Heilbronner Marketing- und Vertriebstag: Vernetzung hilft dem Mittelstand

Heilbronn  Beim 17. Heilbronner Marketing- und Vertriebstag ging es vor allem um Digitalisierung und Krisenmanagement. Mehr als 100 Teilnehmer informieren sich aus erster Hand.

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In einer alten Schuhfabrik im Berliner In-Viertel Prenzlauer Berg hat sich die Plattform Maschinenraum angesiedelt. Hier trifft Startup-Geist auf Mittelstand, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und voneinander zu profitieren.

Foto: Maschinenraum

Neue Impulse zu aktuellen Themen setzen - diesen Anspruch hat auch der 17. Marketing- und Vertriebstag in Heilbronn erfüllt. Professor Rainer Schnauffer vom Unternehmerkreis Marketing & Vertrieb (M & V) ist es erneut gelungen, hochkarätige Referenten zu Digitalisierung, Krisenmanagement und Markenführung zu gewinnen. Gut hundert Teilnehmer verfolgten am Mittwochnachmittag den Online-Kongress, der vom Unternehmerkreis M & V, der IHK Heilbronn-Franken und der Hochschule Heilbronn veranstaltet wurde. Die Heilbronner Stimme war Medienpartner.

Ein Ökosystem vom Mittelstand für den Mittelstand

Klassische deutsche Mittelständler zusammenzubringen, um gemeinsam Innovationen zu entwickeln und die digitale Transformation zu meistern - diesem Ziel hat sich die Plattform Maschinenraum verschrieben. "Wir sind ein Ökosystem vom Mittelstand für den Mittelstand", sagt Geschäftsführer Tobias Rappers. Die Plattform ist Ende März 2020 auf Initiative der Viessmann-Gruppe entstanden und hat mittlerweile mehr als 20 Mitgliedsunternehmen aus dem deutschen Mittelstand.

Wobser aus Lauda lobt die neuartige Plattform

Mit dabei ist das Unternehmen Lauda Dr. R. Wobser aus Lauda-Königshofen, ein Spezialist für Temperiergeräte. "Ich schätze den Austausch im Maschinenraum, wir profitieren davon als Unternehmen", sagt Geschäftsführer Gunther Wobser. Die Problemstellungen in mittelständischen Unternehmen seien häufig ähnlich, und zwar unabhängig von der jeweiligen Branche. Daher sollen der Erfahrungsaustausch, das gemeinsame Lernen in Workshops und die Vernetzung der Entscheider dafür sorgen, die anstehenden Herausforderungen schneller und effektiver zu meistern.

Innovationszentrum in Lauda-Königshofen geplant

In einer ehemaligen Schuhfabrik im Berliner Prenzlauer Berg hat Maschinenraum ein Domizil gefunden, in dem sich Startup-Geist und bodenständiges Familieunternehmertum ergänzen und gegenseitig befruchten sollen. Neue Arbeitsmethoden wie agiles Arbeiten stehen hier ebenso auf dem Programm wie zeitgemäße Kommunikation und die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Die Mitgliedschaft im Maschinenraum und sein einjähriger Aufenthalt im Silicon Valley hat Gunther Wobser derart inspiriert, dass er im alten Bahnhof in Lauda-Königshofen ein regionales Innovationszentrum aufbauen möchte.

Digitalisierung als Reise, die nie zu Ende geht

Wie komplex und langwierig die Digitalisierung eines weltweit tätigen Konzerns ist, machte Jolanda Schwirtz deutlich, die für Nestlé Deutschland die digitale Transformation verantwortet. Es gehe hier nicht um Veränderungen in Teilbereichen. "Es ist eine Unternehmenstransformation", betonte sie. Und diese Transformation sei letztlich nie abgeschlossen. "Es ist eine Reise." Besonders wichtig sei es, die Mitarbeiter auf diese Reise mitzunehmen und ihnen Sinn und Zweck der Digitalisierung nahezubringen, so Schwirtz.

Auf Krisen muss man vorbereitet sein

Klare Kommunikation ist auch in Krisen unbedingt erforderlich, wie Peter Fenkl in seinem Vortrag deutlich machte. Der Vorstandsvorsitzende des Künzelsauer Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg ist zudem der Ansicht, dass sich ein Unternehmen auf Krisen vorbereiten kann und muss. "Krisen sind oft vorhersehbar", sagt Fenkl. Man müsse rechtzeitig mögliche Szenarien entwerfen, Krisenverläufe durchdenken und prophylaktische Maßnahmen treffen.

So habe Ziehl-Abegg in der Corona-Krise schon im Februar 2020 einen Krisenstab eingesetzt und Reisen nach China und später nach Italien ausgesetzt. Zugleich hat Fenkl in dieser unsicheren Zeit unternehmerischen Mut bewiesen: Im April 2020 entschied das Unternehmen, ein neues Werk zu bauen, um nach der Corona-Krise rasch wieder liefern zu können.

Das Kreuz mit der Markenführung

Von der Komplexität einer Zwei-Marken-Strategie berichtete Reiner Hammerl, Vertriebschef des Esslinger Maschinenbauers Index. Mit Index und Traub hat das Unternehmen seit der Übernahme des erbitterten Wettbewerbs Traub 1997 zwei nahezu gleichwertige Marken im Programm. Eigentlich sei es besser, nur eine Marke zu haben, gibt Professor Schnauffer zu bedenken.

Doch die Esslinger haben sich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt und letztlich entschieden, trotz des höheren Aufwands an der Zwei-Marken-Strategie festzuhalten. Die konservativen mittelständischen Kunden, erläutert Hammerl, seien extrem markentreu und würden die Aufgabe einer Marke wohl nicht goutieren.

 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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