Schwarz-Gruppe zeigt in Heilbronn die Zukunft des Handels

Heilbronn  Shopbox und Collectbox starten auf dem Bildungscampus Heilbronn: Am Dienstag wurden die neuen digitalen Ladenkonzepte vorgestellt.

Email
Zwei vorerst einmalige Store-Konzepte der Schwarz-Gruppe starten in einen Testlauf auf dem Bildungscampus Heilbronn: Shopbox und Collectbox. Foto: Heiko Fritze

Aufmerksamen Besuchern sind die beiden silbrig glänzenden Kästen längst aufgefallen. Zwischen den Gebäuden 12 und 14 auf dem Bildungscampus Heilbronn wurden die beiden edelstahlverkleideten Bauten vor drei Wochen aufgestellt, oben tragen sie mit nahezu identischem Logo die Bezeichnungen Shopbox und Collectbox. Am Freitag legten Handwerker letzte Hand an – am Montag um 10.30 Uhr gingen die Einrichtungen in Betrieb.

Die dazugehörigen Apps gibt es schon

Bei den beiden Bauten handelt es sich um neue Ladenkonzepte der Schwarz-Gruppe. „Sie haben keinen Anspruch auf Vervielfältigung“, sagt aber am Nachmittag Projektleiter Andreas Laube bei einer Sonderauflage der Retail Innovation Days. Es handele sich aus Sicht der Schwarz-Gruppe um ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das es vorerst einzig an diesem Standort in Heilbronn geben wird. Zurzeit können es auch nur Studenten und Mitarbeiter des Bildungscampus Heilbronn nutzen. Die benötigten Apps finden sich ganz regulär in den App Stores von Google und Apple.

Das Konzept von Shopbox entspricht jenem, das erstmals von Amazon in Seattle getestet wurde: ein Laden ohne Kassenpersonal, sondern mit intelligenten Erfassungssystemen und Verknüpfung des Smartphones des Kunden mit einem Bezahldienstleister – in diesem Falle Klarna. Das Sortiment ist von Studenten des DHBW-Professors Stephan Rüschen zusammengestellt worden – etwa 250 Artikel von Snacks über Getränke, Milchprodukte und Tiefkühlware bis zu Drogerieartikeln. „Ziel ist, die Verpflegung von Studenten sicherzustellen – während des Tages und für die nächste Mahlzeit“, erläutert Laube.

Drei Sensoren registrieren in dem 35 Quadratmeter großen Laden Artikel, Bewegungen der Kunden und das Gewicht der Ware in den Regalen, um daraus zu erkennen, was der Einzelne entnommen hat – die Rechnung erhält dieser beim Verlassen des Ladens auf sein Handy. Herein kommt der registrierte Kunde übrigens nur mit einem stets neu generierten QR-Code.

Warenausgabeautomat der nächsten Generation

In der nebenan aufgestellten Collectbox, in der App als „Warenausgabeautomat der nächsten Generation“ beschrieben, werden zum einen Einkäufe am Terminal zusammengestellt, die dann in der Entnahmeklappe landen. Oder der Kunde hat seine Bestellung per App zuvor in Auftrag gegeben – dann hat er Nutzer 24 Stunden Zeit, seine Bestellung abzuholen. Auch Collectbox kann vorerst nur von Studenten und Mitarbeitern des Bildungscampus genutzt werden. Der Roboterarm, der im Lagerraum die Ware aus den bis zu 3000 Stück fassenden Regalen holt, ist sogar mit einer Kamera ausgestattet, so dass der Kunde die Arbeit der Technik an einem Bildschirm verfolgen kann. 

Übrigens: Weder die Discountsparte Lidl noch die Großflächensparte Kaufland der Schwarz-Gruppe tauchen als Partner oder Lieferant der beiden Ladenkonzepte auf. Als Urheber wird die Schwarz IT KG genannt, auch Andreas Laube arbeitet dort. 

Für Rüschen, Studiengangleiter Food-Handel, ist das Projekt auch Ausdruck einer intensiven Zusammenarbeit mit den Neckarsulmern. „Wir müssen jetzt nicht mehr nach Berlin fahren, um unseren Studenten innovative Handelskonzepte zu zeigen.“ Übrigens: Pandemiebedingt gelten auch hier Zugangsbeschränkungen. In die Collectbox darf momentan immer nur eine Person, in die Shopbox dürfen zwei Kunden auf einmal.

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

Top-Kommentare

Kommentar hinzufügen