Förch bleibt trotz Corona-Krise zuversichtlich

Neuenstadt  Der Handwerksausrüster aus Neuenstadt rechnet trotz der Corona-Krise mit einem leichten Umsatzplus. Bereits das erste Halbjahr lief besser als befürchtet. Nun werden neue Branchen erschlossen.

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Im Logistikzentrum in Neuenstadt ist bereits viel automatisiert - und diese Entwicklung soll weitergehen. Fotos: Förch

Der Handwerksausrüster Förch hat die größten Einbußen durch die Corona-Krise wieder aufgeholt: Momentan bewegt sich der Umsatz wieder auf Vorjahresniveau, teilt das Unternehmen mit. Trotz der Einschränkungen in ganz Europa lag der Umsatz nach den ersten sechs Monaten bei 305 Millionen Euro und damit nur 0,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Für das Gesamtjahr erwartet die Konzernleitung nun einen Umsatz von 481 Millionen Euro, was einem Wachstum von 1,5 Prozent entsprechen würde.

Bald wieder auf gewohntem Niveau

"Der April war ein schwieriger Monat in Deutschland, aber dann war es bald wieder auf gewohntem Niveau", berichtet Konzerngeschäftsführer Gerhard Heilemann. In vielen Ländern seien zwar fast alle Firmen geschlossen worden. "Aber wir haben sehr kreative Geschäftsführer vor Ort, die auf die Versorgung der Kunden mit Hygieneartikeln umstellten. Das hat die Auslandsgesellschaften über diese Monate gerettet." Die härtesten Einbußen habe Förch in Frankreich erlitten, während die Geschäfte in Österreich und Italien trotz aller Beschränkungen recht gut liefen.

Kein Personalabbau

Dank Kurzarbeit habe es keinen Personalabbau gegeben, ist die Geschäftsleitung stolz. Die Belegschaft sank lediglich über die übliche Fluktuation leicht um 70 auf 3300 Beschäftigte. Eigentlich sollte dieses Jahr der Außendienst aufgestockt werden - aber neue Mitarbeiter täten sich bei den momentanen Besuchsbeschränkungen einfach schwer am Markt, sagt Heilemann. Daher warte man damit noch ab.

Hohe Nachfrage nach Schutzausrüstung

"Persönliche Schutzausrüstung wie Masken und Handschuhe gehört ohnehin zu unserem Portfolio", erklärt Konzerngeschäftsführer Holger Thrun. Die Kunst sei nach dem Lockdown vor allem gewesen, die benötigten Artikel überhaupt zu beschaffen. Die Nachfrage sei in diesem Bereich auch jetzt noch hoch. Nach dem Ende des Lockdowns seien die Geschäfte wieder gut gestartet, berichtet Wolfgang Förch, Vorsitzender des Beirats. "Das Bauhandwerk hat nach wie vor gut zu tun." Auf die Baubranche entfallen etwa zwei Drittel des Förch-Umsatzes in Deutschland, auf die Sparte Kfz der überwiegende Rest.

Während die Autowerkstätten keine besonderen Steigerungen verzeichneten, gebe es am Bau derzeit ein Umsatzplus von acht Prozent für Förch. "Die Aussichten für dieses Jahr sind nicht schlecht", ergänzt Heilemann. Nun schafft sich das Unternehmen ein drittes Standbein: Künftig wendet es sich auch der Matallbranche und dem Metallhandwerk zu. Zum neuen Sortiment zählen auch Artikel für Lastwagen und Baumaschinen.

Starkes Plus im Onlineshop

An den Niederlassungen wird festgehalten - auch wenn sie im Frühjahr wie alle anderen Geschäfte auch geschlossen waren. Schließlich sei dort der Umsatz trotz allem um 15 Prozent gewachsen. Noch stärker war das Plus im Onlineshop - alleine im April betrug es 42 Prozent, für das Gesamtjahr dürfte es bei 35 Prozent liegen. Der Umsatzanteil des Onlinegeschäfts beträgt inzwischen 16 Prozent.

"Wir machen das Geschäft so weiter, wie es vor Corona war", gibt Heilemann vor. Geplant wurde zwar ursprünglich mit einem Umsatzplus von sieben Prozent, nun werden eben 1,5 Prozent erwartet. "Voraussetzung ist natürlich, dass bei Corona nichts Gravierendes mehr passiert." Förch erziele traditionell seinen Hauptumsatz im Frühjahr und Herbst, wenn auch die Bauunternehmen am meisten zu tun haben. "Die Erwartungen für diesen Herbst sind hoch", erklärt Heilemann.

Die Hausmesse kommt zum Kunden

Neue Wege muss das Unternehmen aber bei seiner Hausmesse gehen. Statt eines Treffens mit den Kunden in Neuenstadt gibt es nun einen Anhänger als mobile Hausmesse, der auf 35 Quadratmeter ausklappbar ist: Diesen Monat ist er unterwegs und stellt vor Ort die Neuheiten des Katalogs vor.

Für das anhaltende Wachstum gibt es nun auch bald mehr Platz: Zum Jahresende wird der Neubau in Neuenstadt bezogen.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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