Trumpf: Auftragsrekord und große Hoffnung auf Zukunftsfeldern

Ditzingen  Vorerst hat der Laserspezialist mit steigenden Preisen umzugehen. Die Mitarbeiterzahl übersteigt die Marke von 15.000. Neue Chiptechnologien könnten das Geschäft von übermorgen sichern.

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Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsleitung, und ihr Bruder, Technik-Chef Peter Leibinger.

Fotos: dpa

China hat die Bilanz des Laserspezialisten Trumpf im Corona-Jahr 2020/21 über Wasser gehalten. Während die Ditzinger in Europa, Amerika und Teilen Asiens Umsatzrückgänge verkraften mussten, legte das Geschäft in China um 51 Prozent auf gut eine halbe Milliarde Euro zu. Damit stand unter dem Strich ein Umsatzplus von 0,5 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.

Es gibt keine Alternative zu Geschäften mit China

Auch vor diesem Hintergrund erklärte Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, bei der Bilanzvorlage gestern in Ditzingen, dass China der wichtigste Markt für das Unternehmen sei. Um des Geschäfts Willen werde man sicher nicht die eigenen Werte aufgeben. Aber: "Rückzug ist keine Option", so die 61-Jährige.

Das klassische Werkzeugmaschinengeschäft ging leicht zurück auf 2,04 Milliarden Euro. Der Kostendruck nahm hier besonders zu. "Wir sind dabei, den enorm hohen Stahl-Anteil der Maschinen zu reduzieren", erklärte Stephan Mayer, der zuständige Geschäftsführer.

Der Verkaufspreis der Maschinen habe im vergangenen Jahr um etwa zwei Prozent zugelegt, weitere Erhöhungen könne er nicht ausschließen. "Bisher haben wir die Preise aber noch nicht angepasst", so Mayer.

Hoffnungsträger "Extrem Ultraviolette Strahlung" EUV

Das Geschäft entwickelte sich in der Corona-Zeit mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Lasertechnik legte um 10,4 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Auch hier hat Trumpf beim Laserschweißen den Fuß bei Zukunftsfeldern wie der Autobatterietechnik in der Tür. Elektronik wuchs um 24 Prozent auf 286 Millionen Euro.

Daneben gibt es Hoffnungsträger wie das Geschäftsfeld EUV, kurz für extrem ultraviolette Strahlung. Was sich hier tut, könnte für Trumpf ein Wachstumsmotor werden.

Trumpf hat als weltweit einziger Anbieter einen Hochleistungslaser mit EUV-Technologie für die Halbleiterherstellung entwickelt. Mit ihm können Chips mit Strukturen von unter sieben Nanometern produziert werden.

Der Markt ist klein: 50 Maschinen sollen künftig pro Jahr produziert werden. Allerdings kostet auch jede Maschine 100 bis 200 Millionen Euro. Trumpfs Anteil daran liegt im Bereich von fünf Prozent.

Von drei Kunden abhängig

Überraschenderweise ging der Umsatz im EUV-Bereich im vergangenen Jahr zurück. Technikvorstand Peter Leibinger erklärt das mit "Planänderungen" bei einem wichtigen Kunden - nur drei davon gibt es: TSMC, Samsung und Intel.

Jeder von ihnen wird aber wohl dreistellige Milliardenbeträge in den nächsten vier Jahren in neue Chipfabriken investieren. Entsprechend hoch sind die Erwartungen: "Wir werden hier ein enormes Wachstum sehen", sagt Leibinger.

Plädoyer für Chipfabrik in Deutschland

Der Technikvorstand plädierte in diesem Zusammenhang auch dafür, dass sich Deutschland dafür einsetzt, dass Intel eine seiner nächsten Chipfabriken in Deutschland errichtet. In Europa biete sich neben Irland nur noch der Raum Dresden an. Dafür müssten unter Umständen auch kostenfrei Grundstücke zur Verfügung und Steuererleichterungen in Aussicht gestellt werden.

Vor allem aber brauche es zügige Genehmigungen. "Wir reden hier von einer Bauzeit von zwei Jahren und Investitionen von 25 bis 30 Milliarden Euro", so Leibinger.

Steigende Investitionen in den Quantencomputer

Trumpf setzt auch in anderen Bereichen auf Technologien, die das Potenzial für bahnbrechende Innovationen haben. Noch nicht klar umrissen sind da die Aussichten der Trumpf-Ausgründung Qant im Bereich Quantencomputing.

Das Familienunternehmen hat bereits einen zweistelligen Millionenbetrag investiert, wird nun noch einmal nachlegen. Qant, das auch Sensoren herstellt, werde innerhalb eines Jahres von 25 Mitarbeitern auf etwa 100 anwachsen.

"Wir wären das Risiko aber nicht eingegangen, wenn wir nicht sicher wären, dass es was werden kann", sagte Peter Leibinger. Nicola Leibinger-Kammüller ergänzte etwas flapsig: "Die Familie ist sich einig, dass sie da eine Menge Knete einsetzt." In ein bis zwei Jahren soll sich zeigen, wohin die Reise geht.

Deutschland ist nur noch der Heimatmarkt

Bis auf weiteres bleibt es allerdings ein sehr kleiner Teil des Gesamtgeschäfts. Das zeigt ein Blick auf die Mitarbeiterzahl. Die hat im laufenden Geschäftsjahr, das am 1. Juli beginnt, die Marke von 15 000 Mitarbeitern überschritten. Mehr als die Hälfte davon ist in Deutschland tätig, wo der Anteil am Gesamtumsatz zuletzt nur noch 17 Prozent betrug.

Nachhaltige Entwicklung

Damit sich Umsatz und Gewinn auch weiterhin positiv entwickeln, legt Trumpf traditionell viel Wert auf Forschung und Entwicklung. Gemessen am Umsatz liegen die Aufwendungen dafür bei 10,9 Prozent, was weit über dem branchenüblichen Schnitt von drei Prozent liegt.

Für Klimaschutz investiert Trumpf nach eigenen Angaben bis 2030 fast 80 Millionen Euro. So sieht es die im vergangenen Jahr festgelegte Klimastrategie vor, die sich am 1,5-Grad-Ziel orientiert.

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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