Verbraucher halten in der Krise ihr Geld zusammen

Heilbronn  Das Sparverhalten hat sich in der Corona-Pandemie laut einer aktuellen Postbank-Studie verändert. Bei den Bankersparnissen gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Email
Die Bundesbürger sparen in der Corona-Krise mehr. Foto: dpa

Die Bundesbürger sparen in der Corona-Krise mehr - und greifen zugleich auf andere Sparformen zurück. Wie eine aktuelle Studie der Postbank ergab, legen derzeit 83 Prozent der Bürger Geld zurück. Im vergangenen Jahr waren es nur 74 Prozent. Die Deutschen sparen vor allem für unvorhergesehene Ausgaben (47 Prozent), für ihre Altersvorsorge (44 Prozent) und um sich etwas zu gönnen (32 Prozent). Ein finanzieller Puffer in Krisenzeiten ist 29 Prozent der Befragten wichtig. "Wer es sich leisten kann, polstert seine finanziellen Rücklagen auf. Dies verschafft ein Gefühl der Sicherheit in ungewöhnlichen Zeiten", kommentiert Postbank-Experte Karsten Rusch die Studie.

Schnelle Verfügbarkeit ist den Sparern wichtig

43 Prozent der befragten Bürger gaben zudem an, jetzt verstärkt auf andere Formen der Geldanlage zu setzen als vor der Krise. Wichtig ist ihnen dabei offensichtlich die schnelle Verfügbarkeit ihrer Ersparnisse. So parken 20 Prozent ihr Geld nun vermehrt auf dem Girokonto. Zwölf Prozent legen ihr Geld auf dem klassischen Sparkonto zurück, und jeder Zehnte nutzt ein Tagesgeldkonto. "Sparer wollen unmittelbar auf ihre Rücklagen zugreifen können, um unvorhergesehene Kosten zu stemmen oder für krisenbedingte Engpässe gerüstet zu sein", sagt Karsten Rusch. Das Geld im Sparschwein oder unter der Matratze zu horten, ist dabei für die wenigsten Bürger eine Option. Lediglich knapp acht Prozent der Befragten gaben an, ihr Erspartes verstärkt zu Hause aufzubewahren.

Viele Sparer sind nicht über bessere Anlagemöglichkeiten informiert

13 Prozent der Sparer investieren aktuell mehr in Aktien und Fondsanteile als vor Beginn der Corona-Pandemie. Für die Postbank-Experten könnten das angesichts der wenig renditeträchtigen Alternativen auf dem Bankkonto noch viel mehr sein. "Offenbar sind viele Sparer nicht ausreichend über bessere Anlagemöglichkeiten informiert", vermutet Anlageexperte Rusch. Immerhin legen zumindest Menschen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 60.000 Euro brutto deutlich häufiger in Aktien und Fonds an (20 Prozent) als der Rest.

75 Prozent der befragten Verbraucher verzichten während der Pandemie verstärkt auf Ausgaben, die in die Bereiche Luxus und Freizeit fallen. Gespart wird demnach am Urlaub (46 Prozent), beim Restaurantbesuch (40 Prozent), beim Hobby (32 Prozent), beim Kleiderkauf (28 Prozent) und bei Dienstleistungen wie dem Friseurbesuch (25 Prozent). Hier sind die Jüngeren sparsamer als die über 60-Jährigen.

Guthaben auf den Sparkonten haben zugelegt

Unterdessen steigen die Guthaben auf den Sparkonten der Deutschen weiter, wie die Postbank berechnet hat. So hatte jeder Bürger Ende 2019, also noch vor der Corona-Pandemie, statistisch gesehen 26.232 Euro in Sparprodukten angelegt - das sind 1158 Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Sparquote im Land blieb mit 10,9 Prozent auf einem hohen Niveau.

Bemerkenswert sind die enormen Unterschiede bei den Sparanlagen der Bürger zwischen den Bundesländern. Während die Hessen als Spitzenreiter durchschnittlich 52.431 Euro auf dem Konto haben, kommen die Brandenburger lediglich auf 14.770 Euro. Baden-Württemberg liegt mit durchschnittlich 27.475 Euro im oberen Mittelfeld des Länderrankings. Die fünf ostdeutschen Bundesländer belegen die letzten Plätze.

Den Sparfleiß haben die Deutschen in der Kindheit gelernt

Die große Treue der Deutschen zu klassischen Sparanlagen auch in Zeiten ohne Verzinsung erklären die Postbank-Experten mit "dem in der Kindheit erlernten Sparfleiß der Bundesbürger". Auch das Bedürfnis, Rücklagen für unvorhergesehene Ereignisse zu bilden, sei ein starkes Sparmotiv. Zudem konstatiert das Institut bei vielen Sparern "fehlenden Mut, Geld an der Börse zu investieren". In der Folge steige der Anteil an bekannten Sparanlagen.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

Kommentar hinzufügen