Handwerkspräsident Bopp kritisiert die Politik

Heilbronn  Die Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken stand im Zeichen von Corona, Wohnungsbau, steigenden Preisen und Klimapolitik.

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In ihrer jüngsten Herbstsitzung kam die Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken erneut nicht um das Thema Corona herum. Wegen der angespannten Lage traf sich das oberste Gremium der Kammer in einer hybriden Sitzung: Etwa die Hälfte der Mitglieder war vor Ort im Meistersaal, während die anderen per Videokonferenz zugeschaltet waren.

Bopp fordert mutige Entscheidungen

Präsident Ulrich Bopp zeigte sich in seinem Bericht besorgt angesichts der aktuellen Lage. "Die Situation in den Krankenhäusern schockiert, weil sie jeden treffen kann. Wer mit einem Herzinfarkt oder als Unfallopfer eingeliefert wird, legt sein Leben in die Hand der verantwortlichen Ärzte, denen jedoch bald die Hände gebunden sein könnten, weil nicht genügend Intensivbetten zur Verfügung stehen," so Bopp. Er appellierte deshalb an die Politik schnell mutige Entscheidungen zu treffen. Er forderte dabei eine Erhöhung der Impfquote, einen Lockdown für Ungeimpfte, regelmäßige Tests (2G plus) sowie mehr Kontrolle, dass Maßnahmen auch eingehalten werden.

Steigende Preise, lange Wartezeiten

Kritik übte Präsident Bopp an der Wohnbaupolitik. Die vielen Auflagen, wie etwa die Photovoltaikpflicht für Neubauten, brächten dem Handwerk zwar Aufträge, würden aber auch die Baukosten immer weiter in die Höhe treiben. "Das kann sich dann kein normaler Häuslebauer mehr leisten", fürchtet Bopp. Dazu kämen Lieferprobleme und steigende Materialpreise sowie überlastete Bauämter, die mit den Genehmigungen nicht nachkommen. Das verzögere und verteuere derzeit viele Projekte. "Es kann doch nicht sein, dass Baubetriebe trotz starker Auslastung aufgrund fehlender Baugenehmigungen Kurzarbeit anmelden müssen", kritisierte der Präsident.

Falscher Weg

Das gelte auch für die Klimapolitik. Das geplante Aus für Verbrennungsmotoren sowie die CO2-Bepreisung hält der Maurermeister für den falschen Weg. "Alles wird dadurch teurer, aber was ändert sich? Die kleinen Handwerksbetriebe und die Endverbraucher zahlen dafür am Ende die Zeche." Auch Arbeitnehmer-Vizepräsident Markus May bereiten die steigenden Preise Sorgen. "Die Kostensteigerungen belasten gerade die unteren Einkommen drastisch", so May. Die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro hält er deshalb für notwendig. "Alles darunter bedeutet Armut."

Seit Jahren sinkt die Anzahl an Lehrverträgen

Auch für die Sicherung von Fachkräften seien faire Löhne schließlich essentiell. Und die werden im Handwerk gebraucht. Denn, so Präsident Bopp, in den letzten zehn Jahren habe es einen stetigen Rückgang an Lehrverträgen um gut 15 Prozent gegeben. "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir trotz der Pandemie mit aktuell 1.662 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen nur ein kleines Minus von -0,6 Prozent haben", betonte er.

Ehrungen für vier Mitglieder

Den Abschluss bildete die Ehrung von vier Mitgliedern der Vollversammlung für ihr langjähriges Engagement im Handwerk. Die silberne Ehrennadel der Handwerkskammer Heilbronn-Franken erhielten: Maschinenbaumechanikermeister Kurt Georg Schreiber aus Mainhardt; Industriekaufmann Markus May aus Wertheim; Bäckermeister Bernhard Kuhn aus Neckarsulm; Elektroinstallateurmeister Arno Feuchter aus Öhringen.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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