Handel im Land bangt um das Weihnachtsgeschäft

Stuttgart/Heilbronn  Eine Studie der DHBW Stuttgart belegt: Die Kunden sind in diesem Jahr kauffreudig und wollen die eigenen Innenstädte unterstützen. Doch sie sind auch verunsichert.

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Eigentlich sind die Aussichten für das diesjährige Weihnachtsgeschäft gut. Die Menschen wollen in diesem Jahr im Schnitt 378 Euro für Präsente ausgeben, so viel wie 2019, ergab eine Analyse der DHBW Stuttgart. "Die Verbraucher wollen sich durch Corona nicht eindämmen lassen", sagt Studienleiter Professor Andreas Kaapke. Doch das besorgt offenbar die neue Verordnung der Landesregierung. "Wir sind unglücklich über die neue Rechtslage", erklärt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg.

Umsätze liegen immer noch unter dem langjährigen Schnitt

Ohnehin liefen die Geschäfte für die Einzelhändler im Land dieses Jahr nicht gut. "Insgesamt verzeichnen wir ein erhebliches zweistelliges Umsatzminus - trotz gewisser Nachholeffekte", berichtet Hagmann. Nun gebe es wieder erhebliche Einschränkungen im Weihnachtsgeschäft, durch 3G, 2G und abgesagte Weihnachtsmärkte. "Unsere Händler stehen mit dem Rücken zur Wand und fragen sich, ob sie diese Zeit überleben können."

In Landkreisen, in denen im Handel bereits 2G gilt, seien Umsatzverluste von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen, sagte sie. Ihr Appell: Die Landesregierung müsse überprüfen, ob diese Regeln noch verhältnismäßig sind. "Ein Lockdown für den Einzelhandel darf nicht passieren. Das würde auch der Kunde nicht verstehen, der sich extra hat impfen lassen."

Kunden wollen, dass ihre Innenstadt vital bleibt

Dabei sind die Bürger bereit, den Handel vor Ort zu unterstützen, wie die Studie unter der Leitung von Andreas Kaapke ergab: Sie wollen dieses Jahr ihre Weihnachtsgeschenke noch mehr als im Vorjahr in der Innenstadt ihres Wohnorts einkaufen, während der Trend zum Onlinehandel nur noch schwach zulegte. "Das ist ein ganz klares Statement", meint der Professor. "Die Leute haben ein Interesse daran, dass ihre Innenstadt vital bleibt." Verlierer seien dabei die Innenstädte im Umland. "Wer nicht auf den Weihnachtsmarkt kann, geht dort auch nicht in den Handel", sagt er.

Absage der Weihnachtsmärkte belastet

Das spürt Thomas Breuninger am eigenen Leib. Sein Unternehmen Tritschler betreibt drei Geschäfte für Haushaltswaren, neben Esslingen und Stuttgart auch in Heilbronn. "Die Absage der Weihnachtsmärkte trifft uns hart", sagt er. "Es fehlen Touristen und die Menschen aus dem Umland." 30 Prozent des Jahresumsatzes mache er zum Weihnachtsgeschäft, davon zehn Prozent in den letzten beiden Wochen vor dem Fest. "Eine Schließung der Geschäfte wäre eine totale Katastrophe", warnt er.

Unterschiedliche Regelungen je nach Land und Kreis

"Wir haben es wieder hingekriegt, dass überall etwas anderes gilt", ärgert sich Daniel Kirberg, der Elektromärkte im südlichen Baden-Württemberg und in Bayern betreibt. Von Bundesland zu Bundesland, sogar von Landkreis zu Landkreis gelte etwas anderes. "Die Leute sind verunsichert. Selbst das Ordnungsamt weiß nicht mehr, welche Regeln gelten", so seine Erfahrung. "Dabei wollen die Kunden einkaufen. Man muss sie nur lassen."

Und Alexander Kögel, Inhaber eines Modegeschäfts in Esslingen, ergänzt: "Mir gehen die Argumente aus, wie ich die Köpfe meiner Mitarbeiter noch aufrichten soll." Schon die 3G-Regel im Handel habe zu einem Umsatzrückgang von zehn Prozent geführt, erzählt er. 2G ließ sie gleich um 30 Prozent einbrechen. Sein Fazit: "Das ist eine Art Lockdown auf Raten."

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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