Stellenabbau bei Thyssenkrupp in der Region

Heilbronn/Essen  Der Stahlkonzern Thyssenkrupp legt rote Zahlen vor und streicht 11.000 Stellen. Das betrifft auch die Region: In Heilbronn und Weinsberg sollen Arbeitsplätze wegfallen. Die IG Metall übt Kritik.

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Foto: dpa

Beim kriselnden Stahlkonzern Thyssenkrupp fallen mehr Stellen weg als bislang angekündigt. Statt 6000 sollen sogar 11 000 Arbeitsplätze gestrichen werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen mit. Davon betroffen ist auch die Region: Der Anlagenbauer Thyssenkrupp System Engineering kürzt insgesamt 385 Stellen, davon 96 an den Standorten Heilbronn, Weinsberg und Mühlacker.

Verteilung ist noch unklar

Wie sich diese Streichungen auf die drei Standorte aufteilen, steht nach Angaben des Neckarsulmer IG Metall-Geschäftsführers Michael Unser noch nicht fest. Heilbronn ist einer der Standorte für den Anlagenbau für die Automobilindustrie. Dazu gehört auch eine große Werkzeugbau-Abteilung. In Weinsberg und Mühlacker werden Fahrzeug-Karosserien individuell umgebaut.

Info per Videokonferenz

Die Einigung sei am vergangenen Wochenende erzielt worden, berichtet Unser. Die Belegschaft an allen Standorten wurde am Donnerstagmorgen in einer mehr als zweistündigen Videokonferenz informiert - zugeschaltet hatten sich mehr als 1000 Mitarbeiter. Ursprünglich sollten noch deutlich mehr Stellen in der Region wegfallen, sagt Unser. In Weinsberg und Heilbronn sind nach Angaben eines Konzernsprechers derzeit 933 Personen beschäftigt. In Mühlacker sind es etwa 250. Zudem werden mehrere Dutzend Leiharbeiter eingesetzt, berichtet der Gewerkschafter. "Ich heiße den Personalabbau nicht gut", kritisiert er. "Durch die Reduzierung der Kopfzahl wird ein Unternehmen nicht automatisch rentabler." Er warnte davor, dass die Falschen gehen müssten - in Mühlacker seien viele betroffen, weil dort zuletzt Personal eingestellt wurde. Denn nur auf sozialverträglichem Weg, etwa über Altersteilzeit, werde der Abbau nicht zu schaffen sein, ahnt Unser. "Es wird auch Kündigungen geben."

Aufteilung der Sparte

Die bisherige Sparte System Engineering wird nun in zwei eigenständige Geschäftseinheiten aufgeteilt, kündigt der Konzern an. Künftig werde es einen auf Karosseriemontage spezialisierten Anlagenbauer geben. Die Antriebs- und Batteriemontage werde in einem neuen Unternehmen gebündelt. Im Zuge dieser Restrukturierung werden im Karosserieteil des Unternehmens 157 Stellen an Standorten in Baden-Württemberg, dem Saarland und Hessen wegfallen. Auf den Antriebs- und Batterieteil entfällt ein weiterer Abbau von 228 Stellen an Standorten in Bremen und Sachsen.

In der Verlustzone

Ob im gesamten Konzern nicht noch mehr Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen, ist ungewiss. "Wir werden weitere, auch tiefgreifende Entscheidungen treffen müssen", sagte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz. Für die Sanierung des Stahlgeschäfts hofft sie auf finanzielle Unterstützung des Staates. Im Ende September ausgelaufenen Geschäftsjahr musste Thyssenkrupp den Wert seiner Stahlsparte um mehr als 1,5 Milliarden Euro nach unten korrigieren. Viele unrentable Unternehmensteile stehen zum Verkauf. Ohne das mittlerweile verkaufte Aufzugsgeschäft musste der Konzern einen bereinigten operativen Verlust (Ebit) von 1,6 Milliarden Euro hinnehmen. Im Vorjahr war noch ein Minus von 110 Millionen Euro angefallen. Das Stahlgeschäft steuerte mit einem Verlust von fast 1 Milliarde Euro den größten Teil zum Minus bei. Der Umsatz brach im fortgeführten Geschäftsjahr um 15 Prozent auf rund 28,9 Milliarden Euro ein.

"Die Corona-Krise hat uns voll erwischt", sagte Merz. Vor allem die Nachfrage aus der Automobilindustrie war eingebrochen. Thyssenkrupp macht 30 Prozent des Umsatzes mit den Autoherstellern.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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