Baden-Württemberg will Klimaprojekte in Firmen unterstützen

Heilbronn  Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) kündigt einen 30-Millionen-Euro-Fördertopf an, mit dem Klimaprojekte in Firmen gefördert werden sollen. Dazu äußert sich Jochen Weyrauch, künftig Dürr-Vorstandsvorsitzender, zur Klimaneutralität.

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Wie werden Unternehmen klimaneutral? Über dieses Thema hat sich Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Donnerstag mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und von Verbänden ausgetauscht. Sie äußert sich dazu mit Jochen Weyrauch, der ab 1. Januar 2022 neuer Vorstandsvorsitzender des Bietigheimer Maschinenbauers Dürr wird.

 

Frau Ministerin, wie können die Unternehmen in Baden-Württemberg klimaneutral werden?

Nicole Hoffmeister-Kraut: Die Gretchenfrage ist für uns, wie wir uns neben der Digitalisierung bei der Klimaneutralität aufstellen. Es gibt große Potenziale in der Weltwirtschaft für Unternehmen aus Baden-Württemberg. Wir wollen als Land Vorreiter beim Export klimafreundlicher Technologien werden. Und dies mit unserem breit aufgestellten Mittelstand, genauso wie mit unseren vielen Global Playern. Als Land wollen wir die richtigen Anreize schaffen.

 

Was genau planen Sie?

Hoffmeister-Kraut: Wir wollen im Rahmen des mit 300 Millionen Euro ausgestatteten einzelbetrieblichen Förderprogramms Invest BW den Klimaschutz in den Blick nehmen. Wir planen, daraus 30 Millionen Euro für den Klimaschutz in der baden-württembergischen Wirtschaft bereitzustellen. Die Unternehmen können Fördermittel aus dem Topf beim Land beantragen, um beim Thema Klimaneutralität voranzukommen. Wir werden mit der Förderung im Januar starten und wollen damit unsere Unternehmen auf dem großen Feld der klimaneutralen Innovationen unterstützen. Vor allem kleine und mittlere Firmen werden davon profitieren.

 

Sind im nächsten Doppelhaushalt weitere Mittel dafür vorgesehen?

Hoffmeister-Kraut: Die Mittel für Invest BW sind bereits freigegeben. Im nächsten Haushalt für 2022 habe ich mich dafür stark gemacht, dass noch zusätzliche Förderungen im Bereich klimaneutrale Wirtschaft beschlossen werden. Die Regierungsfraktionen sind dem gefolgt und ich hoffe, dass der Haus- haltsgesetzgeber dies im Dezember auch so beschließen wird. Es geht hier um einen höheren einstelligen Millionenbetrag, den wir für die wichtige Aufgabe gut brauchen können.

 

Herr Weyrauch, viele Firmen agieren global. Wie wichtig ist das Land?

Land will Klimaprojekte in Firmen unterstützen

Jochen Weyrauch: Sehr relevant. Uns treibt beispielsweise um, dass die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien standortrelevant wird. Wir benötigen hier für uns und unsere Kunden eine gute Infrastruktur. Schließlich muss die Windenergie der Nordsee auch uns im Südwesten Deutschlands zur Verfügung stehen. Hier setzen wir auf die Unterstützung des Landes.

 

Welche Klima-Ziele verfolgt Dürr?

Weyrauch: Wir bekennen uns zum 1,5-Grad-Ziel und lassen dies auch auditieren. Wir haben deutlich gemacht, dass wir investieren wollen statt kompensieren. Viele Unternehmen machen es sich über den Zertifikate-Handel zu einfach. Wir wollen unsere eigenen Emissionen bis 2030 um 70 Prozent reduzieren – ohne Kompensation.

 

Was sind die größten Herausforderungen für Firmen wie Dürr?

Weyrauch: Neben der Verfügbarkeit grüner Energien ist es für uns wichtig, die eigene Lieferkette unter Klima-Gesichtspunkten zu verbessern. Wir suchen hierzu auch das Gespräch mit unseren Kunden. Auch sie haben verstanden, dass sie in Sachen CO2-Reduktion was tun müssen.

 

Gibt es auch Belastungsgrenzen?

Weyrauch: Probleme bereitet uns die EU-Taxonomieverordnung, die festlegt, dass ausreichend Kapitalflüsse in ökologisch nachhaltige Aktivitäten gelenkt werden. Die jetzige Regelung vernachlässigt den Maschinenbau in Baden-Württemberg, der eigentlich viele klimaneutrale Produkte liefert.

Hoffmeister-Kraut: Es kann nicht sein, dass der Maschinenbau im Land beim Kapitalzugang möglicherweise benachteiligt wird, etwa nur weil die EU den Beitrag dieser Schlüsselindustrie zur Nachhaltigkeit nicht klar definiert hat.

 

Die neue Ampel-Koalition will Wirtschaft und Klimaschutz in einem Ressort zusammenlegen. Ist das gut?

Hoffmeister-Kraut: Klimaschutz und Wirtschaft sind zwei Seiten einer Medaille.

 

Zur Person 

Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Jahrgang 1972, ist seit 2016 Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin. Seitdem sitzt sie auch im Stuttgarter Landtag. Hoffmeister-Kraut ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Balingen. Jochen Weyrauch, Jahrgang 1966, ist seit 2017 Mitglied des Vorstands des Maschinenbauers Dürr in Bietigheim-Bissingen. Er übernimmt zum 1. Januar 2022 den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Weyrauch lebt mit seiner Frau in Stuttgart. 

 

Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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