Ein Meilenstein für Recaro

Schwäbisch Hall  Der Flugzeugsitzehersteller weiht seinen Erweiterungsbau am Stammsitz Schwäbisch Hall ein. Das Highlights des 50-Millionen-Euro-Projekts sind eine Crash-Anlage und ein Brandlabor.

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Diese Heckflosse stammt von einer Boeing 707, die einst für die Lufthansa unterwegs war. Sie soll das Symbol für den Luftfahrtstandort Schwäbisch Hall sein, den Recaro betreibt. Die Flaggen stehen für die Auslandsgesellschaften.

Foto: Recaro

Freude, Erleichterung und Zuversicht bestimmen am Montagnachmittag das Bild bei Recaro. Rund 160 regionale und internationale Gäste sind nach Schwäbisch Hall gekommen, um mit dem Flugsitzehersteller die Einweihung des neuen Erweiterungsbaus zu feiern. Freude, weil die 50-Millionen-Investition ein eindrucksvolles Bekenntnis des Unternehmens für den Standort Schwäbisch Hall ist. Erleichterung darüber, dass dieses gewaltige Projekt trotz der tiefen Krise, in die Corona die Luftfahrtbranche gestürzt hat, nie zur Debatte stand. Und Zuversicht, weil die Zeichen in der gebeutelten Branche wieder auf Wachstum stehen.

Platz zum Wachsen

"Das ist ein historischer Invest für uns", sagt Mark Hiller, geschäfts- führender Gesellschafter von Recaro Aircraft Seating. Unter dem programmatischen Namen Space2Grow (Platz zum Wachsen) hatte er das Projekt vorangetrieben, als von der Pandemie noch keine Rede war. Fünf Jahre Planung und zwei Jahre Bauzeit hat der Bau in Anspruch genommen, der weit mehr als nur eine Erweiterung ist.

Auf einer Fläche von rund 19 000 Quadratmetern sind gegenüber der Recaro-Zentrale in der Daimlerstraße ein Produktionsbereich für den Kundendienst, Büros für bis zu 140 Mitarbeiter, ein Brandlabor und eine Crashanlage entstanden. "Der neue Gebäudekomplex wird ein entscheidender Fortschritt sein, vor allem das neue Flammenlabor und die Crashtestanlage", ist Hiller überzeugt. In der Crashanlage wird geprüft, wie sich die Recaro-Sitze bei Unfällen verhalten. Der Geschäftsführer spricht von der "Folterkammer für unsere Sitze" - stets natürlich mit dem Ziel, die Sicherheit zu verbessern.

Gesellschafter haben nie an dem Projekt gezweifelt

Ein Meilenstein für Recaro

Im Crashlabor werden die Recaro-Sitze auf Herz und Nieren geprüft. Pro Sitz werden fünf bis acht verschiedene Tests durchgeführt.

Foto: Jürgen Paul

Ausdrücklich bedankt sich Hiller bei Martin Putsch, geschäftsführender Gesellschafter der Recaro-Gruppe, für das Festhalten an dem Großprojekt in Krisenzeiten. Und er vergisst auch die Mitarbeiter nicht, "die in den vergangenen 18 Monaten eine beispiellose Ausdauer bewiesen haben". Als Dank wurden die Namen aller rund 2100 Recaro-Mitarbeiter weltweit in einem riesigen R an einer Wand im neuen Gebäude verewigt. Hiller erinnert an die Ende vergangenen Jahres erzielte Einigung mit den Arbeitnehmervertretern, die die Beschäftigung am Standort mit rund 1150 Mitarbeitern bis Mitte 2023 sichert. Angesichts der sich allmählich erholenden Branchenkonjunktur geht er davon aus, dass auch Recaro bald wieder zu alter Stärke zurückfindet. "Wir wollen stärker sein nach der Krise", sagt Hiller.

Martin Putsch spricht in seiner Rede davon, dass die Luftfahrtbranche eine Zukunftsindustrie sei und man in Dekaden denke. Daher brauche Recaro diesen Neubau, um seine Ziele zu erreichen. "Wir haben keine Minute daran gezweifelt", sagt der Recaro-Chef über den "riesigen Meilenstein".

Der Oberbürgermeister lobt den wichtigen Arbeitgeber

Der scheidende Schwäbisch Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim erinnert an die Anfänge von Recaro in der Stadt, in der mittlerweile seit 50 Jahren Flugzeugsitze hergestellt werden. Pelgrim hatte sich stets für die Wünsche des Unternehmens offen gezeigt und hatte einen wichtigen Anteil daran, dass Recaro heute "einer der größten und innovativsten Arbeitgeber der Stadt" ist.

"Recaro ist ein Hidden Champion in unserer Branche", sagt Volker Thum, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Das Unternehmen sei ein wichtiger technologischer Treiber und setze mit dem Neubau ein Zeichen für die Zukunft. "Das ist ein wichtiges Signal für die ganze Branche", findet Thum. Das Vorkrisenniveau werde wohl nicht vor 2024 erreicht, blickt er voraus.

Eine Heckflosse als Signal für Aufbruch und Orientierung

Ein sichtbares Signal für die Aufbruchstimmung bei Recaro schmückt den Platz vor dem Neubau: eine gewaltige Heckflosse einer Boeing 707. Das Leitwerk, das einst einer Lufthansa-Maschine Orientierung gab, soll nun ein Symbol dafür sein, dass Recaro auf dem richtigen Kurs ist.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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