Campina plant in Heilbronn massiven Stellenabbau

Heilbronn  Im Joghurtwerk in Heilbronn soll nahezu jeder fünfte Arbeitsplatz wegfallen. Dabei waren in Heilbronn erst im vergangenen Jahr Stellen abgebaut worden, als die Deutschland-Verwaltung nach Düsseldorf verlagert wurde.

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Friesland-Campina, der Molkereikonzern will in Heilbronn erneut Stellen abbauen. Betroffen sind diesmal 105 Arbeitsplätze vor allem in der Produktion.

Foto: Archiv/Berger

Im Joghurtwerk von Friesland-Campina sollen erneut Stellen gestrichen werden. Vorgesehen ist ein Abbau von 105 der momentan noch etwa 590 Arbeitsplätze, berichtete Burkhard Siebert, Heilbronner Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Die Belegschaft wurde darüber am Mittwochnachmittag informiert.

Vorgesehen sei demnach, mehrere der zurzeit 14 Fertigungslinien stillzulegen. Dafür sollen moderne Anlagen installiert werden, die aber weniger Personal benötigen, berichtete Siebert. Im Werk Heilbronn waren erst im vergangenen Jahr 70 Stellen abgebaut worden, als die Deutschland-Verwaltung nach Düsseldorf verlagert wurde. Im Werk in Köln sollen 85 Stellen wegfallen.

Betriebsbedingte Kündigungen möglich

Der niederländische Molkereikonzern hatte vor zwei Wochen angekündigt, insgesamt 1000 Arbeitslätze in Deutschland, den Niederlanden und Belgien bis Ende 2021 streichen zu wollen. Betriebsbedingte Kündigungen könnten dabei nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 23.800 Mitarbeiter. Durch den Stellenabbau sollen von 2022 an jährlich 100 Millionen Euro eingespart werden, hieß es als Begründung.

Friesland-Campina ist mit diesem Vorgehen nicht alleine: Der französische Molkereikonzern Danone kündigte am Dienstag an, 1500 bis 2000 Arbeitsplätze abzubauen. Damit sollen bis 2023 bis zu eine Milliarde Euro eingespart werden.

Beratung mit dem Betriebsrat

NGG-Vertreter Burkhard Siebert kündigte an, sich an diesem Freitag mit dem Heilbronner Betriebsrat über das weitere Vorgehen zu beraten. An den Plänen übte er deutliche Kritik. "Auf dem Milchmarkt geht es derzeit darum, den Profit auf Kosten der Belegschaft zu erhöhen", sagte er. Man versucht einseitig, die Bauern zu befriedigen." Friesland-Campina ist als Genossenschaft im Eigentum der angeschlossen Milcherzeuger.

Bei den kleineren Molkereien in der Region wie der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall oder der Demeter-Molkerei in Schrozberg sieht der Gewerkschafter allerdings keine Tendenzen zu derartigen Einschnitten. Beide Betriebe seien regional verwurzelt und stünden solide da, lautet seine Einschätzung.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

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