Schwarz-Gruppe übernimmt Heilbronner Internet-Pionier

Heilbronn  Die Mehrheit des Software- und Domain-Experten Camao IDC geht an Schwarz IT. Das Unternehmen soll aber weiterhin offen für Kunden außerhalb von Kaufland, Lidl und Co. bleiben. Hinter Camao steckt einer der regionalen Pioniere des Internets.

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Marcel Appolt und Jean-Pierre Erdas sind die Geschäftsführer von Camao. Foto: Camao

Aus einem Software-Auftrag ist ein Zusammengehen geworden: Die regionalen Internet-Pioniere von Camao IDC gehören jetzt zur Schwarz-Gruppe. Der Neckarsulmer Handelsriese übernimmt 90 Prozent an dem Unternehmen mit 68 Mitarbeitern, das sich auf Softwareentwicklung, Domainmanagement und Augmented Reality spezialisiert hat. Ausgelöst wurden die Verkaufsgespräche durch die Neuprogrammierung einer Steuer-Vorausberechnungs-Software, die Camao IDC ausgeführt hatte.

Schwarz IT hält 90 Prozent

Camao IDC bleibt unter seinem Namen aktiv und soll nicht mehr als die Hälfte seines Geschäfts mit der Schwarz-Gruppe machen, berichtet Marcel Appolt. Der 45-Jährige hält - wie sein Geschäftsführer-Kollege Jean-Pierre Erdas - weiterhin je fünf Prozent an dem Unternehmen, das schon 1991 gegründet wurde und lange unter dem Namen Indeca firmierte. Auch unter der neuen Mutter bleiben beide im Amt. Es ist auch kein Umzug auf den Stiftsberg oder eines Tages auf den IT-Campus bei Bad Friedrichshall vorgesehen. "Wir sollen hier in Startup-Atmosphäre bleiben", sagt Appolt. Camao IDC beziehungsweise Indeca belegen derzeit zwei Etagen in einem Bürogebäude in der Etzelstraße; an der Camao IDS mit Sitz in der Heilbronner Moltkestraße hält die Firma ein Drittel der Anteile. Außerdem gibt es die hundertprozentige Tochter Indeca 4D - der IT-Unternehmer Ulrich Beck verkaufte im Zuge der Übernahme seinen Anteil von 25 Prozent wieder zurück. Camao selbst ist eine Münchener Agentur für Webseiten- und Social-Media-Strategien. Mit ihr ging Appolt 2016 eine Partnerschaft ein, die 2019 in einen gemeinsamen Namen mündete. Auch nach dem Einstieg von Schwarz IT bleibt das Unternehmen in der Camao-Gruppe.

"Für mich persönlich ist das ein erfolgreicher Schritt", sagt Marcel Appolt. "Ich hätte nicht an eine x-beliebige Firma verkauft, niemals nie. Das muss im Gesamtpaket passen." Etwa neun Monate hätten die Gespräche und Verhandlungen gedauert, berichtet er. "Ich habe mein Lebenswerk abgegeben", sagt er nun. "Aber bei so einer Company bin ich stolz darauf."

Ziel: "notwendige Ressourcen für den Ausbau des Cloud-Geschäfts"

Was die Schwarz-Gruppe mit dem Zukauf erreichen will, wird in der offiziellen Mitteilung nur angedeutet: Sie sichere sich damit "notwendige Ressourcen für den Ausbau ihres künftigen Cloud-Geschäfts", heißt es dort. Wie im Dezember öffentlich wurde, arbeiten die Neckarsulmer gerade mit Würth und dem Energie-Konzern EnBW an einer europäischen Cloud-Lösung als Alternative zu den vier Marktführern Microsoft, Google, Amazon und Alibaba. Seinerzeit wurde mitgeteilt, zum Ende dieses Jahres solle mit ersten Angeboten auf den Markt gegangen werden.

Von Vorteil für Camao IDC sei jetzt auch die größere finanzielle Schlagkraft. "Ich kann jetzt Schritte gehen, wie ich"s gerne machen würde", sagt Marcel Appolt. Zwar gebe es künftig einen Budgetplan und einen Beirat, der alles überwacht. Aber: "Ich kann mich jetzt freier bewegen." Und mit mehr Aufträgen für die Schwarz-Gruppe werde in den nächsten Jahren auch die Beschäftigtenzahl deutlich steigen.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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