Das neue elektrische Kompakt-SUV EQA von Mercedes

Stuttgart  Mit dem Kompakt-SUV EQA startet Mercedes endgültig ins Elektro-Zeitalter. Weitere Modelle sollen folgen und Tesla den Rang ablaufen.

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Je nach Version soll der neue, rein elektrische Mercedes EQA mit vollem Akku mehr als 400 oder sogar mehr als 500 Kilometer weit kommen.

Foto: Mercedes

Wirklich neu ist die Idee von lokal emissionsfreien Elektroautos nicht. Es hat nur lange gedauert, bis Reichweiten, Preise und Infrastruktur halbwegs zueinander passen. Nun ist die Zeit gekommen, in der die lautlosen Stromer immer mehr die Straßen erobern. Im vergangenen Jahr erreichte der Absatz der E-Autos in Deutschland mit 194.200 ein Allzeithoch. Nun will auch Mercedes nach dem anfänglichen Stotterstart ins neue Zeitalter der Mobilität endgültig durchstarten.

Höhenflug nutzen

Am Mittwoch hat der Autobauer das elektrische Kompakt-SUV EQA enthüllt. Zu Preisen ab 47.541 Euro aufwärts ist der Wagen ab 4. Februar bestellbar, soll deutlich mehr als 400 Kilometer weit kommen und bildet dann den Einstieg in die elektrische Welt mit dem Stern. "Unsere kompakten SUVs GLA und GLB befinden sich im Höhenflug. Da lag es auf der Hand, dass wir in diesem Segment auch vollelektrische Fahrzeuge anbieten", sagte Britta Seeger, Vorständin für Vertrieb, bei der Online-Weltpremiere des neuen EQA.

Weil die noble Konkurrenz aus Ingolstadt und München mit dem kommenden Audi Q4 E-Tron und dem bereits erhältlichen BMW iX3 eine halbe Nummer größer ist und Autos wie zum Beispiel der VW ID.4 preislich mittelfristig in einer anderen Liga spielen, fährt der neue EQA erst einmal in einer eigenen Liga. Gebaut wird im Werk Rastatt und demnächst auch in Peking (China).

Ohne Stromer geht es nicht mehr

Mit dem EQA sollen nun die Stückzahlen deutlich nach oben gehen, nachdem der Erstling EQC seit seinem Start vor zwei Jahren deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Daimler-Boss Ola Källenius weiß, dass ein reibungsloser Anlauf der Elektromobilität großen Anteil daran haben wird, ob die Marke mit dem Stern in Zukunft in der Erfolgsspur bleibt. Dem Schweden geht es wie allen anderen Bossen in der Branche: Ohne E-Autos sind die immer strengeren Abgasnormen nicht zu schaffen, sonst drohen insbesondere in der Europäischen Union schmerzhafte Strafen in Milliardenhöhe. Daher schieben die Stuttgarter wenige Monate nach dem EQA den größeren EQB hinterher. Beide soll es mittelfristig mit verschiedenen Batteriegrößen und in den Topversionen mit mehr als 500 Kilometern Reichweite geben.

E-Modelle bringen weniger Rendite

EQ ist im Daimler-Konzern das Label für die Elektrifizierung des Antriebsstrangs. Zehn Milliarden Euro investieren die Stuttgarter in den kommenden Jahren in den Zukunftsmarkt. Ein Problem aber bleibt: Die Akku-Autos werfen deutlich weniger Rendite ab als Autos mit Verbrennungsmotor. Daher bleibt auch die alte Welt wichtig, um die neue, emissionsfreie finanzieren zu können. Das Neue machen ohne das Alte zu lassen - wie das geht, zeigt die Marke mit dem Stern in diesen Tagen, wenn sie die ersten Exemplare neuen S-Klasse ausliefert. Mit keinem anderen Auto verdienen die Schwaben mehr Geld. Und weil die betuchte Klientel in der Oberklasse ebenfalls ein grünes Gewissen und neue Technologie haben möchte, fährt im Windschatten der S-Klasse das elektrische Pendant EQS auf einer neuen E-Plattform mit 700 Kilometern Reichweite im Herbst an die Startlinie.

In den nächsten zwei, drei Jahren soll eine ganze Armada neuer Stromer folgen. Getreu der neuen Maxime von Konzernchef Källenius konzentriert sich Mercedes dabei vor allem auf die Oberklasse. Neben dem EQS wird es daher auch einen EQE im Format der E-Klasse geben. Dazu sollen sich alsbald auch die entsprechenden SUVs gesellen: GLE und GLS bekommen dann elektrische Alternativen.

Jagd auf Tesla

So will Mercedes den amerikanischen Konkurrenten und Elektroauto-Pionier Tesla ein- und vor allem überholen. "Vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn ein Neuling die Lage aufmischt", sagt Källenius mit Blick auf den Konkurrenten aus Kalifornien. An der Börse ist Tesla derzeit ein Vielfaches wert wie Daimler. Das zeige, wie viel Fantasie im Technologiewandel steckt. Källenius plant, bis zum Jahr 2030 mindestens die Hälfte aller Mercedes-Pkw mit elektrischem Antrieb zu verkaufen. "Wenn der Markt sich schneller dreht, werden wir bereit sein", verspricht der 51-Jährige. Nun also erst einmal der EQA, der dafür sorgen soll, dass mehr und mehr Fahrzeuge mit dem Stern mit einem E im Kennzeichen auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Auto-Experte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, erklärt: "Der EQA ist der Beginn einer neuen Ära."

Starker Anstieg

Mercedes hat für das Jahr 2020 einen starken Anstieg bei den elektrifizierten Modellen gemeldet. Weltweit wurden mehr als 160.000 Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge verkauft, davon rund 87.000 Einheiten allein im vierten Quartal 2020. Gegenüber dem Vorjahr sind die Verkäufe angesichts der Coronakrise insgesamt jedoch um 7,5 Prozent gesunken. Mit 2,164 Millionen Einheiten behauptete Mercedes-die Spitzenposition im Vergleich zu den Wettbewerbern Audi und BMW


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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