Kaufland erntet leichte Bedenken beim Kartellamt

Bonn/Neckarsulm  Die Wettbewerbshüter sehen Probleme bei neun Real-Standorten, an denen die Großflächensparte der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe Interesse hat. Gespräche laufen - und eine Sprecherin findet mahnende Worte.

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Das Logo von Real soll an mindestens 92 Standorten durch jenes von Kaufland ersetzt werden.

Foto: dpa

Seit Monaten prüfen die Wettbewerbshüter des Bundeskartellamts das Vorhaben von Kaufland, bis zu 101 von etwa 250 Real-Märkten zu übernehmen. Nun haben sie die Frist für eine Entscheidung erneut verlängert - und als Begründung angeführt, dass sie bei neun Standorten "nach vorläufiger Einschätzung und eingehender Analyse eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs" sehen. Mit der Zustimmung lässt sich das Kartellamt nun bis zum 30. Dezember Zeit. Kaufland hat zusammen mit dem Verkäufer SCP der Behörde erste Zusagen und Lösungsvorschläge unterbreitet, wie die Bedenken ausgeräumt werden könnten.

Frist wurde zum zweiten Mal verlängert

Kaufland hatte die Übernahme am 11. Juni angemeldet. Die Frist im Hauptprüfverfahren lief vier Monate und war schon einmal bis 30. November verlängert worden. Die Großflächensparte der Schwarz-Gruppe hat vor allem Interesse an Standorten, wo sie mit eigenen Märkten bislang kaum vertreten ist, insbesondere im Ruhrgebiet sowie in Norddeutschland. Edeka möchte weitere 72 Real-Standorte übernehmen und hat dies bereits beim Kartellamt angemeldet. Die Frist läuft da noch bis 21. Dezember.

Edeka, Globus und weitere Interessenten

Weitere Interessenten haben sich bei der Bonner Behörde aber noch nicht gemeldet, berichtete deren Sprecher Kay Weidner. Auch die saarländische Globus-Gruppe reichte noch keine Fusionsanmeldung ein, obwohl sie nach eigenen Angaben 16 Real-Märkte übernehmen möchte. In der Branche gelten Tegut und Rewe als weitere Kaufinteressenten. Knapp 60 Standorte sollen unter dem Namen Real von SCP zunächst weiterbetrieben werden. Am Markt in Kirchheim hat demnach übrigens Edeka Interesse.

Lösungen werden gesucht

Zum Stand der Gespräche wollte sich eine SCP-Sprecherin nicht näher äußern. "Wir führen mit verschiedenen Interessenten Verhandlungen", sagte sie. "Der Stand ist schon sehr fortgeschritten und konkret." Mit wie vielen Unternehmen gesprochen werde, wollte sie nicht mitteilen. Aus Sicht des Verkäufers habe das Kartellamt jedenfalls signalisiert, dass Kaufland 92 Märkte übernehmen dürfe. Welche neun Standorte kritisch sind, wurde nicht gesagt. Die Bedenken des Kartellamts müssen ohnehin nicht heißen, dass Kaufland nun keine Chance mehr hat, auch jene neun Märkte zu bekommen. "Es ist ein formeller Schritt, dass man die vorläufige Bewertung zusammenfasst und den Vertragsparteien vorlegt", erläuterte Weidner. "Wenn es Probleme gibt, können diese auch gelöst werden."

Kaufland selbst gibt sich diplomatisch. "Wir sind an einer hohen zweistelligen Anzahl an Real-Märkten interessiert", teilte eine Sprecherin mit - es müssten also gar nicht alle 101 angemeldeten Standorte sein. "Innerhalb eines solch umfassenden Übernahmeprozesses ist dieses Schreiben ein üblicher Verfahrensschritt." Eine Mahnung fügt sie aber hinzu: "Es geht es um die weitere berufliche Zukunft sehr vieler Real-Mitarbeiter."


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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