Kaufland darf 92 Real-Standorte übernehmen

Bonn/Neckarsulm  Das Bundeskartellamt hat dem Neckarsulmer Handelsunternehmen Kaufland doch nicht die gewünschten 101 Übernahmen von Real-Märkten genehmigt. Die Begründung der Behörde ist eindeutig.

Von Heiko Fritze und dpa

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Die Bedenken bei neun Standorten konnten offensichtlich nicht ausgeräumt werden: Kaufland darf insgesamt bis zu 92 Filialen der Supermarktkette Real übernehmen. Das gab das Bundeskartellamt am Dienstag bekannt. Die Großflächensparte der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe hatte sogar die Übernahme von 101 Filialen angemeldet. Allerdings hatte die Behörde schon Mitte November mitgeteilt, dass sie in neun Fällen "nach vorläufiger Einschätzung und eingehender Analyse eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs" sieht.

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt betonte: „Wir wollen für die Verbraucherinnen und Verbraucher dort, wo sie einkaufen, genügend Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern erhalten. Deswegen erlauben wir Kaufland anstatt der 101 angemeldeten nur die Übernahme von bis zu 92 Real-Standorten.“

Lösungsvorschläge unterbreitet

Zwar hatte Kaufland zusammen mit dem Verkäufer SCP Lösungsvorschläge und Zusagen unterbreitet, um die Bedenken auszuräumen. Allerdings hat es wohl doch nicht gereicht, obwohl die Prüffrist bis 30. Dezember verlängert worden war. Eine Liste der zugesagten 92 Standorte wollte Kaufland am Dienstag nicht herausgeben.

"Wir werden die Standorte sukzessive übernehmen und jeweils vorab informieren", erklärte eine Sprecherin. "Dies ist eine gute und wichtige Entscheidung für die Mitarbeiter, Kunden und Märkte", sagte Ralf Imhof, Vorsitzender der Geschäftsleitung Kaufland Deutschland. "Wir bieten den Real-Mitarbeitern eine neue berufliche Perspektive." In den kommenden Monaten würden die Märkte integriert und als regionale Nahversorger erhalten.

Globus darf 26 Märkte übernehmen

Gleichzeitig hat das Kartellamt die Übernahme von 26 Real-Standorten durch die saarländische Globus-Gruppe freigegeben. Für 72 Standorte, die Edeka kaufen möchte, wurde die Prüffrist bis 22. Februar verlängert. "Wir wollen genügend Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern erhalten", begründete Kartellamts-Präsident Andreas Mundt, warum Kaufland nur 92 Standorte erhält. "In den betroffenen regionalen Märkten wären sonst die Ausweichmöglichkeiten und der Wettbewerb zu stark beeinträchtigt worden."

Für Kaufland ist es die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte. Das Unternehmen betreibt bisher bundesweit 670 SB-Warenhäuser und gehört wie Lidl zur Schwarz-Gruppe, dem größten Lebensmitteleinzelhändler Europas. 

Auch Edeka hat Interesse angemeldet

Der russische Real-Eigentümer SCP hatte die angeschlagene SB-Warenhauskette mit ihren rund 270 Märkten von der Metro im Frühjahr erworben, um sie zu zerschlagen und weiterzuverkaufen. Neben Kaufland und Globus hat auch Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka beim Bundeskartellamt die Übernahme von bis zu 72 Real-Filialen angemeldet. Doch steht hier die Entscheidung der Wettbewerbshüter noch aus. Die Frist für eine Entscheidung wurde erst kürzlich bis zum 22. Februar kommenden Jahres verlängert.

In Deutschland entfallen mehr als 85 Prozent der Umsätze im Lebensmittelhandel auf die vier führenden Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe. Deswegen ist das Bundeskartellamt bei Übernahmen in diesem Bereich besonders wachsam.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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