Die regionale Wirtschaft trotzt dem Virus

Region  Industrie und Handwerk schlagen sich in der Pandemie gut. Auch der Arbeitsmarkt ist stabil. Probleme gibt es aber weiterhin Handel und Gastronomie.

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Die regionalen Industrieunternehmen (hier die Produktion des Audi E-Tron GT in den Böllinger Höfen) verzeichnen wieder wachsende Umsätze.

Foto: Audi

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden Deutschland noch über Jahre beschäftigen. Doch die Horrorszenarios, die im vergangenen Jahr von vielen Experten gezeichnet wurden, haben sich in der Region bislang nicht bewahrheitet. Es gab weder eine Pleitewelle noch Massenentlassungen - wozu nicht zuletzt die staatlichen Hilfsmaßnahmen beigetragen haben.

Konjunkturumfrage zeigt klare Tendenz

Derzeit spricht viel dafür, dass die regionale Wirtschaft die Corona-Delle schnell hinter sich lässt und zu alter Stärke zurückfindet. So bezeichneten in der Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken zum ersten Quartal 2021 40 Prozent der befragten Betriebe ihren Geschäftsverlauf als gut, lediglich 19 Prozent waren unzufrieden. Und knapp ein Viertel der Unternehmen hatte bereits wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

"Bis zum Herbst 2021 wäre eine durchgreifende Erholung durchaus möglich", sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring bei der Vorstellung der Umfrage Anfang Mai.

Automobilindustrie hat Krise hinter sich gelassen

Vor allem die Industrie und die Bauwirtschaft erwiesen sich in den vergangenen Monaten als sehr robust. Für die Automobilindustrie läuft es seit vergangenem Herbst wieder überraschend rund. Getrieben von der starken Nachfrage in China haben die Absatzzahlen annähernd wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

E-Modelle legen besonders stark zu, aber auch Verbrenner sind gefragt. Damit haben viele Zulieferer etwas Zeit bekommen, die Transformation in Richtung E-Mobilität anzugehen. Sorgen bereiten derzeit nur Probleme in der Lieferkette und hier vor allem der Halbleitermangel. Audi etwa geht davon aus, dass die Situation "in den nächsten Monaten" angespannt bleibt.

Einzelhandel und Gastro hoffen jetzt auf Lockerungen

Schlecht ist die Lage weiterhin in den Bereichen Einzelhandel, Hotel- und Gaststättengewerbe. Hier dürfte sich die Situation allerdings im Zuge der weiteren Lockerungen verbessern.

Auch das regionale Handwerk hat sich von der Pandemie nicht ausbremsen lassen. "Die Erwartungen der Handwerker sind deutlich optimistischer als noch zu Beginn des Jahres", sagt Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, bei der Vorstellung des Konjunkturberichts zum ersten Quartal 2021. So waren mehr als die Hälfte der Betriebe mit ihrem Geschäftsverlauf zufrieden, nur 24,3 Prozent zeigten sich unzufrieden.

Material wird knapp und teuer

"Den meisten Handwerksbetrieben geht es trotz Krise relativ gut", sagt Bopp. Im Moment werde der positive Blick in die Zukunft aber durch massive Preiserhöhungen und mangelnde Verfügbarkeit von Material getrübt. Ich hoffe, dass es in den kommenden Monaten wieder zu einer Beruhigung kommen wird und geplante Baumaßnahmen mit einer vernünftigen Preisgestaltung umgesetzt werden können."

"In der Corona-Pandemie hat man gesehen, wie systemrelevant das Handwerk für unser Land ist. Das Sprichwort ,Handwerk hat goldenen Boden" passt gerade in Krisenzeiten und sollte uns Zuversicht und Mut für die Zukunft geben", ergänzt Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr.

Positiver Trend am Arbeitsmarkt

Die Robustheit der heimischen Wirtschaft zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Seit Monaten sinkt die Zahl der Arbeitslosen in den Bezirken der Arbeitsagenturen Heilbronn und Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, die Quoten liegen bei 4,1 und 3,3 Prozent. "Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt setzt sich fort und es herrscht eine vorsichtige Aufbruchstimmung", so Elisabeth Giesen, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim.


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Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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