Ein Brand entpuppt sich als Glücksfall

Heilbronn  Der Heilbronner Kunststoffspezialist Vakuum-Technik Templin will nach Rückschlägen mit neuer Maschine durchstarten. Die Kunden kommen vor allem aus der Auto- und Maschinenbaubranche. Verkleidungen für Erlkönige sind das wichtigste Produkt.

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Firmeninhaber Sascha Templin an seiner neuen Tiefziehmaschine. Hinten entnimmt ein Mitarbeiter gerade ein Hartschalentarnungsteil für Erlkönige.

Foto: Jürgen Paul

Erst die Auftragseinbrüche in Folge der Corona-Pandemie, dann noch ein zerstörerischer Brand in der Produktionshalle gegen Jahresende - Sascha Templin war Ende 2020 wahrlich bedient. Und doch blickt der Inhaber des Heilbronner Kunststoffspezialisten Vakuum-Technik Templin zuversichtlich in die Zukunft.

Moderne Tiefziehmaschine

Denn letztlich stellte sich der Brand aufgrund eines technischen Defekts am Freitag, 13. November 2020, als Glücksfall für den Unternehmer heraus. Die Reparaturkosten der beschädigten 15 Jahre alten Tiefziehmaschine wären so hoch gewesen, dass auch nach Ansicht der Versicherung die Anschaffung einer neuen Maschine die sinnvollere Alternative war.

Seit vergangener Woche läuft in Templins Produktionshalle in Böckingen nun eine vollmotorische Tiefziehmaschine, die deutlich energieeffizienter und 20 Prozent schneller arbeitet als die alte. Eine Turbinenkühlung sorgt zudem dafür, dass die Kunststoffteile gut 30 Prozent schneller abkühlen. Mit der rund 470.000 Euro teuren Anlage hat Templin seinen Maschinenpark aus vier Tiefziehmaschinen und drei Fräsmaschinen auf den neuesten Stand gebracht.

Namhaften Kunden

"Jetzt können wir wieder durchstarten", sagt der Unternehmer, der die 1960 gegründete Firma im April 2018 von seinem Vater übernommen hat. Mit sechs Vollzeit- und sieben Teilzeitkräften sowie einem Auszubildenden fertigt Vakuum-Technik Kunststoffteile für alle Bereiche der Industrie. Zu den Kunden zählen Maschinenbauer wie Heidelberg, Agrarunternehmen wie John Deere und Agria sowie Autobauer wie Audi, Daimler, Opel oder VW.

"Unser wichtigstes Produkt sind Hartschalentarnungen für Erlkönige", sagt Sascha Templin. Mit den Tarnungen für Prototypen eines einzigen Autobauers erwirtschaftet sein Unternehmen rund 45 Prozent des Umsatzes. Aber auch Transportpaletten aus Kunststoff, Schwimmbadteile, Baugruppen und Schutzabdeckungen gehören zum Portfolio von Vakuum-Technik. Zudem hat Templin eine eigene Näherei, in der zum Beispiel Schutzhüllen für Autoteile oder Kabelschutze aus Leder für Roboter genäht werden.

Vielsprechende Aufträge

Die Nachfrage der Kunden zieht nach dem Einbruch 2020 allmählich wieder an, "wir haben einige aussichtsreiche Angebote", freut sich Templin. Bei einigen Projekten arbeitet er mit dem Konkurrenten Bauer Thermoforming aus Talheim zusammen. "Wir unterstützen das Unternehmen, um bestimmte Aufträge schneller abarbeiten zu können", berichtet der Geschäftsführer.

Für das laufende Jahr, in dem die Folgen des Brandes und der Pandemie noch zu spüren sein werden, geht Templin von einem Umsatz auf dem Vorjahresniveau von rund 1,7 Millionen Euro aus. Danach soll die Kurve wieder nach oben zeigen.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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