Läpple-Gruppe baut bis zu 300 Stellen ab

Heilbronn  Der Heilbronner Autozulieferer reagiert mit einem Freiwilligenprogramm auf die Krise. Die Rundtischeproduktion in Weinsberg ist so stark betroffen, dass es wohl auch Kündigungen geben wird. An der grundsätzlichen Ausrichtung hält das Management fest.

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Die Nachfrage nach Rundtischen ist nicht erst seit der Corona-Krise rückläufig. Deshalb baut Läpple hier Stellen ab.

Der Autozulieferer Läpple reagiert auf die Folgen der Corona-Krise und die Probleme in der Branche. Bis zu 300 Stellen sollen in der Gruppe gestrichen werden. Das teilten Vorstandssprecher Klemens Schmiederer und der kaufmännische Vorstand Stephan Itter der Heilbronner Stimme mit. Die Mitarbeiter wurden informiert. Zwar soll der Großteil der Stellen über ein Freiwilligenprogramm abgewickelt werden. Am besonders betroffenen Fibro-Standort Weinsberg, wo Rundtische produziert werden, wird es aber wohl zu Kündigungen kommen.

Bisher gut durch die Krise gekommen

Eigentlich, sagt Schmiederer, sei die Läpple-Gruppe bisher ganz gut durch die Corona-Krise gekommen. Von existenzbedrohenden Problemen, wie sie viele Zulieferer plagen, sind die Heilbronner weit entfernt. Das Automotive-Geschäft läuft gut, nicht zuletzt dank eines großen Modulauftrags "eines süddeutschen Premiumherstellers", wie der Vorstandssprecher berichtet. Dieser Auftrag umfasse Teile sowohl für Elektro- als auch für konventionelle Fahrzeuge und werde für eine gute Auslastung sorgen.

Sorgen bereitet Läpple die einstige Ertragsperle Fibro mit den Bereichen Normalien (Maschinenelemente für den Werkzeugbau) in Haßmersheim und Rundtische in Weinsberg. "Der Werkzeugmaschinenmarkt ist überdurchschnittlich von der Krise betroffen", sagt Schmiederer. Es gebe kaum Aufträge, zugleich nehme der Wettbewerbsdruck zu. Auch bei der Automatisierungstochter Fibro Läpple Technology (FLT) in Haßmersheim spürt man die Kundenzurückhaltung. Dennoch sehen die Vorstände hier viel Potenzial. "Wir haben einige neue Aufträge in den Bereichen Elektromobilität und Batteriemontage gewonnen", sagt Itter.

Gemischtes Bild bei der Aus- und Weiterbildung

Läpple-Gruppe baut bis zu 300 Stellen ab

Ein gemischtes Bild zeigt sich in der Läpple Aus- und Weiterbildungs GmbH. Während Läpple die Zahl der eigenen Auszubildenden um zwei auf 28 junge Männer und Frauen aufgestockt hat, ist die Anzahl der externen Auszubildenden um rund die Hälfte auf 15 gesunken. Zunehmendes Interesse gibt es bei der Umschulung und Weiterbildung. Hier ist die Zahl der Teilnehmer auf 164 (Vorjahr: 150) gestiegen.

Insgesamt rechnen Schmiederer und Itter damit, dass das Vorkrisen-Niveau beim Umsatz erst 2024 wieder erreicht werden wird. Im Jahr 2019 konnte die Läpple-Gruppe die Erlöse mit 517,2 Millionen Euro fast auf dem Niveau des Vorjahres (521 Millionen Euro) halten. Für die Industriebereiche, also Fibro und Fibro Läpple Technology, gehen sie in den nächsten Jahren von Umsätzen aus, die durchschnittlich um 25 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegen werden, im Automotivebereich rechnen sie mit einem Minus von jeweils zehn Prozent. Auch mit der Ertragslage ist das Management nicht zufrieden. "In diesem Jahr wird es einen deutlichen Verlust in der Gruppe geben", sagt Itter.

Reagieren auf strukturelle Unterauslastung

Läpple-Gruppe baut bis zu 300 Stellen ab

Rundtische für unterschiedlichste Anwendungen sind die Spezialität von Fibro in Weinsberg.

Fotos: Läpple

Aufgrund der sich abzeichnenden strukturellen Unterauslastung seien Einschnitte beim Personal unvermeidbar, betonen die Läpple-Chefs. Das Instrument der Kurzarbeit, das nach wie vor unterschiedlich stark genutzt werde, reiche nicht mehr aus. Zumal auch die Zeitkonten und die Leasingkräfte bereits abgebaut wurden. Seit einigen Wochen laufen daher Gespräche mit dem Betriebsrat und der IG Metall über ein Freiwilligenprogramm, über das möglichst viele der bis zu 300 Mitarbeiter die Gruppe verlassen sollen. In Weinsberg wird dies Schmiederer zufolge aber kaum reichen. Am Standort der Rundtische-Produktion mit 270 Mitarbeitern stehen alle Teilbereiche auf dem Prüfstand. "Es wird hier zu einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen kommen müssen", kündigt er an. Bis Weihnachten möchte das Management den Stellenabbau in trockenen Tüchern haben.

Es wird weiterhin investiert

An der grundsätzlichen Ausrichtung der Läpple-Gruppe ändere sich nichts. "Wir halten Kurs", betont Itter und weist darauf hin, dass die Investitionsplanung kaum reduziert wurde. Läpple Automotive soll sich weiter vom Pressteilhersteller zum Modullieferanten entwickeln, bei Fibro und FLT stehen Internationalisierung, Automatisierung und Digitalisierung oben auf der Agenda. Zudem werde es im Bereich Rundtische eine Neuausrichtung der Produktpalette geben. "Wir müssen die Gruppe jetzt wetterfest machen", legen die Läpple-Chefs den Kurs fest.

 

Das Unternehmen

Die Läpple-Gruppe beschäftigt weltweit 2700 Mitarbeiter. Von den 517,2 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2019 entfallen 333,9 Millionen auf den größten Bereich Automotive. Fibro steuerte 135,8 Millionen Euro bei, der Automatisierungsspezialist Fibro Läpple Technology (FLT) 55,5 Millionen Euro. Die Läpple Aus- und Weiterbildung erwirtschaftete Erlöse in Höhe von 8,1 Millionen Euro.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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