LBBW erwartet deutliches Wachstum 2021

Stuttgart  Die Landesbank rechnet mit weltweiter konjunktureller Erholung. Echte Sicherheit gibt es aber erst, wenn ein Impfstoff vorliegt. Aktien bleiben die erfolgversprechendste Anlageform, auch Immobilien und Rohstoffe sind nach Ansicht der Analysten interessant.

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Auch die Börsen hoffen auf einen Impfstoff und damit auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie.

Foto: dpa

Nach dem heftigen coronabedingten Konjunktureinbruch im laufenden Jahr rechnet die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im nächsten Jahr mit einer deutlichen Erholung. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. In ihrem gestern vorgestellten Kapitalmarktausblick gehen die LBBW-Experten davon aus, dass die Wirtschaft in Deutschland 2021 um vier Prozent wächst. Für den Euroraum sollen es 4,5 Prozent sein, weltweit wird ein Plus von 5,4 Prozent prognostiziert.

"Die Konjunktur ist manchmal wie ein Gummiball: Je tiefer er fällt, umso stärker geht es für ihn auch wieder nach oben", sagt LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Diesen Jojo-Effekt prognostiziert er auch für Baden-Württemberg. Während die Corona-Rezession den Südwesten in diesem Jahr besonders stark trifft, werde Baden-Württemberg 2021 mit 5,3 Prozent das kräftigste Wachstum aller Bundesländer hinlegen, sagen die LBBW-Experten. Es folgen Hessen mit einem Plus von 4,5 Prozent und Bayern mit 4,4 Prozent. Schlusslichter sind Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit einem prognostizierten Wachstum des Bruttoinlandprodukts von jeweils 3,0 Prozent.

Die Menschheit habe inzwischen gelernt, mit der Corona-Pandemie umzugehen, nennt Burkert einen Grund für seinen Optimismus. "Zudem ist die Entwicklung von Corona-Impfstoffen weit gediehen", sagt er. Erst gestern hat der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca über einen Impfstoff berichtet, der zu 70 Prozent wirksam gegen Covid-19 sein soll.

Impfstoff soll rasch für Herdenimmunität sorgen

Für Burkert und sein Analysten-Team ist klar: "Eine vollständige ökonomische Erholung kann es wohl erst dann geben, wenn es gelingt, mittels Impfstoff die Pandemie zu bändigen." Im besten Fall sei es im zweiten Quartal 2021 soweit, im schlechtesten Ende 2022. Wichtig sei neben effizienten Impfstoffen deren schnelle Verfügbarkeit und eine große Akzeptanz in der Bevölkerung, um so schnell wie möglich eine Herdenimmunität zu erreichen, schreiben die Analysten.

Ein wesentlicher Treiber der Weltkonjunktur wird im kommenden Jahr einmal mehr China sein. Die LBBW sagt dem Land ein Wachstum von 7,5 Prozent voraus, insbesondere aufgrund der hohen staatlichen Investitionsnachfrage. Für die USA erwarten die Analysten 2021 dagegen nur ein moderates Wachstum von 3,6 Prozent. Der neue Präsident Joe Biden werde aber das Thema Nachhaltigkeit fördern und dafür sorgen, "dass Kapitalströme in großem Stil in Nachhaltigkeitsthemen gelenkt werden", schreibt die LBBW.

Kein Ende der niedrigen Zinsen in Sicht

Bei den Leitzinsen sehen die Experten keinerlei Anzeichen einer Abkehr von der herrschenden Niedrigzinspolitik. Daran würde selbst eine sehr gute Konjunkturerholung nichts ändern. Für Anleger heißt das, dass Aktien weiterhin die höchsten Renditen versprechen - und zwar sowohl in Europa als auch in den USA. Den Deutschen Aktienindex Dax sieht die LBBW Ende 2021 bei 14 500 Punkten (aktuell: rund 13 200 Punkte) und den Dow Jones bei 32 500 (aktuell rund 29 400) Zählern.

Auch Immobilien und Rohstoffe seien für Anleger im kommenden Jahr durchaus interessant, schreiben die LBBW-Analysten. Der Ölpreis etwa werde sich bis Ende 2021 bei der Nordseesorte Brent wieder auf 50 US-Dollar pro Fass verdreifachen. Dem Höhenflug des Goldes werde dagegen langsam die Puste ausgehen, prophezeit die Landesbank Baden-Württemberg.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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