Leichter Schrank für brenzlige Einsätze

Heilbronn  Der IHK-Forschungstransferpreis geht in diesem Jahr an R. Stahl für eine neuartige Explosionsschutz-Entwicklung. Auszeichnungen gab es auch für Nivus aus Eppingen und Agria aus Möckmühl.

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In Kränen wie diesem wurden die ersten neuartigen explosionsgeschützten Schaltschränke von R. Stahl eingebaut.

Foto: R. Stahl

Ein Schaltschrank ist ein Schaltschrank? Im Bereich Explosionsschutz ist die R. Stahl AG aus Waldenburg mit einer Revolution auf den Markt gekommen: ein besonders dünnwandiger Kasten, der dennoch die nötigen Sicherheits-Eigenschaften für den Einsatz in brenzligen Bereichen aufweist, wo kein Funke überspringen darf.

Für diese Entwicklung gab es jetzt den Forschungstransferpreis der IHK Heilbronn-Franken. Pandemie-bedingt fand die Preisverleihung nicht im Festsaal der Kammer in Heilbronn statt, sondern am Bildschirm während einer Videokonferenz, zu der die drei Nominierten zugeschaltet waren. Die Urkunde wurde daher auch nicht überreicht, sondern wird in den nächsten Tagen zugeschickt.

Mit Hochschule aus Jena entwickelt

Dennoch - die Entwickler beim Waldenburger Unternehmen sind mächtig stolz auf den ersten Preis. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und würdigt die Zusammenarbeit von Unternehmen mit Hochschulen bei der Entwicklung von Innovationen. R. Stahl hatte mit der Ernst-Abbe-Hochschule Jena an dem Projekt gearbeitet, das mittlerweile bereits in einigen Fällen im Einsatz ist.

Unter anderem nutzt der Kranhersteller Liebherr die besonders leichten Schränke in Kränen, die auf Bohrinseln montiert sind. Immerhin sind die Konstruktionen dank ihrer besonderen Bauweise um 80 Prozent leichter als die bisher verwendeten Exemplare. "Wir sind jetzt in der Lage, große Schaltschränke zu realisieren. Das ist zuvor noch nie gelungen", erläuterte Thorsten Arnhold, der das Projekt unter dem Namen "Expressure" zusammen mit Professor Frank Engelmann von der Jenaer Hochschule entwickelt hat.

Roboter für Weinbau-Steillagen

Den Transferpreis in Silber und damit jeweils 5000 Euro erhielten die beiden anderen Nominierten: Der Eppinger Messtechnik-Spezialist Nivus wurde für die Entwicklung eines Ultraschall-Sensors ausgezeichnet, der Partikel in Regen- und Oberflächenwasser aufspürt und in Echtzeit auswerten kann. Der Vorteil liege darin, dass nicht mehr aufwendig Wasserproben entnommen und analysiert werden müssen, sondern diese Daten ohne Verzögerung vorliegen. Nivus arbeitete hier mit dem Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Uni Stuttgart zusammen. Der Möckmühler Gartengeräte-Hersteller Agria bekam die Auszeichnung in Silber für die Entwicklung eines teilautonomen Roboters zur Bewirtschaftung von Steillagen im Weinbau - das Gerät kann Hänge mit einer Steigung von bis zu 55 Grad erklimmen. Das Unternehmen kooperierte hier mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach.

IHK-Präsident Harald Unkelbach blickte zufrieden zurück auf den Preis, der seit 2011 ausgeschrieben wird. "Kooperation und der Austausch von Wissen sind ein Treiber der Innovation", sagte er. Dies werde in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Die Kammer wolle daher auf jeden Fall an dem Transferpreis festhalten und ihn auch im kommenden Jahr ausloben.

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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