Halbleitermangel stoppt abermals Audi-Produktion

Neckarsulm/Ingolstadt  Ende Mai müssen Tausende Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm in Kurzarbeit. Wie es im Juni weitergeht, ist noch nicht klar.

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Auch in den Böllinger Höfen, wo R8 und E-Tron GT (Foto) produziert werden, muss die Produktion einige Tage ruhen. Foto: Audi

Der Halbleitermangel bremst weiterhin die Produktion der Autohersteller aus. Auch bei Audi bleibt die Teileversorgung nach wie vor kritisch. Der Autobauer unterbricht deshalb die Produktion am Standort Ingolstadt ab Ende dieser Woche. In der letzten Maiwoche kommt es auch am Standort Neckarsulm zu Produktionsunterbrechungen.

Sogar in den Böllinger Höfen geht nichts mehr

In Ingolstadt stoppt die erste Fertigungslinie ab der Spätschicht vom 20. Mai. An der Fertigungslinie 2 (A3/A4/A5) ruht die Produktion ab der Dauernachtschicht vom 20. Mai.

 

In Neckarsulm kommt es in der letzten Mai-Woche Produktionsunterbrechungen. Aufgrund der fehlenden Halbleiter-Teile findet bei den Modellen A4 Limousine und A5 Cabriolet ab dem 25. Mai keine Produktion statt. Aus demselben Grund wird beim Audi A8 vom 27. Mai an nicht produziert. In all diesen Bereichen ist der Wiederanlauf nach derzeitigem Stand für den 1. Juni vorgesehen.

In den Böllinger Höfen, wo R8 und E-Tron GT produziert werden, ruht die Produktion vom 25. bis einschließlich 28. Mai.

Kurzarbeit wurde bereits im April für den Mai angemeldet

Die von den Arbeitsausfällen betroffenen Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit. Wie es weitergeht und ob weitere Bereiche betroffen sein könnten, ist noch nicht geklärt.

Zuletzt waren bei Mercedes in Bremen die Bänder wegen des Halbleitermangels stillgestanden. Vor einigen Wochen war BMW betroffen.

 

 

Kommentar: Es wird nur einiges zurechtgerüttelt

Der Halbleitermangel sorgt wieder für Produktionsstopps – auch bei Audi. Nicht ganz so schlimm, findet unser Redakteur Christian Gleichauf.

Weltweit werden in diesem Jahr rund 3,9 Millionen Fahrzeuge weniger produziert als geplant, schätzt die Beratungsfirma Alix Partners. Der Schaden liege bei um die 100 Milliarden Dollar. Doch große Verlierer gibt es zumindest in Deutschland durch den Halbleitermangel nicht. Denn dass die Menschen sogar im Lockdown weiterhin Autos kauften, ist erst einmal positiv. Auch die betroffenen Mitarbeiter haben es vergleichsweise gut. Für die Tage, die sie zu Hause bleiben müssen, bekommen sie aufgestocktes Kurzarbeitergeld. Dadurch sind auch die finanziellen Auswirkungen für die deutschen Autobauer recht gering. Sie müssen sich allenfalls die Frage gefallen lassen, warum sie angesichts von Milliardengewinnen öffentliche Hilfe in Anspruch nehmen. Aber so ist das. Kurzarbeit ist – zu Recht – auch in profitablen Betrieben erlaubt. 

Während die Rohstoffknappheit in anderen Bereichen noch ernsthafte Probleme machen könnte, zeigt die Halbleiterkrise nur, dass die Pandemie weltweit enorme Verschiebungen verursacht. Da überrascht es nicht, dass angesichts von beschleunigter Digitalisierung Engpässe entstehen. Beachtlich ist vielmehr, dass diese Engpässe bald schon überwunden sein sollen. Die wirtschaftlichen Mechanismen funktionieren – es muss sich eben vieles nur wieder zurechtrütteln. 


Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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