Mehr Kurzarbeit wegen Corona-Lockdown

Stuttgart  Wirtschaftlich schien Deutschland die Coronavirus-Krise bereits durchgestanden zu haben, doch die zweite Welle lastet schwer auf der Erholung. Das zeigen auch Daten des Münchner ifo-Institutes, die unserer Redaktion vorliegen.

Von unserem Korrespondenten Christian Grimm
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Der zweite Lockdown für ganze Branchen bremst die Erholung. Laut dem Ifo-Institut hat im Januar jede dritte Firma Kurzarbeit beantragt.

Foto: dpa

Demnach sehen sich mehr Unternehmen gezwungen, bei den Arbeitsämtern Kurzarbeit anzumelden. Laut ifo ist es beinahe jede dritte Firma hierzulande. Die Auswertung der Wirtschaftswissenschaftler bezieht sich auf Januar. Weil der Lockdown bis Anfang März verlängert wurde, ist davon auszugehen, dass noch mehr Firmen Kurzarbeit beantragt haben.

Im Januar hatten genau 31 Prozent aller Unternehmen die Lohnzuschüsse beantragt. Das waren drei Prozentpunkte mehr als im Dezember. Die Zwangspause für einige Wirtschaftszweige würde eigentlich zu noch mehr Entlassungen führen, gäbe es nicht das Kurzarbeitergeld. Nach den ifo-Daten waren im ersten Monat des neuen Jahres 2,6 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Im Dezember waren es 400?000 weniger. Das ifo-Institut befragt regelmäßig eine Gruppe von mehreren tausend Unternehmen aller Sparten und rechnet die Ergebnisse auf die gesamte Wirtschaft hoch.

Wirksamstes Instrument der staatlichen Krisenhilfe

Die Kurzarbeit ist bislang das wirksamste Instrument der staatlichen Krisenhilfe für die Geschäftswelt. Insgesamt haben die Arbeitsämter 23 Milliarden Euro an die Firmen ausgezahlt. Anders als bei Überbrückungshilfen und Zuschüssen gibt es keine Klagen darüber, dass es zu Verzögerungen kommt oder die Anträge zu kompliziert sind.

Ein tiefer Blick in die Statistik zeigt, welche Verwerfungen der Kampf gegen das Virus auslöst. In der Gastronomie haben 86 Prozent aller Unternehmen den Lohn-Zuschuss beantragt, während es bei Reisebüros und Reisevermittlern 90 Prozent sind. Im Einzelhandel hat die Hälfte der Unternehmen Kurzarbeit angemeldet, genauso wie in der immens wichtigen Autoindustrie. Am besten steht eine Branche da, die sich vor Arbeit kaum retten kann: Laut ifo haben Steuerberater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer zu null Prozent die Hilfe in Anspruch genommen.

In den Kanzleien türmen sich die Anträge der Unternehmer für die Überbrückungshilfen. Dass diese bitter nötig sind, hat jüngst eine große Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergeben. Ein Drittel der Unternehmen aus der Reisewirtschaft betrachtet sich selbst als pleitegefährdet, bei den Taxibetrieben ist es jedes Fünfte. In dieser Größenordnung liegen auch der Freizeit- und Kulturbereich und die Gastronomie.

Die lange Starre am Beginn des Jahres hat dazu geführt, dass der Optimismus aus den Konjunkturprognosen gewichen ist, obwohl es in der Industrie und auf dem Bau gut läuft. Die Schätzungen lauten nur noch auf ein Wachstum von drei Prozent. Im Herbst hatten die meisten Ökonomen noch ein Plus von knapp fünf Prozent vorausgesagt. Damit wäre der Einbruch des vergangenen Jahres beinahe wieder wettgemacht worden. Jetzt dürfte es erst Ende 2022 so weit sein. Jede Woche, in der Handel, Hotels, Wirtshäuser, Kinos und Fitnessstudios geschlossen sind, kostet Deutschland etwa 1,5 Milliarden Euro an entgangener Wirtschaftskraft, so die ifo-Forscher aus München.


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