Maschinenbauer rufen nach starker Politik

Region  Unternehmen fürchten, im globalen Hauen und Stechen auf der Strecke zu bleiben. Einer aktuellen Südwestmetall-Umfrage zufolge sind knapp 80 Prozent der Unternehmen von Lieferschwierigkeiten betroffen. Lieferengpässe werden zur Bedrohung.

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Südwestmetall-Geschäftsführer Jörg Ernstberger (v.l.), Lavatec-Chef Wolf-Peter Graeser und Michael Unser, IG Metall Heilbronn-Neckarsulm.

Foto: Christian Gleichauf

Die Maschinenbauer schlagen Alarm. Statt Entspannung zeichnet sich, was Lieferengpässe, Chipmangel und Preissteigerungen angeht, eine Verschärfung der Situation ab. Bei einem Pressegespräch der Bezirksgruppe Heilbronn/Franken des Arbeitgeberverbands Südwestmetall mit Vertretern aus dem Maschinenbau und von der IG Metall wurden klare Forderungen an die Politik formuliert.

Chips nicht lieferbar, gefälscht oder geklaut

Die Maschinenbauer berichten von einer langen Liste an Problemen. Elektronik-Teile fehlen, "alles, was einen Stecker oder einen Chip hat", Rohstoffe wie Aluminium würden knapp, Holz, Kunststoff und Edelstahl werden teuer, Lieferfristen nicht eingehalten. Chips, die geliefert werden, stellen sich dann vereinzelt als Fälschungen heraus - oder das Paket kommt nie an, weil es unterwegs offenbar irgendwo abgegriffen wurde. Hamsterkäufe verschärfen das Problem. "Die Standortvorteile schwinden", sagt Hartmut Eckert von Azo in Osterburken.

Einer aktuellen Südwestmetall-Umfrage zufolge sind knapp 80 Prozent der Unternehmen von Lieferschwierigkeiten betroffen. Mehr als die Hälfte der Betriebe rechnet damit, bis Ende kommenden Jahres unter dem Vorkrisenniveau von Ende 2018 zu bleiben.

Immerhin: Die Auftragslage ist weiterhin gut

"Langsam wird es der perfekte Sturm", bringt es Holger Auberle, Geschäftsführer der Hörauf Maschinenfabrik in Donzdorf, auf den Punkt. Das einzige, das weiterhin Hoffnung macht, sind die fast überall hohen Auftragseingänge. "Wir haben x Maschinen in der Montage stehen, wo jeweils irgendein Teil fehlt", erzählt Auberle.

Alexander Klotz von Glaston in Neuhausen bei Pforzheim zitiert aus der Prognose des Kreditversicherers Euler Hermes, nach der die Zahl der Insolvenzen 2022 deutlich ansteigen werde. Grund dafür sei zum einen, dass Zulieferer zusammenbrechen könnten.Zum anderen würden den Maschinenbauern die Kreditlinien teils zusammengestrichen.

IG-Metall-Vertreter Michael Unser fordert deshalb von der Politik Liquiditätshilfen und mehr Spielraum für die Banken, die ansonsten gezwungen wären, die Kreditlinien zu kürzen.

Nur gemeinsam stark, im Kleinen wie im Großen

Für mehr Kooperation plädiert Matthias Schäfer, Geschäftsführer der Maschinenbauer-Einkaufsgemeinschaft Qesar. Mit gemeinsamem Auftreten und der Bündelung der Interessen könne auch international etwas erreicht werden.

Hier spielt Hans-Jörg Vollert, Vorsitzender von Südwestmetall und selbst im Anlagenbau tätig, den Ball ins Feld der Politik. "Der Weltmarkt ist kein Kuschelzoo." Gegenüber China und den USA müsse eine klare Wirtschafts- und Industriepolitik betrieben werden. Europa müsse sich neu aufstellen.

Das bestätigt Wolf-Dieter Graeser: "Die Chinesen steuern uns", sagt der Chef des Heilbronner Wäschereimaschinenherstellers Lavatec. China argumentiere mit Energieknappheit und Umweltauflagen, reduziere Siliziumlieferungen und fahre die Magnesium-Produktion nach unten. "Das führt alles dazu, dass bei uns weniger ankommt. Und man muss sich schon die Frage stellen, warum das alles jetzt so ist und nicht 2019 schon so war."

 


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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