Südzucker schöpft Hoffnung

Mannheim/Offenau  Der Gewinn ist bei Europas größtem Zuckerverarbeiter im ersten Halbjahr gestiegen. Dennoch bereitet die Lage in der Region Sorgen. Denn hier ist quasi Rüben-Krisenregion - aus mehreren Gründen.

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In Offenau häufen sich nun die Zuckerrüben. Diesmal ist die Kampagne kurz.

Foto: dpa

Beim Blick auf die nackten Zahlen darf sich verhaltener Optimismus breitmachen: Der Südzucker-Konzern geht mittlerweile von einem höheren Gewinn im laufenden Jahr aus.

In den ersten sechs Monaten stieg der Umsatz leicht auf 3,35 Milliarden Euro, der Überschuss legte von 20 auf 66 Millionen Euro zu. Wenig im Vergleich zu den Erfolgsjahren, aber viel gegenüber dem Vorjahr. Die Corona-Krise sorgt für hohe Nachfrage nach Tiefkühlpizza, während der Weltmarktpreis für Zucker wieder etwas gestiegen ist.

Rote Zahlen in der Zuckersparte

Indes - die Zuckersparte wird auch dieses Jahr wieder rote Zahlen schreiben. Bislang hat der Vorstand auf eine schwarze Null gehofft, nun wird ein operativer Verlust zwischen 50 und 100 Millionen Euro erwartet. Da ist es auch kaum ein Trost, dass im vorigen Geschäftsjahr noch ein Minus von 236 Millionen Euro in den Büchern stand.

Bakterien, Viren und die Trockenheit

Nicht nur der Weltmarktpreis setzt dem Kerngeschäft zu, das längst die Position der größten Konzernsparte an den Bereich Spezialitäten abgegeben hat, unter dem auch die Pizzas laufen. Das nördliche Baden-Württemberg und die Kurpfalz entwickeln sich gerade zu einer Art Rüben-Krisenregion: Bakterien und Viren setzen den Zuckerrüben zu, die ohnehin schon unter Trockenheit leiden. Hinzu kommt, dass die Schädlingsbekämpfung erschwert wird - anders als in Polen oder wohl bald auch in Frankreich sind in Deutschland die sogenannten Neonicotinoide weiter verboten.

"Wir erwarten höchstens eine durchschnittliche Ernte", sagt Veit Nübel, Rohstoff-Leiter Baden-Württemberg und damit zuständig für Anbau, Ernte und Logistik für das Werk Offenau. Die Anbaufläche im Einzugsbereich der Zuckerfabrik schrumpfte in diesem Jahr um zehn Prozent, wegen der Krankheiten liegen auch die Zuckergehalte etwa zehn Prozent niedriger - unter dem Strich läuft dies auf 20 Prozent weniger Menge für die Fabrik hinaus. 84 Tage Kampagne sind dort geplant, so wenig wie in keinem anderen deutschen Südzucker-Werk - normal sind mehr als 100 Tage.

1858 Landwirte bauen im Land Rüben an

Daraus zieht der eine oder andere Rübenbauer Konsequenzen. "Am Ende des Tages geht es um den Deckungsbeitrag für den Landwirt", sagt Larissa Kamp, Geschäftsführerin des Verbands baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer. "Südzucker versucht zwar, die Landwirte bei der Stange zu halten, kann aber auch nicht die natürlichen Gegebenheiten abstellen." 1858 Landwirte bauen im Land noch Zuckerrüben an, davon gerade mal 17 Bio-Rüben, die sie an das Werk Rain am Lech liefern.

Stützungsprogramme als Anreiz für weiteren Anbau

"Wir brauchen mehr Fläche", sagt Nübel. Südzucker will daher mit Stützungsprogrammen seine Bauern halten. So gibt es eine "Rohstoffsicherungsprämie", die bei niedrigem Weltmarktpreis einen Mindestpreis garantiert, sowie ein sogenanntes Auffangnetz, aus dem Verluste ausgeglichen werden, wenn der Zuckergehalt durch Befall mit der Schilfglasflügel-Zikade unter 16 Prozent sinkt - normal sind 18 Prozent, sagt Nübel. Alleine die Anbauprämien - als Anreiz zum Abschluss eines Folgevertrages - lässt sich der Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Wie viel für das Auffangnetz fällig werden, steht noch nicht fest, da es dieses Jahr erstmals angewendet wird, erläutert ein Konzernsprecher.

Noch bis November läuft die sogenannte Kontrahierung, also der Abschluss der Vereinbarungen mit den Landwirten über Zuckerrübenanbau im nächsten Jahr. "Wir erwarten für Deutschland und den Konzern insgesamt für 2021 eine Anbaufläche in etwa auf dem Niveau von 2020", heißt es hier. Noch ist die Rübe also nicht unattraktiv.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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