Intersport kommt mit einem blauem Auge durch das Corona-Jahr 2020

Heilbronn  Heilbronner Sportfachhandelsverbund verbucht im Geschäftsjahr 2019/20 ein Umsatzminus von acht Prozent. Das gute Sommergeschäft verhindert einen Absturz. Vorstand will das digitale Geschäft weiter ausbauen und hofft auf die baldige Wiederöffnung der Geschäfte.

Email

Die Zentrale von Intersport in den Böllinger Höfen in Heilbronn. Foto: Intersport

Das Corona-Jahr 2020 hat dem Sportfachhandelsverbund Intersport zwar Umsatzeinbußen beschert. Dank eines guten Sommergeschäfts kamen die Händler jedoch mit einem blauen Auge davon. Wie die Heilbronner Intersport-Zentrale auf Stimme-Anfrage mitteilte, schloss die Genossenschaft das Geschäftsjahr 2019/20 (30. September) mit einem Umsatzminus von acht Prozent ab. Im Fünf-Länder-Verbund mit Deutschland, Österreich und den mittel-osteuropäischen Ländern Ungarn, Tschechien und der Slowakei konnte erneut die Umsatzmarke von drei Milliarden Euro überschritten werden.

Deutschland hat 80 Prozent Umsatzanteil

Auch in Deutschland, dem mit rund 1000 Händlern und einem Umsatzanteil von 80 Prozent mit Abstand wichtigsten Markt, verbucht Intersport ein Umsatzminus von acht Prozent auf 2,68 Milliarden Euro. Österreich steuert 17 Prozent zum Umsatz bei, die mittel-osteuropäischen Länder drei Prozent. Zum Gewinn sagt die Gruppe nichts.

Für Intersport-Vorstandschef Alexander von Preen spiegelt sich der Einfluss des Lockdowns und der Lockerungen im Sommer in den einzelnen Produktsegmenten der Händler wider. "Während sich Einzelsportarten verstärkter Beliebtheit erfreuen, können Team-Sportarten im Lockdown nicht ausgeübt werden", heißt es bei Intersport. So verzeichneten die Händler in den Kategorien Running (plus vier Prozent), Funwheel, also Tretroller, Skateboards oder Inline-Skates (plus 18 Prozent) und Bike (plus 48 Prozent) teils kräftige Zuwächse. Auf der anderen Seite brachen die Bereiche Training (minus neun Prozent) und Team Sports (minus 17 Prozent) deutlich ein. Zudem habe der milde Winter 2020 das für Intersport so wichtige Wintersportgeschäft stark beeinträchtigt.

Händlerplattform findet starken Zulauf

Alexander von Preen hebt die enorme Bedeutung hervor, die die digitalen Kanäle im Corona-Jahr für die Genossenschaft gespielt hätten. "Im Lockdown hat sich unsere Händlerplattform einmal mehr als Vorteil und wichtiger Kontaktpunkt zu unseren Kunden bewährt. Sie ist nunmehr auf 300 Händler mit über 450 Filialen gewachsen und damit digitaler Dreh- und Angelpunkt unserer Omnichannel-Strategie" sagt der Intersport-Chef.

Bewährt habe sich im Corona-Jahr auch die erstmalige Ausrichtung virtueller Ordermessen, um die Händler weiterhin mit Ware versorgen zu können. Als Meilenstein wertet von Preen zudem den Start des neuen Logistikzentrums in Heilbronn. "Damit werden Logistik-Prozesse schneller und effizienter."

Marke stärken, Vertriebskanäle ausbauen und vernetzen

Für das laufende Jahr hofft Intersport auf die baldige Wiedereröffnung der Geschäfte. Außerdem steht die Stärkung der Marke Intersport sowie der weitere Ausbau und die Vernetzung der unterschiedlichen Vertriebskanäle im Verbund im Mittelpunkt der Strategie. Von Preen geht davon aus, dass Gesundheit und Sport nicht zuletzt aufgrund der Lockdown-Erfahrungen in der Bevölkerung künftig einen deutlich höheren Stellenwert haben werden. "Wir setzen deshalb langfristig auf mehr Sport in unserem Alltag. Das wird das ,New Normal" sein", sagt der Vorstandschef. Intersport sei hier als Marke und Händlerverbund bestens positioniert.

Offener Brief an Merkel

n einer bisher einzigartigen Kooperation haben sich die Sportfachhandelsverbünde Intersport und Sport 2000 sowie der französische Discounter Decathlon am 15. Januar mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Darin fordern die Branchenschwergewichte eine Gleichbehandlung ihrer Geschäfte mit anderen, auch im Lockdown geöffneten Geschäften. Da es um Gesundheit gehe, solle den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich sportlich zu betätigen, heißt es in dem Brief.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

Kommentar hinzufügen