtsrat kommt zu dem Schluss, dass er es nach dem Termin am 27. Juli 2015 unterlassen habe, "die Hintergründe des Einsatzes unzulässiger Softwarefunktionen in 2,0-Liter-TDI-Dieselmotoren, die in den Jahren 2009 bis 2015 im nordamerikanischen Markt vertrieben wurden, unverzüglich und umfassend aufzuklären".

Winterkorn soll nun wegen Verletzungen der aktienrechtlichen Sorgfaltspflicht Schadenersatz zahlen. Das Ausmaß der Forderungen ließ der Konzern noch offen. "Entsprechende Gespräche laufen dazu an", heißt es in einem Schreiben des Aufsichtsrats an die Belegschaft.

Motoren aus Neckarsulm

Der Vorwurf gegen den früheren Audi-Chef und Konzernvorstand Rupert Stadler bezieht sich auf dessen Umgang mit Dieselmotoren von Audi. Hier dreht es sich um die großen Sechs- und Achtzylinder-Diesel, die am Standort Neckarsulm entwickelt wurden und die in der EU auch in Autos der Marken VW und Porsche eingebaut waren. Stadler habe es von Ende September 2016 an versäumt, dass die Motoren "im Hinblick auf unzulässige Softwarefunktionen untersucht werden".

Mehrere Manager belangt

Der 58-Jährige hat wie Winterkorn alle Vorwürfe von sich gewiesen. Seit 30. September 2020 muss sich Stadler vor dem Landgericht München verantworten. Der erste deutsche Strafprozess soll bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Vom VW-Konzern selbst werden auch die Ex-Vorstände Ulrich Hackenberg, Stefan Knirsch und Wolfgang Hatz belangt. Beim früheren Volkswagen-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer sei die Forderung schon geltend gemacht worden.

 


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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