Bosch hält an Klimaschutzzielen fest

Stuttgart  Der Technologiekonzern spürt die Auswirkungen der Autokrise und der Corona-Pandemie. Viele Mitarbeiter in Deutschland sind in Kurzarbeit, auch am Standort Abstatt mit 6000 Beschäftigten. Auf Kündigungen will der Stuttgarter Konzern "weitestgehend" verzichten.

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Trotz eines Gewinneinbruchs im vergangenen Jahr und düsteren Aussichten im laufenden Jahr hält der Technologiekonzern Bosch an seinen ehrgeizigen Klimazielen fest. "Klimaschutz kostet, aber Nichtstun wird teurer", sagte Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung des Konzerns, am Mittwoch bei der Online-Pressekonferenz des Stuttgarter Unternehmens.

Alle 400 Standorte werden dieses Jahr klimaneutral

Im vergangenen Jahr hatte Denner angekündigt, alle 400 Bosch-Standorte bis Ende 2020 klimaneutral zu machen. "Dieses Ziel werden wir erreichen", sagte der Manager. "Seit Ende 2019 sind bereits alle Standorte in Deutschland CO2-neutral, weltweit haben wir Stand heute 70 Prozent erreicht." Man komme bei der Umstellung deutlich schneller voran als geplant, sagte Denner.

Dazu gehören vor allem die Steigerung der Energieeffizienz, die Versorgung der Werke mit regenerativer Energie, der stärkere Zukauf von Ökostrom sowie CO2-Kompensationszahlungen.

Für Denner ist das Erreichen der Klimaziele immer noch möglich - "aber nur dann, wenn große Unternehmen wie Bosch ihre großen Hebel bewegen", nahm er sein Unternehmen in die Pflicht.

100 Bosch-Werke waren im Shutdown

Das ist angesichts der aktuellen Situation nicht selbstverständlich, schließlich macht die Krise der Autobranche und die Corona-Pandemie dem Technologiekonzern schwer zu schaffen. 100 Bosch-Werke seien weltweit im Shutdown gewesen, aktuell seien es noch 63 Standorte, berichtete Denner. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland arbeiten derzeit weniger, rund ein Drittel befinden sich in Kurzarbeit. Das wird wohl auch im Mai der Fall sein.

Bosch will bei der Bewältigung der Corona-Krise durch die kurzfristige Entwicklung von medizinischen Hilfsmitteln mithelfen. Das Unternehmen ist bereits mit einem Covid-19-Schnelltest auf dem Markt. "So wollen wir 2020 mehr als eine Million Schnelltests produzieren, im nächsten Jahr sollen es drei Millionen sein", kündigte Denner an. Außerdem stehe ein beschleunigter Schnelltest, der weniger als 45 Minuten dauert, kurz vor Abschluss der Entwicklung. Bosch fertigt außerdem Mund- und Nasenmasken. Täglich sind es mehr als eine halbe Million Masken, zunächst für die eigenen Mitarbeiter.

Keine Prognose für 2020 möglich

Angesichts der Corona-Krise sieht sich das Bosch-Management nicht in der Lage, eine "qualifizierte Prognose" für 2020 zu geben. "Wir müssen uns auf eine tiefe weltweite Rezession einstellen", sagte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Mit einem Verlust rechnet er derzeit nicht. Aber: "Es bedarf größter Anstrengungen, um zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen", betonte Asenkerschbaumer.. Von Vorteil für Bosch sei die breite Aufstellung des Konzerns und die gute Eigenkapitalquote von 46 Prozent.

Im vergangenen Jahr konnte Bosch den Umsatz mit 77,7 Milliarden Euro fast auf dem Vorjahresniveau von 78,5 Milliarden halten. Das operative Ergebnis brach allerdings um 40 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro ein. Mittelfristig wolle man wieder auf eine Umsatzrendite von sieben Prozent kommen nach 4,2 Prozent im vergangenen Jahr.

Sparprogramme laufen weiter

Daher laufen die bereits angeschobenen Sparprogramme weiter, die alle Bereiche und Funktionen weltweit betreffen, wie der Finanzchef betonte. Auf betriebsbedingte Kündigungen wolle man wie bisher "weitestgehend" verzichten, versicherte Geschäftsführer Christoph Kübel. Wie stark die Mitarbeiterzahl im laufenden Jahr sinken werde, konnte er nicht sagen.

Am Standort Abstatt mit aktuell rund 6000 Mitarbeitern wird der Betrieb ab 4. Mai stufenweise wieder hochgefahren, wie ein Sprecher auf Stimme-Anfrage mitteilte. Die Mitarbeiter sollen aber weiterhin möglichst mobil von zu Hause aus arbeiten. „Wir rechnen hier mit maximal 1500 Mitarbeitern“, sagte der Sprecher. Bei Bosch Chassis Systems Control ist im Mai weiterhin Kurzarbeit geplant. „Die Arbeit an laufenden Kundenprojekten wird im erforderlichen Umfang weiterlaufen“, heißt es.

Bosch Engineering sei von den Maßnahmen nicht direkt betroffen. Allerdings beobachte man die Lage sehr genau und bereite verschiedene Szenarien passend zur Lage an den Standorten vor. So wurde bereits vereinbart, dass alle Mitarbeiter am Standort Abstatt einen Teil ihres Urlaubs bis 30. Juni nehmen.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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