Lob und Kritik aus der regionalen Wirtschaft für Corona-Beschlüsse

Region  Kammern und Verbände begrüßen die angekündigten Maßnahmen der Politik weitgehend, weisen aber auch auf Umsetzungsprobleme hin. Der Arbeitgeberverbande Südwestmetall gibt eindringlichen Impf-Appell.

Email

Volle Büros soll es nach dem Willen der Bundesregierung in den nächsten Monaten nicht mehr geben. Um das Infektionsgeschehen am Arbeitsplatz möglichst gering zu halten, sollen die Mitarbeiter möglichst im Homeoffice arbeiten.

Foto: dpa

Vertreter der regionalen Wirtschaft haben mit Lob, aber auch mit Kritik und Forderungen auf die von der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten angekündigten Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie reagiert.

"Ausdrücklich ist zu begrüßen, dass die Politik gestern überhaupt zu einer Einigung gekommen ist", teilt Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, am Freitag mit. Sie hatte auch gehofft, dass der Bundesrat dem Paket zustimmt. "Unsere Unternehmen brauchen dringend Klarheit über die neuen Regelungen. Besonders begrüße ich, dass die neu eingeführte 3G-Pflicht nicht nur von den Arbeitgebern getragen werden muss, dass keine flächendeckenden Betriebsschließungen mehr erfolgen und die Reisefreiheit nicht mehr eingeschränkt wird." Die unter anderem im Gastronomiebereich vorgesehene 2G-Regelung werde zu weiteren empfindlichen Einbußen führen. "Das muss allen klar sein", betont Döring.

 

Handwerk sieht Probleme im betrieblichen Alltag

Für die Handwerkskammer Heilbronn-Franken sagt Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr: "Dass Arbeitgeber nun den Impfstatus ihrer Beschäftigten erfahren dürfen, ist zwar erfreulich. Die praktische Umsetzung der 3G-Regel in den Betrieben ist aber teils schwierig." In vielen Gewerken sei es üblich, dass Arbeitnehmer direkt von zu Hause zum Einsatzort auf der Baustelle oder beim Kunden fahren. "Wie sollen Arbeitgeber hier den neuen Kontroll- und Dokumentationspflichten mit vertretbarem Aufwand täglich nachkommen?", fragt Schnörr. Unklar bleibe auch, wer die Kosten für die zusätzlichen täglichen Testnachweise trägt und wie mit Beschäftigten umgegangen werden soll, die den 3G-Nachweis verweigern. "Die Betriebe dürfen damit nicht allein gelassen werden", fordert Schnörr Unterstützung seitens der Politik.

 

Südwestmetall begrüßt Fragerecht des Arbeitgebers

"Wir begrüßen es, dass es mit der Einführung von 3G am Arbeitsplatz nun offenbar auch ein faktisches Fragerecht des Arbeitgebers zum Impf-, Genesenen- bzw. Teststatus geben soll - was wir seit langem gefordert haben", kommentiert Jörg Ernstberger, Geschäftsführer der Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken, die Maßnahmen. Nur so sei es möglich, 3G am Arbeitsplatz umzusetzen, betriebliche Abläufe optimal zu organisieren und Hygienekonzepte passgenau umzusetzen.

Die tägliche Kontrolle und Dokumentation des Impf- beziehungsweise Teststatus bedeute für die Betriebe erheblichen Aufwand, der häufig aber leistbar sei. "Allerdings wird es auch zahlreiche betriebliche Situationen geben, wo es sehr schwierig wird - etwa, wenn in großen Betrieben zu Schichtbeginn mehrere hundert Beschäftigte quasi gleichzeitig kontrolliert werden müssen, oder wenn Außendienstmitarbeiter gleich zum Einsatzort fahren und gar nicht in den Betrieb kommen", gibt Ernstberger zu bedenken.

 

Betriebe stehen unter enormem Zeitdruck

Gut sei, dass die Pflicht, den 3G-Nachweis zu erbringen, alleine beim Arbeitnehmer liegt. Denn wenn die Betriebe vor Ort und vor Arbeitsbeginn Tests durchführen und bestätigen müssten, wäre das kaum noch zu leisten. Der Südwestmetall-Vertreter weist auf ein weiteres Problem hin. "Die Herausforderung ist, dass den Betrieben jetzt wenig Zeit für die Umsetzung bleiben wird. Diese wird von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedliche Konzepte erfordern, je nach Größe und Struktur", betont Ernstberger. In einem kleinen Laden mit fünf Beschäftigten könne sich der Chef morgens die Nachweise zeigen lassen, in einem großen Schichtbetrieb oder in einem Vertrieb, bei dem die Außendienstmitarbeiter gar nicht reinkommen, funktioniere das so nicht. Daher müsse auch die digitale Übermittlung des Status oder die Nutzung von Apps möglich sein.

Die Arbeitgeber erwarten auch, dass die öffentlich zugänglichen Testmöglichkeiten kurzfristig massiv ausgeweitet werden. "Es darf nicht passieren, dass ungeimpfte Arbeitnehmer der Arbeit fernbleiben müssen, weil sie kein Testangebot gefunden haben", sagt Ernstberger.

Impfen ist der Königsweg aus der Pandemie

Für Südwestmetall ist klar: "Impfen ist und bleibt der Königsweg aus der Pandemie." Der große Abstand in den Infektions- und Hospitalisierungszahlen von Geimpften und Ungeimpften zeige: Ungeimpfte setzen sich selbst als auch ihre Mitmenschen einem großen Infektionsrisiko aus. "Unser Appell ist deshalb klar: Bitte lassen Sie sich impfen!"


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

Kommentar hinzufügen