R. Stahl hangelt sich durchs Nachfragetief

Region  Der schwache Ölpreis machte sich bemerkbar: Der Waldenburger Explosionsschutz-Spezialist rutscht knapp in die Verlustzone. Umsatzrückgang liegt bei zuletzt erwarteten zehn Prozent

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Die Zentrale der R.?Stahl AG in Waldenburg: Das Unternehmen stellt Bauteile für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen her. Doch vor allem in der Ölindustrie hat sich das Investitionsklima im vergangenen Jahr eingetrübt.

Foto: R. Stahl

Die R. Stahl AG hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von gut zehn Prozent hinnehmen müssen. Ein Nachfrageeinbruch in allen relevanten Märkten sei dafür verantwortlich, teilte der Explosionsschutzspezialist gestern mit. Nach den vorläufigen Geschäftszahlen übertraf der Gewinn vor Sondereinflüssen die Erwartungen leicht. Unter dem Strich steht nun aber wieder eine rote Zahl.

Keine Erholung im zweiten Halbjahr

Die Aussichten hatten sich im Lauf des vergangenen Jahres mehr und mehr eingetrübt. Vorstandschef Mathias Hallmann war im Sommer noch von einem Umsatzrückgang von rund fünf Prozent ausgegangen. Im Herbst dann die Korrektur. Bereits nach dem dritten Quartal lag das Minus bei zehn Prozent. Nach zwölf Monaten nun zumindest die Stabilisierung. Das Unternehmen machte mit 246,5 Millionen Euro 10,3 Prozent weniger Umsatz als 2019.

Kein gutes Klima für Investitionen

Die Waldenburger hatten mit widrigen Umständen zu kämpfen. Vor allem der mit Beginn der Pandemie abgestürzte Ölpreis nahm den Kunden aus der Öl- und Gasbranche - Betreiber von Förderanlagen, Bohrinseln, Tanklagern und Tankschiffen - den Spielraum für Investitionen.

Dies führte "zu einem beispiellosen Nachfrageeinbruch in nahezu allen für den elektrischen Explosionsschutz relevanten Schlüsselmärkten", führt R. Stahl aus.

Noch immer eine nennenswerte Ebitda-Marge

Durch Kostensenkungen und unter anderem auch einen 2019 vorzeitig abgeschlossenen neuen Konsortialkreditvertrag konnten die Auswirkungen auf die Ertragslage begrenzt werden. Nach 30,4 Millionen Euro Ergebnis (Ebitda) vor Sondereinflüssen im Vorjahr erwirtschaftete R. Stahl 2020 immerhin noch 19 Millionen Euro.

Für dieses Betriebsergebnis hatte das Management einen Rahmen von 15 Millionen bis 18 Millionen Euro prognostiziert, der nun leicht übertroffen wurde. Die entsprechende Ebitda-Marge liegt bei sieben Prozent. Unter dem Strich blieb von diesem Gewinn allerdings nichts mehr übrig. Nach Abzug aller Steuerzahlungen, Zinsen und Abschreibungen verringerte sich das Konzernergebnis auf minus 3,5 Millionen Euro. 2019 lag es noch bei plus 1,3 Millionen Euro.

Arbeitszeitverkürzungen und variable Vergütungsbestandteile, die nun geringer ausfielen, wirkten sich positiv auf die Personalkosten aus. Sie verringerten sich von 122 Millionen Euro auf 115,6 Millionen. Dabei stieg der Mitarbeiterbestand leicht um 21 auf 1690.

"Ein positiver Free Cashflow wurde erzielt"

Die Nettoverschuldung stieg um 1,7 Millionen auf 5,8 Millionen Euro. Auch wirkten sich sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro ergebnissichernd aus. "Trotz des herausfordernden Marktumfelds wurde im Berichtsjahr ein mit 5,7 Millionen Euro deutlich positiver Free Cashflow erzielt", heißt es in der Mitteilung.

 


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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