Handwerk kritisiert Ungerechtigkeit bei Staatshilfen

Region  Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken prangert Ungerechtigkeiten an, die aus ihrer Sicht bei den staatlichen Finanzhilfen in der Corona-Krise entstanden sind. Viele kleine Betriebe müssen Soforthilfe zurückzahlen, während Großkonzerne verschont werden.

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 "Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass Großkonzerne, die Subventionen in Milliardenhöhe erhalten, jetzt Rekordgewinne erzielen, Boni auszahlen und Dividenden ausschütten können, aber keinen Cent an den Staat zurückzahlen müssen", sagt Kammerpräsident Ulrich Bopp. Das möge zwar legitim sein, "aber ist das moralisch gegenüber Klein- und Kleinstbetrieben noch vertretbar?", fragt er.

Friseurmeisterin muss 9000 Euro zurückzahlen

Die Kammer berichtet exemplarisch vom Fall der Friseurmeisterin Manuela Martin-Dambach aus Forchtenberg. Sie muss die 9000 Euro Soforthilfe des Landes aus dem Jahr 2020 komplett zurückzahlen. "Nicht mal die Fixkosten oder den Unternehmerlohn kann ich anrechnen", ärgert sich die 39-Jährige. Die sechs Wochen, die ihr Salon im Frühjahr 2020 geschlossen war, finanziert sie damit aus eigener Tasche. Weil die Kundennachfrage nach der Wiedereröffnung sehr groß war, hatte sie wie viele andere Handwerker den Liquiditätsengpass wieder ausgeglichen, der sie als Empfängerin der Soforthilfe berechtigte.

Wer mehr gearbeitet hat, wird bestraft

Die Rückzahlungen seien zwar berechtigt, fühlten sich aber für viele Handwerker ungerecht an, sagt Monika Dietrich, Leiterin der Abteilung Unternehmensberatung bei der Kammer. "Denn wer mehr gearbeitet hat, um die Verluste des Lockdowns zu kompensieren, wird dafür nicht belohnt, sondern verliert die Unterstützung", kritisiert sie. Präsident Bopp fordert die Politik zum Handeln auf.

"Von kleinen Friseurbetrieben werden Hilfen zurückgefordert, wenn sie trotz Schließung wieder Gewinn gemacht haben - meist nur dank Mehrarbeit und großem Einsatz, auch von Eigenkapital, um an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festzuhalten", so Bopp. "Es kann nicht sein, dass die kleinen und mittleren Betriebe am Ende unverschuldet die Verlierer dieser Krise sind."

 


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Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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