Die Wirtschaft in der Region schöpft wieder Hoffnung

Heilbronn  Eine Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken zeigt: Die Stimmung hat sich im dritten Quartal deutlich aufgehellt. In der Hotel- und Gaststättenbranche bleiben die Aussichten aber schlecht.

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Die Gastronomen meldeten im dritten Quartal erneut die stärksten Umsatzeinbrüche. Sie erwarten auch keine Besserung.

Foto: Ralf Seidel

Die Lage ist zwar weiter für viele Betriebe ernst. Und doch hat das dritte Quartal eine Trendwende gebracht: Die Stimmung in den Unternehmen der IHK Heilbronn-Franken hat sich wieder ins Positive gekehrt - so sehr, dass der Indikator schon wieder im Bereich "Aufschwung" liegt. Das berichtete die IHK Heilbronn-Franken auf der Basis ihrer vierteljährlichen Konjunkturumfrage.

Lichtblick mit Corona-Vorbehalt

"Es ist ein Lichtblick", meinte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Helmut Kessler, der die Ergebnisse für die erkrankte Hauptgeschäftsführerin Elke Döring präsentierte. "Wir können aber nur hoffen, dass es so bleibt. Bei Corona kann sich innerhalb weniger Tage allerhand tun." Die Umfrage fand schließlich im September statt - da waren die Fallzahlen noch niedrig und Warnstufe Rot in Baden-Württemberg in weiter Ferne.

Die Antworten der 419 Teilnehmer lesen sich jedenfalls besser als erwartet. "So wie es aussieht, wurde diese Krise nicht schlechter bewältigt als die Finanzkrise 2009", meinte Kessler. In den Grafiken der einzelnen Branchen zeichnet sich das von vielen erhoffte V ab - ein jäher Einbruch der Lage mit ebenso rascher Erholung auf das vorherige Niveau.

Dienstleister leiden weiterhin

Eine Ausnahme macht das Hotel- und Gaststättengewerbe. Die Lage bleibt schlecht, die Geschäftserwartungen haben sich sogar nochmals verschlechtert, ergab die Umfrage. Auch die Dienstleistungsbranche leidet noch stark. "Viel wird davon abhängen, wie die Entwicklung in der Industrie laufen wird", sagte Kessler. Denn viele Unternehmen hängen von Aufträgen aus dem produzierenden Gewerbe ab. Und dort wird weiter gespart.

Insgesamt habe sich die Kurzarbeit als wertvolles und meistgenutztes Instrument während der Zeit seit März erwiesen, erklärt der promovierte Volkswirt. 80 Prozent der Befragten nahmen sie in Anspruch - dafür bauten nur knapp 20 Prozent über betriebsbedingte Kündigungen Personal ab. 45,7 Prozent musste ihren Personalstand an die Krisenlage anpassen. 42,3 Prozent melden: "Derzeit kein Personalbedarf."

Boom in der Baubranche geht weiter

Das trifft aber nicht auf die Baubranche zu, denn dort setzt sich der Boom fort. Zwar gehen die Befragten von weniger Aufträgen aus, aber auf hohem Niveau. Die Nachfrage im Wohnungsbau und bei Aufträgen der öffentlichen Hand zieht wieder an, während es bei gewerblichen Projekten stockt. "Diese Investitionen werden erst zurückkommen, wenn der Aufschwung anhält", sagte Kessler. Das ergibt sich auch aus den Angaben, wo die Unternehmen derzeit investieren: Ersatz und Rationalisierung stehen ganz oben, Digitalisierung nimmt zu - Erweiterungen mit Bauten und Maschinen belegen den letzten Platz.

Auch der Einzelhandel meldet unter dem Strich eine Erholung. "Hier gibt es aber Gewinner und Verlierer", erläuterte Kessler: Baumärkte, Fahrradhändler, Drogerie- und Lebensmittelgeschäfte erleben ein gutes, teilweise überdurchschnittliches Jahr, während Mode- und Saisonware-Händler Einbußen erlitten.

In den Industriebetrieben der Region hat sich die Lage ebenfalls deutlich aufgehellt - auch bei den exportgetriebenen Unternehmen. Vor allem die Geschäfte mit Asien bessern sich wieder, aber auch innerhalb des Euro-Raums. "Die regionale Industrie ist der Schrittmacher für die Wirtschaft der Region", betonte der IHK-Konjunkturexperte. Da sei es beachtenswert, dass die Geschäftserwartungen sogar besser eingeschätzt werden als vor einem Jahr. "Die Konjunktur hatte ja schon vor Corona geschwächelt", erinnerte Kessler.

Virus beherrscht die Konjunktur

Noch beherrscht aber das Virus die Konjunktur. 63 Prozent der Unternehmen erwarten für dieses Jahr einen Umsatzrückgang. 19 Prozent sehen keine größeren Auswirkungen - und zehn Prozent berichten sogar, dass sie von einem Umsatzwachstum ausgehen. Trotz - oder sogar wegen - Corona.

 

 

Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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